Ein weltweit gebräuchliches Medikament könnte künftig gegen die schmerzhaften Stiche von Seenesseln helfen: Der Gerinnungshemmer Heparin blockierte in Labortests die zellzerstörende Wirkung des Quallengifts – selbst dann noch, wenn er erst eine Stunde nach dem Kontakt zugegeben wurde.
Genscreening entlarvt die Angriffspunkte des Gifts
Ein Team um Professor G. Gregory Neely am Charles Perkins Centre der University of Sydney durchsuchte mit einem genomweiten CRISPR-Screen menschliche Zellen nach jenen Genen, die über Leben und Tod nach einer Giftdosis entscheiden. Die Ergebnisse erschienen am 2. September 2026 im Fachjournal Science Advances; beteiligt waren auch die Liverpool School of Tropical Medicine und die Universität Oslo.
Auffällig oft stießen die Forschenden auf Gene, die den Aufbau sogenannter Proteoglykane steuern – Zucker-Eiweiß-Strukturen an der Zelloberfläche. Offenbar dockt das Gift genau dort an und treibt die Zellen anschließend über zwei Selbstzerstörungsprogramme (Apoptose und Nekroptose) in den Tod.
- Der Screen hob die Heparansulfat- und Proteoglykan-Biosynthese als wichtigsten Signalweg hervor.
- Heparin ähnelt diesen Zuckerstrukturen und fängt das Gift ab, bevor es die Zellen erreicht.
- Schon eine niedrige Dosis genügte – und der Schutz wirkte noch bis zu 60 Minuten nach dem Kontakt.
Bei Mäusen linderte der Wirkstoff nach einem simulierten Stich sowohl den akuten Schmerz als auch die anhaltende Überempfindlichkeit gegenüber Hitze und Berührung. Da Heparin seit Jahrzehnten als Blutverdünner im Einsatz ist, wäre es ein leicht verfügbarer und gut untersuchter Kandidat.
Ein Vorbehalt bleibt: Die Belege stammen bislang aus Zellkulturen und Tierversuchen. Ob Heparin auch beim Menschen die Beschwerden nach einem Quallenstich lindert, müssen klinische Studien erst zeigen.
Quellen: Science Advances · PubMed · University of Sydney



















