Meshtastic oder MeshCore: gleiche Hardware, andere Philosophie
Beide Firmwares laufen auf denselben Boards, funken auf denselben Frequenzen und lösen dieselbe Aufgabe: Textnachrichten über Kilometer, ohne Mobilfunk. Der Unterschied liegt in einer einzigen Entscheidung – ob jedes Gerät alles weiterreicht oder ob das Netz Wege lernt. Daraus folgt alles andere.
Der Unterschied in einem Satz
Meshtastic flutet: Jedes Gerät wiederholt jede Nachricht. MeshCore lernt Wege und schickt danach gezielt über Repeater.
Das klingt nach einem Detail und entscheidet in Wahrheit über Akkulaufzeit, Aufbauaufwand und darüber, wie groß ein Netz werden kann, bevor es sich selbst blockiert.
Der direkte Vergleich
| Meshtastic | MeshCore | |
|---|---|---|
| Wegfindung | Fluten, jedes Gerät wiederholt | einmal fluten, dann gelernter Weg |
| Rollen | alle Geräte gleichrangig | Companion, Repeater, Room Server |
| Sprünge | bis 7 | bis 64 |
| Akku im Handgerät | kürzer, weil es mitrelaiert | länger, Companion leitet nichts weiter |
| Sendezeit bei wachsendem Netz | steigt mit jedem Gerät | bleibt nahezu flach |
| Aufbau | läuft sofort, ohne Planung | braucht bewusst gesetzte Repeater |
| Nachrichtenspeicher | nein | Room Server hält Ungelesenes vor |
| Verbreitung im DACH-Raum | deutlich größer | wächst, noch dünn |
| Kosten | vollständig kostenlos | Kern kostenlos, Zusatzfunktionen kostenpflichtig |
Zeile 5 ist das eigentliche technische Argument für MeshCore. Beim Fluten wächst die Luftbelastung mit der Zahl der Teilnehmer – irgendwann reden alle gleichzeitig und niemand kommt durch. Das gelernte Routing umgeht genau das, und in Europa zählt das doppelt, weil das Sendezeitbudget ohnehin knapp ist.
Zeile 6 ist das Gegenargument. Meshtastic funktioniert in dem Moment, in dem zwei Geräte eingeschaltet werden. MeshCore braucht jemanden, der Repeater platziert – sonst reicht es nur so weit wie die direkte Funkstrecke.
Der Akku-Unterschied ist bauartlich
Das ist der Punkt, den man im Alltag am deutlichsten merkt. Ein Meshtastic-Handgerät ist Teil der Infrastruktur – es muss ständig lauschen und weiterleiten, sonst funktioniert das Netz nicht.
Ein MeshCore-Companion ist es ausdrücklich nicht. Er redet nur, wenn Du etwas schickst, und hört auf das, was für Dich bestimmt ist. Die Weiterleitung erledigen die Repeater.
Für ein Gerät in der Jackentasche ist das ein echter Vorteil – vorausgesetzt, es gibt Repeater. Ohne sie hat man ein sparsames Gerät, das niemanden erreicht.
Sparsame Boards mit nRF52-Chip sind bei beiden Firmwares die bessere Wahl fürs Handgerät – die Einordnung der Bauarten steht unter Meshtastic-Hardware.
Welche Firmware wofür
| Vorhaben | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Erstes Ausprobieren | Meshtastic | läuft ohne Planung, größere Gemeinschaft |
| Anschluss an ein Stadtnetz | das, was dort läuft | meist Meshtastic – vorher nachsehen |
| Wandern zu zweit oder zu dritt | Meshtastic | kein Repeater vorhanden, Geräte müssen relaien |
| Vereins- oder Regionalnetz mit festen Knoten | MeshCore | skaliert besser, Room Server |
| Lange Kette entlang eines Tals | MeshCore | 64 Sprünge statt 7 |
| Netz mit vielen Dutzend Teilnehmern | MeshCore | Fluten wird dort zum Engpass |
| Anbindung an die Hausautomatisierung | Meshtastic | mehr fertige Wege |
Die zweite Zeile ist die praktisch wichtigste und wird von Vergleichen meist ignoriert: Eine Firmware allein nützt nichts. Wer Anschluss an ein bestehendes Netz sucht, muss das nehmen, was die anderen fahren – Geräte mit unterschiedlicher Firmware hören einander nicht.
