Kunden der Neobank Revolut sind ins Visier von Cyberkriminellen geraten, nachdem Angreifer mithilfe einer echten behördlichen E-Mail-Adresse sensible Kundendaten erbeuten konnten. Betroffen sind einige hundert Personen weltweit, darunter auch eine kleine Zahl von Kunden aus Deutschland. Nach Angaben des Finanzinstituts sind weder die bankinternen IT-Systeme noch Kundengelder direkt kompromittiert worden.
Ausspähung über gefälschte Behördenanfragen
Die Angreifer nutzten eine legitime E-Mail-Domain einer Regierungsbehörde, um offizielle Auskunftsersuchen an Revolut zu richten. Da Finanzinstitute gesetzlich zur Zusammenarbeit mit Strafverfolgungs- und Regulierungsbehörden verpflichtet sind, bearbeitete die Neobank die scheinbar echten Anfragen und gab die verlangten Informationen heraus. Erst eine spätere Rückfrage bei der betroffenen Institution deckte den Betrug auf. Um welche Behörde es sich konkret handelte, teilte Revolut nicht mit.
Die Täter erlangten auf diesem Weg weitreichende persönliche Datensätze. Dazu zählen:
- Vollständige Kontaktdaten, Geburtsdaten, Post- und E-Mail-Adressen sowie Telefonnummern
- Kopien von Ausweisdokumenten wie Pässen und Führerscheinen
- Transaktionsdaten, unter anderem zu getätigten Bitcoin-Überweisungen
Nach Bekanntwerden sperrte Revolut die missbrauchte E-Mail-Adresse umgehend und schaltete die Aufsichts- sowie Strafverfolgungsbehörden ein.
Gezielte Erpressungsversuche gegen Betroffene
Nach ersten Erkenntnissen zielte der Angriff vor allem auf vermögende Einzelpersonen ab. Berichten zufolge wurden erbeutete Ausweisdokumente und Selfies bereits in Telegram-Gruppen veröffentlicht, um Druck auf die Neobank und einzelne Kunden auszuüben. Ein betroffener Unternehmer gab an, bereits vor Monaten mit den gestohlenen Daten erpresst worden zu sein.
Der Vorfall trifft das Unternehmen in einer sensiblen Expansionsphase. Weltweit zählt Revolut mehr als 80 Millionen Kunden und strebt derzeit eine vollständige Banklizenz in den USA an, nachdem dort Anfang September eine eingeschränkte Genehmigung erteilt worden war.
Was Betroffene jetzt beachten müssen
Revolut hat alle direkt betroffenen Kundinnen und Kunden bereits per E-Mail benachrichtigt. Wer keine Benachrichtigung erhalten hat, gehört nach derzeitigem Stand nicht zu der kompromittierten Gruppe. Für alle Nutzer gilt dennoch erhöhte Wachsamkeit:
- Verdächtige Kontaktaufnahmen prüfen: Liegen Betrügern echte Passkopien oder Transaktionsdaten vor, können Folgeangriffe (wie sogenanntes Spear-Phishing) extrem glaubwürdig wirken. Angeblichen Anrufen oder Nachrichten von Banken oder Behörden sollte grundsätzlich misstraut werden.
- Kein Lösegeld zahlen: Sollten Erpresser Kontakt aufnehmen und mit der Veröffentlichung persönlicher Dokumente drohen, sollten Betroffene umgehend die Polizei einschalten und keinesfalls auf Geldforderungen eingehen.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiv halten: Da auch Telefonnummern und Adressen entwendet wurden, sollten sicherheitskritische Logins zusätzlich über Authentifikator-Apps abgesichert sein.
Weitere Einzelheiten zu den Hintergründen des Vorfalls liefert der Bericht von Heise Online.
Quellen: Heise – News



















