LoRa oder LoRaWAN: der Unterschied, der ständig verwischt wird
Die beiden Begriffe stehen in Produktbeschreibungen fast immer nebeneinander, als wären sie dasselbe. Sie sind es nicht – und der Unterschied entscheidet darüber, was Du mit einem Gerät überhaupt anfangen kannst. Ein Modul, das LoRa beherrscht, ist noch lange nicht LoRaWAN-tauglich, und ein LoRaWAN-Sensor lässt sich nicht einfach direkt ansprechen.
Die Trennung in einem Satz
LoRa ist die Art, wie gefunkt wird. LoRaWAN ist die Ordnung, in der gefunkt wird.
Ein Vergleich, der gut trägt: LoRa verhält sich zu LoRaWAN wie die Funkwellen des WLAN zu den Regeln, nach denen sich Geräte an einem Router anmelden. Das eine ist Physik, das andere ist Organisation. Man kann die Physik nutzen, ohne sich an die Organisation zu halten – genau das tut Meshtastic.
Was LoRa ist
LoRa ist ein Modulationsverfahren – also die Methode, mit der Daten auf eine Funkwelle gebracht werden. Es stammt von einem einzelnen Halbleiterhersteller und ist kein offener Standard, sondern patentgeschützt. Deshalb steckt in praktisch jedem LoRa-Gerät derselbe Funkchip oder ein Nachbau davon.
- Es arbeitet mit gespreizten Signalen, die tief im Rauschen noch lesbar sind. Daher die Reichweite.
- Es überträgt sehr wenig Daten – je nach Einstellung wenige hundert Bit bis etwa elf Kilobit pro Sekunde.
- Es kennt keine Adressen, keine Anmeldung, keine Verschlüsselung von sich aus. Das kommt alles erst darüber.
- Es sagt nichts über die Frequenz. Dieselbe Technik läuft in Europa auf 868 MHz, in den USA auf 915 MHz.
Der dritte Punkt ist der entscheidende: LoRa allein ist ein Funkkanal, sonst nichts. Wer damit etwas Sinnvolles bauen will, muss selbst regeln, wer wen anspricht und wie die Daten geschützt werden.
Was LoRaWAN dazu tut
LoRaWAN ist ein offener Standard einer Herstellervereinigung und legt genau das fest, was LoRa offenlässt:
| Aufgabe | Was LoRaWAN regelt |
|---|---|
| Anmeldung | Wie ein Gerät in ein Netz kommt (OTAA oder ABP) |
| Verschlüsselung | Zwei getrennte Schlüssel: einer fürs Netz, einer für die Anwendung |
| Adressierung | Jedes Gerät bekommt eine Netzadresse |
| Sendeleistung und Datenrate | Das Netz passt sie automatisch an (ADR) |
| Empfangsfenster | Wann ein Gerät erreichbar ist – die Geräteklassen |
| Doppelte Nachrichten | Der Server sortiert aus, wenn mehrere Gateways dasselbe hören |
Die zweite Zeile ist praktisch der wichtigste Punkt. LoRaWAN trennt konsequent zwischen dem Netzbetreiber und dem Anwendungsbetreiber: Der Netzwerkserver sieht, dass ein Gerät gesendet hat, kann den Inhalt aber nicht lesen. Das ist der Grund, warum man Fremdnetze wie The Things Network bedenkenlos mitbenutzen kann.
Was ohne das jeweils andere geht
| Aufbau | Braucht Gateway? | Typisch für |
|---|---|---|
| LoRa direkt, Punkt zu Punkt | nein | zwei eigene Module, Bastelprojekte |
| LoRa im Mesh (Meshtastic) | nein | Textnachrichten, Positionen |
| LoRaWAN im Fremdnetz | ja, fremdes | Sensoren ohne eigene Infrastruktur |
| LoRaWAN im Eigennetz | ja, eigenes | volle Kontrolle, eigener Server |
Die ersten beiden Zeilen sind der Grund, warum sich der Einstieg über Meshtastic lohnt: Es fällt der gesamte Netzwerkteil weg. Zwei Geräte, Firmware drauf, sie reden. Für ein erstes Gefühl dafür, was LoRa an Reichweite leistet, ist das der kürzeste Weg – Einzelheiten unter Meshtastic oder LoRaWAN.
Woran Du es beim Kauf erkennst
Die Produktbeschreibungen sind an dieser Stelle notorisch unklar. Diese Merkmale trennen zuverlässig:
- Steht „LoRaWAN 1.0.3" oder „1.1" dabei, ist es ein Gerät für ein Netz – mit DevEUI, AppEUI und Schlüsseln.
- Steht nur „LoRa 868 MHz" oder „SX1276" / „SX1262", ist es ein Funkmodul. Was damit passiert, bestimmst Du selbst.
- Steht „EU868" dabei, passt es zur europäischen Frequenzbelegung. Das ist keine Kleinigkeit, sondern Bedingung.
- Steht „AS923", „US915" oder „AU915", ist es für andere Regionen gebaut und hier nicht zulässig zu betreiben.
Der letzte Punkt ist die häufigste Fehlbestellung. Günstige Angebote aus Übersee sind oft für 915 MHz gebaut. Das Gerät funktioniert scheinbar, sendet aber in einem Bereich, der in Europa anders belegt ist – warum das nicht nur eine Formalie ist.
Ein häufiges Missverständnis
Viele erwarten, dass sich ein LoRaWAN-Sensor wie ein WLAN-Gerät verhält: verbinden, abfragen, antworten. So funktioniert es nicht. Der Sensor meldet sich von sich aus, wann er will, und ist nur kurz danach erreichbar.
Wer ein Gerät jederzeit ansprechen will, braucht die dauerhaft empfangsbereite Klasse C – und damit eine feste Stromversorgung. Die Batterielaufzeit von Jahren, mit der LoRaWAN wirbt, gilt für die sparsamste Klasse A.
Fazit
LoRa ist der Funk, LoRaWAN das Regelwerk. Wer nur zwei Punkte verbinden will, braucht das Regelwerk nicht. Wer Sensoren in ein Netz hängen will, kommt daran nicht vorbei.
Beim Kauf entscheidet die Beschriftung: LoRaWAN plus EU868 für Netzbetrieb, reines LoRa-Modul für eigene Projekte und Meshtastic.
Häufige Fragen
Kann ich einen LoRaWAN-Sensor ohne Netz betreiben?
Nein, nicht sinnvoll. Er erwartet ein Gateway und einen Netzwerkserver. Ohne beides sendet er ins Leere. Für den netzlosen Betrieb sind reine LoRa-Module oder Meshtastic gedacht.
Ist LoRa ein offener Standard?
Die Funktechnik selbst nicht – sie ist patentgeschützt und stammt von einem einzelnen Hersteller. LoRaWAN als Protokoll darüber ist dagegen offen dokumentiert.
Brauche ich für LoRa eine Lizenz oder Anmeldung?
Nein. Das 868-MHz-Band ist in Europa allgemein zugeteilt und ohne Anmeldung nutzbar – allerdings gebunden an Sendeleistung und Sendezeitbudget.
Was bedeutet EU868?
Die europäische Frequenzbelegung für LoRaWAN. Geräte für US915 oder AS923 arbeiten in anderen Bereichen und dürfen hier nicht betrieben werden.
Kann ich mit einem LoRa-Modul einfach ein zweites anfunken?
Ja, das ist der einfachste Aufbau überhaupt: Punkt-zu-Punkt-Verbindung ohne jede Netzwerkschicht. Verschlüsselung und Adressierung musst Du dann selbst regeln – oder Du nimmst Meshtastic, das beides mitbringt.
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