Was für beide gleich gilt
- Dieselbe Hardware. Heltec-Boards, T-Beam, T-Echo, T-Deck, RAK-Module laufen mit beidem.
- Dieselben Frequenzen und dieselben Regeln. Region auf Europa stellen, Sendezeit einhalten – siehe Frequenz und Rechtslage.
- Dieselbe Physik. Reichweite hängt an freier Sicht und Antennenhöhe, nicht an der Firmware – nachzulesen unter LoRa-Reichweite.
- Kein Notrufsystem. Weder das eine noch das andere garantiert, dass eine Nachricht ankommt.
- Kein Doppelbetrieb. Ein Board trägt eine Firmware; der Wechsel bedeutet neu aufspielen.
Der dritte Punkt ist der, an dem sich die meisten Erwartungen entscheiden. Wer im Wald 300 Meter weit kommt, kommt mit der anderen Firmware auch nicht weiter. Die Unterschiede liegen in der Organisation des Netzes, nicht in der Funkstrecke.
Die Verschlüsselung im Vergleich
| Meshtastic | MeshCore | |
|---|---|---|
| Standardkanal | öffentlich bekannter Schlüssel | Kontakte mit eigenen Schlüsselpaaren |
| Verfahren | AES-256 auf Kanalebene | AES-128 auf Nachrichtenebene |
| Einschränkung | Standardkanal ist mitlesbar | ECB-Modus, gekürzte Prüfsumme |
Beide sind für Gruppenkommunikation gut genug und für Vertrauliches keines von beiden. Bei Meshtastic liegt die Schwäche in der Praxis – fast alle funken auf dem öffentlichen Standardkanal. Bei MeshCore liegt sie im Verfahren, wie im MeshCore-Einstieg ausgeführt.
Wechseln oder nicht?
- Erst nachsehen, was in Deiner Region läuft. Ein Netz ohne Gegenstellen ist wertlos, egal wie effizient es routet.
- Bei einem festen Knoten auf dem Dach lohnt der Blick auf MeshCore, sobald das lokale Netz über einige Dutzend Geräte wächst.
- Für Handgeräte unterwegs bleibt Meshtastic die pragmatischere Wahl, solange keine Repeater stehen.
- Beim Umstieg vollständig löschen, sonst bleiben Reste der alten Firmware zurück.
Ein zweites Board ist oft die bessere Antwort als ein Wechsel. Günstige Heltec-Platinen kosten wenig genug, dass man beides parallel betreiben kann – eines im etablierten Netz, eines zum Ausprobieren.
Fazit
MeshCore ist technisch die durchdachtere Lösung für große, geplante Netze. Gelernte Wege statt Fluten, feste Rollen, 64 Sprünge, längere Akkulaufzeit im Handgerät.
Meshtastic ist die pragmatischere Lösung für alles andere – und im deutschsprachigen Raum die, wo tatsächlich jemand mithört.
Die ehrlichste Empfehlung lautet deshalb: Nimm, was in Deiner Gegend läuft. Und wenn Du selbst ein Netz aufbaust, das wachsen soll, sieh Dir MeshCore genau an.
Häufige Fragen
Ist MeshCore besser als Meshtastic?
In großen, geplanten Netzen technisch ja – es routet effizienter und skaliert besser. Für den spontanen Einstieg und für Gebiete, in denen bereits Meshtastic läuft, ist Meshtastic die praktischere Wahl.
Können Meshtastic- und MeshCore-Geräte miteinander funken?
Nein. Es sind verschiedene Protokolle. Geräte hören einander nur, wenn sie dieselbe Firmware und dieselben Einstellungen nutzen.
Warum hält der Akku bei MeshCore länger?
Weil Companion-Geräte grundsätzlich nichts weiterleiten. Bei Meshtastic ist jedes Gerät Teil der Infrastruktur und muss dauerhaft lauschen und wiederholen.
Brauche ich für MeshCore mehr Hardware?
Sobald mehr als die direkte Funkstrecke überbrückt werden soll: ja, mindestens einen Repeater. Genau der ist bei Meshtastic nicht nötig, weil dort jedes Gerät weiterreicht.
Kann ich beides auf einem Gerät haben?
Nein, es läuft immer nur eine Firmware. Wer beides nutzen will, braucht ein zweites Board – die günstigen Heltec-Platinen kosten wenig genug dafür.
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