LoRa, Zigbee oder WLAN: welches Funkprotokoll wofür

Die drei Techniken werden ständig verglichen, obwohl sie kaum konkurrieren: Jede ist für einen anderen Kompromiss gebaut. WLAN opfert Reichweite und Strom für Tempo, Zigbee opfert Tempo für Batterielaufzeit, LoRa opfert praktisch alles für Reichweite. Wer das einmal sortiert hat, entscheidet in Sekunden.

Inhaltsverzeichnis

Der Vergleich auf einen Blick

LoRa / LoRaWANZigbeeWLAN
ReichweiteKilometer10 bis 30 m je Sprung10 bis 30 m
Datenratesehr niedrigniedrighoch
BatterielaufzeitJahreMonate bis JahreTage
ReaktionszeitMinutenMillisekundenMillisekunden
Geräte reichen weiterneinja, Meshnein
InfrastrukturGateway und ServerKoordinatorRouter
Durchdringt Wändegutmittelmäßig
Kosten je Sensorhöherniedrigniedrig

Die vorletzte Zeile erklärt einen großen Teil der Praxis: 868 MHz kommt deutlich besser durch Mauern und Decken als 2,4 GHz. Deshalb erreicht ein LoRa-Sensor im Keller ein Gateway im Dachgeschoss, während ein WLAN-Sensor an derselben Stelle nicht einmal den Router im Erdgeschoss sieht.

Die einfache Entscheidungsregel

  1. Braucht es viele Daten? Dann WLAN. Kameras, Lautsprecher, alles mit Bild oder Ton.
  2. Ist es im Haus und soll auf Knopfdruck reagieren? Dann Zigbee. Lampen, Steckdosen, Schalter, Bewegungsmelder.
  3. Ist es weiter weg als ein WLAN reicht? Dann LoRa. Garten, Garage, Schrebergarten, Zisterne.
  4. Soll es Jahre mit einer Batterie laufen und selten melden? Dann LoRa.

Die Regel greift in fast allen Fällen, und der häufigste Fehler ist Zeile 3 zu überspringen: LoRa-Sensoren für Zimmertemperaturen zu kaufen, kostet mehr, reagiert langsamer und braucht ein Gateway – für einen Fall, den ein Zigbee-Sensor besser und günstiger löst.

Warum Zigbee im Haus fast immer gewinnt

  • Die Sensoren sind billig, oft im einstelligen Eurobereich.
  • Sie reagieren sofort – für Schalter und Bewegungsmelder unverzichtbar.
  • Jedes netzbetriebene Gerät verstärkt das Netz, weil Zigbee ein Mesh bildet.
  • Ein Koordinatorstick genügt, kein Netzwerkserver, kein Konto.
  • Die Batterielaufzeit reicht mit ein bis zwei Jahren völlig, wenn das Gerät ohnehin in der Wohnung hängt.

Der dritte Punkt ist der, den LoRaWAN nicht hat: Dort reicht kein Gerät etwas weiter. Was kein Gateway hört, ist verloren. Bei Zigbee wächst die Abdeckung mit jeder Lampe, die man einschraubt – bei Meshtastic übrigens ähnlich.

Wo LoRa unschlagbar ist

AufgabeWarum die anderen scheitern
Bodenfeuchte im Garten, 200 mZigbee und WLAN reichen nicht so weit
Zisterne unter der Erde2,4 GHz kommt kaum durch Erdreich und Beton
Schrebergarten ohne StromWLAN braucht Dauerstrom
Ferienhaus ohne InternetLoRaWAN braucht vor Ort keine Leitung
Zählerstand aus dem Schachtniedrige Frequenz durchdringt besser

Die zweite Zeile ist der eindrucksvollste Fall. Ein Füllstandsensor in einer Zisterne funkt durch eine Betondecke und Erdreich hindurch – und wird trotzdem noch hundert Meter weiter empfangen. Das schafft keine der anderen Techniken.

Was mit WLAN gerne schiefgeht

WLAN-Sensoren sind verlockend, weil kein zusätzliches Netz nötig ist. In der Praxis zeigen sich drei Schwächen:

  • Der Stromverbrauch. Ein WLAN-Sensor auf Batterie hält Tage bis Wochen, nicht Jahre – das Anmelden am Netz kostet jedes Mal viel Energie.
  • Die Netzlast. Zwanzig kleine WLAN-Geräte belasten den Router spürbar, besonders ältere Modelle.
  • Die Abhängigkeit. Fällt das WLAN aus, ist alles weg. Zigbee und LoRaWAN laufen unabhängig davon weiter.

Der erste Punkt wird beim Kauf regelmäßig unterschätzt. „Batteriebetrieben" heißt bei WLAN-Geräten in der Regel: alle paar Wochen laden. Für Sensoren, an die man nicht denken will, ist das der falsche Weg.

Und die anderen: Thread, Z-Wave, NB-IoT

TechnikKurz gesagtWann sinnvoll
Thread / Matterwie Zigbee, moderner, IP-basiertneue Smart-Home-Aufbauten
Z-Wavewie Zigbee, anderes Band, weniger Störungenwenn 2,4 GHz überfüllt ist
NB-IoT / LTE-MLoRa-Reichweite über Mobilfunkwenn kein eigenes Netz möglich ist

Die letzte Zeile ist die eigentliche Konkurrenz zu LoRaWAN. Mobilfunkbasierte Sensortechnik braucht kein eigenes Gateway und funktioniert überall dort, wo Netz ist – kostet aber einen Vertrag je Gerät. Die Faustregel: wenige Geräte an verstreuten Orten sprechen für Mobilfunk, viele Geräte an einem Ort für ein eigenes LoRaWAN.

Fazit

Im Haus Zigbee, für Daten WLAN, jenseits der Grundstücksgrenze LoRa. Damit sind die meisten Entscheidungen getroffen.

LoRa ist keine bessere Version der anderen, sondern ein anderer Handel: maximale Reichweite gegen minimale Datenrate. Wer viel Reichweite braucht und wenig zu sagen hat, bekommt hier etwas, das keine andere Technik bietet.

Und WLAN-Sensoren auf Batterie sind fast immer die falsche Wahl – unabhängig davon, was auf der Verpackung steht.

Häufige Fragen

Ist LoRa besser als Zigbee?

Nein, es ist anders. LoRa erreicht Kilometer bei sehr wenig Daten und langer Reaktionszeit, Zigbee wenige Meter bei sofortiger Reaktion. Im Haus ist Zigbee praktisch immer die bessere Wahl.

Kann LoRa mein WLAN ersetzen?

Nein. Die Datenrate liegt um Größenordnungen darunter – wenige hundert Bit bis etwa elf Kilobit pro Sekunde. Für Messwerte reicht das, für alles andere nicht.

Warum kommt LoRa besser durch Wände?

Wegen der niedrigeren Frequenz. 868 MHz durchdringt Baustoffe deutlich besser als die 2,4 GHz von Zigbee und WLAN. Dazu kommt das robuste Übertragungsverfahren.

Lohnen sich WLAN-Sensoren mit Batterie?

Selten. Die Anmeldung am Netz kostet viel Energie, deshalb halten sie Tage bis Wochen statt Jahre. Für Sensoren, die man vergessen können will, ist Zigbee oder LoRa die bessere Wahl.

Was ist mit Thread und Matter?

Thread ist technisch mit Zigbee vergleichbar, aber IP-basiert und Grundlage vieler Matter-Geräte. Für neue Smart-Home-Aufbauten im Haus ist das die zukunftssicherere Wahl – an der Reichweitenfrage ändert es nichts.

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