Ein Forschungsteam der Universitaet Konstanz hat in Waldboden ein Bakterien-Enzym aufgespuert, das gleich zwei hartnaeckige Stoffklassen angreift: langkettige Polyester-Biokunststoffe und Beta-Lactam-Antibiotika wie Penicillin. Wegen seines auffallend weit geoeffneten aktiven Zentrums tauften die Forschenden das Molekuel „Pac-Man-Enzym“. Die Studie erschien am 2. September 2026 im Fachjournal The ISME Journal.
Zwei Funktionen in einem Molekuel
Bei dem Molekuel handelt es sich um eine sogenannte Familie-VIII-Esterase, die ueber einen Lipidanker fest an der Zelloberflaeche des Bakteriums sitzt. Sie zerlegt langkettige aliphatische Polyester in ihre Bausteine (Monomere) – kann aber zugleich den Beta-Lactam-Ring von Penicillin spalten. Diese Doppelfunktion erklaeren die Forschenden mit der strukturellen Verwandtschaft zu Beta-Lactamasen, jenen Enzymen, mit denen Bakterien Antibiotika unschaedlich machen.
Monatelang, aber vollstaendig
Im Waldboden vergrabene Biokunststoff-Folien zersetzten sich in rund 250 bis 330 Tagen komplett, waehrend herkoemmliches HDPE-Plastik praktisch unberuehrt blieb. Elektronenmikroskopische Aufnahmen zeigten Bakterien, die sich in die Folie einnisten und mikrometergrosse Loecher hinterlassen.
Noch Laborforschung
Die Ergebnisse stammen aus kontrollierten Labor- und Bodenversuchen; wie sich das Enzym in freier Natur oder im technischen Massstab verhaelt, ist offen. Interessant ist der Befund dennoch doppelt: als moeglicher Baustein fuer den biologischen Abbau von Kunststoffen und als Hinweis darauf, wie Antibiotikaresistenzen im Boden entstehen.
Quelle: Universitaet Konstanz / EurekAlert, Pressemitteilung vom 2. September 2026; Lerner et al., The ISME Journal (2026), DOI 10.1093/ismejo/wrag203. Zur Pressemitteilung.



















