Ein Herzinfarkt galt bislang als endgültiger Verlust: abgestorbenes Muskelgewebe, ersetzt durch Narben. Eine neue Studie der University of Sydney widerlegt das nun erstmals direkt am lebenden menschlichen Herzen – und zeigt, dass sich Herzmuskelzellen nach einem Infarkt tatsächlich neu bilden können.
Was die Forschenden herausfanden
Das Team um Dr. Robert Hume vom Charles Perkins Centre und dem Baird Institute untersuchte Gewebeproben, die Patientinnen und Patienten während einer Bypass-Operation am Royal Prince Alfred Hospital in Sydney entnommen wurden. Es ist die weltweit erste Analyse solcher „prä-mortem“-Proben aus schlagenden, lebenden Herzen. Das Ergebnis: Herzmuskelzellen (Kardiomyozyten) können nach einem Infarkt erneut in den Zellzyklus eintreten und sich vollständig teilen – ein Vorgang, der zuvor nur in Tiermodellen beobachtet worden war.
Warum das relevant ist
Ein Infarkt kann bis zu einem Drittel aller Herzmuskelzellen zerstören; die betroffenen Areale galten bislang als unwiderruflich vernarbt. Besonders auffällig: Bei Patienten mit einer implantierten Herzpumpe (LVAD), deren Herzfunktion sich erholte, lag die Rate neu gebildeter Muskelzellen mehr als sechsmal höher als in gesunden Herzen. Das nährt die Hoffnung, die körpereigene Reparatur gezielt anzukurbeln.
Einordnung
Die in Circulation Research veröffentlichte Arbeit ist ein Grundlagenbefund, noch keine Therapie. Studienautor Hume betont, die natürliche Regeneration reiche nicht aus, um die verheerenden Folgen eines Infarkts zu verhindern. Doch sie öffnet die Tür für künftige regenerative Behandlungen der Herzinsuffizienz – einer Erkrankung, mit der allein in Australien rund 144.000 Menschen leben.
Quellen: University of Sydney (Pressemitteilung); Hume et al., Circulation Research (American Heart Association), DOI 10.1161/CIRCRESAHA.125.327486, online 10.09.2026.



















