Helium-Netzwerk heute: was von dem Hype übrig ist

Helium war um 2021 das Versprechen, mit einem Funkgerät im Fenster Geld zu verdienen. Hunderttausende Hotspots wurden aufgestellt, die Erlöse brachen ein, und was blieb, ist ein technisch funktionierendes Netz ohne den wirtschaftlichen Antrieb von damals. Diese Einordnung ist wichtig, weil Helium in Suchergebnissen noch immer stark vertreten ist – meist mit Zahlen aus der Boomzeit.

Inhaltsverzeichnis

Was Helium eigentlich ist

Technisch ist Helium ein LoRaWAN wie jedes andere: Gateways empfangen, ein Netzwerkserver verteilt. Der Unterschied lag im Anreizsystem – wer ein Gateway betrieb, wurde in einer eigenen Kryptowährung entlohnt.

  • Das Netz wuchs dadurch beispiellos schnell – deutlich schneller als jedes klassisch aufgebaute LoRaWAN.
  • Es wuchs aber am Bedarf vorbei. Gateways standen dort, wo Menschen Erlöse erwarteten, nicht dort, wo Sensoren funken sollten.
  • Die Erlöse fielen drastisch, als sich Angebot und Kurs entwickelten.
  • Das Projekt zog 2023 auf eine andere Blockchain um und richtete den Schwerpunkt stärker auf Mobilfunk aus.

Der zweite Punkt ist der bleibende Befund: Ein Anreizsystem, das Standorte belohnt statt Nutzung, baut ein Netz, das an den falschen Stellen dicht ist. In Wohngebieten stehen viele Gateways, in Gewerbe- und Landgebieten wenige – genau umgekehrt zum Bedarf.

Wo Helium heute steht

BoomzeitHeute
Erlöse pro Hotspotteils dreistellig im Monatmeist im Cent- bis Eurobereich
Zahl der Gatewaysstark wachsendrückläufig bis stabil
Technische Funktionfunktioniertefunktioniert weiterhin
Nutzung durch echte Sensorengeringgewachsen, aber überschaubar
Schwerpunkt des ProjektsIoTzunehmend Mobilfunk

Die erste Zeile ist der Grund, warum so viele Geräte wieder abgeschaltet wurden. Ein Hotspot, der wenige Euro im Jahr einbringt, rechtfertigt weder Anschaffung noch Aufwand. Wer heute noch einen betreibt, tut das meist aus Interesse an der Technik.

Helium oder The Things Network?

KriteriumHeliumThe Things Network
Kosten für Sensorenpro Nachricht abgerechnetkostenlos im Fair-Use-Rahmen
Abdeckung in Städtenstellenweise sehr gutgut, aber lückenhaft
Abdeckung auf dem Landschwachschwach
VerlässlichkeitGateways verschwinden mit den ErlösenGateways stehen bei Interessierten
EinstiegshürdeGuthaben nötigKonto genügt

Die vorletzte Zeile ist der wichtigste Unterschied für die Planung. Ein Helium-Gateway steht dort, weil es sich gerechnet hat – fällt der Ertrag weg, verschwindet es. Ein Gateway im The Things Network steht dort, weil jemand die Technik interessant findet, und bleibt eher.

Für den privaten Einstieg ist The Things Network deshalb die naheliegendere Wahl: kein Guthaben, keine Abrechnung, keine Kryptowährung.

Lohnt sich ein Hotspot noch?

Als Geldanlage: nein, und zwar deutlich. Die Zeiten, in denen sich ein Gerät binnen Monaten amortisierte, sind vorbei – die Erlöse liegen um Größenordnungen niedriger.

Als Beitrag zu einem Netz kann es trotzdem sinnvoll sein:

  • Wenn Du ohnehin ein Gateway betreibst und die Abdeckung teilen willst.
  • Wenn in Deiner Gegend nichts steht und Du selbst Sensoren betreiben möchtest.
  • Wenn Dich die Technik interessiert – der Stromverbrauch ist gering.

Was man nicht tun sollte: Hardware kaufen, um Erträge zu erzielen. Das ist die Rechnung von 2021, und sie geht nicht mehr auf.

Was man aus dem Verlauf lernen kann

Der Fall ist über Helium hinaus lehrreich, weil er ein allgemeines Muster zeigt: Ein Netz entsteht nicht dadurch, dass viele Empfänger existieren, sondern dadurch, dass sie an den richtigen Stellen stehen.

Für die eigene Planung heißt das: Verlass Dich nicht auf fremde Abdeckung, wenn es auf Zuverlässigkeit ankommt. Ob am eigenen Standort überhaupt etwas zu empfangen ist, klärt Abdeckung prüfen – und im Zweifel ist ein eigenes Gateway die verlässlichere Antwort.

Fazit

Technisch funktioniert Helium weiterhin, wirtschaftlich ist es ein anderes Projekt geworden. Wer heute Zahlen aus der Boomzeit liest, liest historische Angaben.

Für private Sensorik ist The Things Network der einfachere und günstigere Weg – ohne Guthaben und ohne Abrechnung pro Nachricht.

Und die bleibende Lehre: Ein Gateway, das aus Ertragsgründen steht, verschwindet, wenn der Ertrag verschwindet.

Häufige Fragen

Funktioniert das Helium-Netzwerk noch?

Ja. Das IoT-Netz läuft weiter, wenn auch mit weniger Gateways als zur Hochphase. Der Schwerpunkt des Projekts hat sich stärker in Richtung Mobilfunk verschoben.

Wie viel bringt ein Helium-Hotspot heute ein?

In aller Regel sehr wenig – die Erlöse liegen weit unter denen der Boomzeit und rechtfertigen eine Anschaffung nicht mehr. Als Geldanlage taugt es nicht.

Ist Helium oder The Things Network besser?

Für den privaten Einstieg The Things Network: kostenlos im Fair-Use-Rahmen, kein Guthaben nötig, und die Gateways stehen eher dauerhaft. Helium kann in einzelnen Städten die bessere Abdeckung haben.

Kann ich denselben Sensor in beiden Netzen nutzen?

Nicht gleichzeitig. Ein LoRaWAN-Gerät ist bei einem Netzwerkserver angemeldet. Der Wechsel ist möglich, erfordert aber eine neue Anmeldung.

Brauche ich Kryptowährung, um Helium zu nutzen?

Für den Betrieb von Sensoren wird die Nutzung über ein Guthabensystem abgerechnet. Das ist eine zusätzliche Hürde gegenüber einem Netz, das im Rahmen der Fair-Use-Regel kostenlos ist.

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