Ein Team der Carnegie Mellon University hat eine Grundannahme der Festkörperphysik widerlegt, die seit 1879 als gesetzt galt: Der sogenannte anomale Hall-Effekt tritt auch dann auf, wenn das Magnetfeld in der Ebene des Materials liegt – und nicht, wie bisher gelehrt, nur senkrecht dazu.
Was die Forscher gemessen haben
Der Hall-Effekt beschreibt eine Querspannung, die entsteht, wenn ein Magnetfeld bewegte Ladungsträger in einem Leiter ablenkt. Edwin Hall zeigte 1879, dass dafür ein senkrecht stehendes Feld nötig sei – ein Prinzip, das seither in Sensoren und in der Materialanalyse genutzt wird. Das Team um Simranjeet Singh und Jyoti Katoch baute atomar dünne Schichtstapel aus dem Quantenmaterial Tantal-Iridium-Tellurid (TaIrTe₄) und der magnetischen Verbindung Chrom-Germanium-Tellurid (Cr₂Ge₂Te₆). Darin ließ sich ein anomaler Hall-Effekt auch mit einem Feld parallel zur Materialebene messen. Die Ergebnisse erschienen am 3. September 2026 im Fachjournal Nature Materials.
Warum das für Technik interessant ist
Ein einzelner Sensor könnte künftig Magnetfelder in mehreren Raumrichtungen erfassen – statt wie heute mehrere Bauteile zu kombinieren. Das eröffnet Perspektiven für kompaktere Magnetsensoren in Elektronik, Fahrzeugen und Medizintechnik sowie für die Spintronik, die magnetische Zustände zur Informationsverarbeitung nutzt.
Was noch offen ist
Wichtig ist die Einordnung: Der Effekt wurde bislang nur bei tiefen Temperaturen im Labor beobachtet, an eigens gefertigten, nanometerdünnen Materialstapeln. Ob er sich bei Raumtemperatur und in fertigungstauglichen Werkstoffen nachbilden lässt, ist offen. Bis zu marktreifen Sensoren ist es also ein weiter Weg – der Befund ist zunächst ein grundlegender Erkenntnisgewinn, kein fertiges Produkt.
Quellen: Carnegie Mellon University (MCS News) · Nature Materials (DOI) · phys.org · ScienceDaily



















