The Things Network: kostenlos ins LoRaWAN, aber mit Regeln
The Things Network ist das größte offene LoRaWAN der Welt und für private Zwecke kostenlos nutzbar. Es gehört keinem Betreiber im üblichen Sinn – die Gateways stehen bei Freiwilligen, Firmen und Kommunen, und wer eines betreibt, öffnet es automatisch für alle. Das macht den Einstieg konkurrenzlos günstig, bringt aber zwei Einschränkungen mit, die man vorher kennen sollte.
Wie das Netz funktioniert
Der Gedanke dahinter ist ungewöhnlich und trägt bis heute: Wer ein Gateway aufstellt, stellt es allen zur Verfügung. Dafür darf er selbst überall dort funken, wo andere Gateways stehen.
- Es gibt keinen Vertrag und keine Rechnung für die private Nutzung.
- Es gibt auch keine Zusage. Wer sein Gateway abschaltet, nimmt seine Abdeckung mit.
- Der Netzwerkserver kann Deine Daten nicht lesen. LoRaWAN trennt Netz- und Anwendungsschlüssel – das Netz sieht nur, dass gesendet wurde.
- Die Weiterverarbeitung passiert bei Dir, über MQTT, Webhook oder eine Integration.
Der dritte Punkt ist der Grund, warum man ein Fremdnetz bedenkenlos nutzen kann. Die Nutzdaten sind zwischen Gerät und Anwendung verschlüsselt; die Netzbetreiber dazwischen sehen nur Metadaten. Wie diese Trennung zustande kommt, steht unter LoRa oder LoRaWAN.
Die Fair-Use-Regel
Damit das gemeinsame Netz nicht von einzelnen Vielsendern belegt wird, gilt eine Obergrenze. Sie ist der wichtigste Unterschied zu einem eigenen Netz:
| Grenze | Wert | Bedeutet konkret |
|---|---|---|
| Sendezeit pro Gerät und Tag | 30 Sekunden | bei SF7 mehrere hundert Nachrichten, bei SF12 rund 20 |
| Downlinks pro Gerät und Tag | 10 | Schaltbefehle sind knapp bemessen |
| Anzahl Geräte | nicht hart begrenzt | für private Zwecke unkritisch |
Die erste Zeile zeigt, warum der Spreizfaktor hier direkt aufs Budget durchschlägt. Ein Sensor mit gutem Empfang darf sehr häufig melden; derselbe Sensor am Rand der Reichweite nur noch ein paar Mal pro Stunde.
Die zweite Zeile trifft alle, die schalten wollen. Zehn Befehle pro Tag reichen für einen Sollwert, nicht für eine Fernsteuerung. Wer mehr braucht, kommt um einen eigenen Netzwerkserver nicht herum.
Ein Gerät anmelden
- Konto anlegen und eine Anwendung erstellen – sie bündelt später alle Geräte eines Projekts.
- Das Gerät hinzufügen. Dafür brauchst Du die DevEUI, die auf dem Gerät oder in dessen Unterlagen steht.
- OTAA wählen, nicht ABP. Bei OTAA handeln Gerät und Netz die Schlüssel beim Anmelden aus – das ist sicherer und robuster.
- Frequenzplan auf Europa stellen – EU868. Ein falscher Plan ist der häufigste Grund, warum nichts ankommt.
- Gerät einschalten und in der Konsole zusehen, ob eine Anmeldung erscheint.
Schritt 3 ist der, bei dem viele die falsche Wahl treffen. ABP ist einfacher zu verstehen, weil die Schlüssel fest eingetragen werden – aber es zählt Nachrichten mit und hakt, sobald ein Gerät neu startet. OTAA ist für alles außer Testaufbauten die bessere Wahl.
Wenn nichts ankommt
| Beobachtung | Wahrscheinliche Ursache |
|---|---|
| Gar keine Anmeldung sichtbar | kein Gateway in Reichweite – Abdeckung prüfen |
| Anmeldung kommt, dann Stille | Frequenzplan oder Klasse falsch gesetzt |
| Anmeldung wird abgelehnt | Schlüssel vertauscht oder Byte-Reihenfolge falsch |
| Nur jede zweite Nachricht kommt an | Empfang grenzwertig, Antenne prüfen |
| Daten kommen an, sind aber unlesbar | Nutzdaten müssen dekodiert werden |
Die dritte Zeile ist der Klassiker beim ersten Gerät. DevEUI und AppEUI werden je nach Hersteller in unterschiedlicher Byte-Reihenfolge angegeben. Wenn die Anmeldung ohne erkennbaren Grund scheitert, ist das der erste Verdacht.
Die letzte Zeile ist kein Fehler, sondern normal: LoRaWAN überträgt rohe Bytes, keine lesbaren Werte. Was diese Bytes bedeuten, legt der Sensorhersteller fest – und liefert dafür in der Regel einen fertigen Dekoder mit.
Wann ein eigener Server sinnvoll wird
- Wenn Du mehr als zehn Schaltbefehle am Tag brauchst.
- Wenn Ausfallsicherheit zählt – im Gemeinschaftsnetz gibt es keine Zusage.
- Wenn die Daten das Haus nicht verlassen sollen.
- Wenn Du ohnehin ein eigenes Gateway betreibst und einen Server dahinter setzen kannst.
Ein eigener Netzwerkserver läuft problemlos auf einem kleinen Rechner im Haus. Der Aufwand ist überschaubar, der Verlust aber real: Ein eigenes Netz deckt nur ab, wohin das eigene Gateway hört – die Abdeckung aller anderen fällt weg.
Fazit
Für den Einstieg ist The Things Network konkurrenzlos: kostenlos, offen, ohne Vertrag, und die Nutzdaten bleiben verschlüsselt.
Die beiden Grenzen sollte man kennen: 30 Sekunden Sendezeit und zehn Schaltbefehle pro Gerät und Tag. Für Sensorik ist das reichlich, für Steuerung eng.
Und bei der Anmeldung gilt: OTAA statt ABP, EU868 statt allem anderen. Damit sind die zwei häufigsten Stolpersteine erledigt.
Häufige Fragen
Ist The Things Network wirklich kostenlos?
Für private und kleine Anwendungen ja, im Rahmen der Fair-Use-Regel. Für gewerbliche Vorhaben mit vielen Geräten gibt es kostenpflichtige Tarife derselben Plattform.
Sind meine Daten dort sicher?
Die Nutzdaten sind zwischen Gerät und Anwendung verschlüsselt; der Netzwerkserver kann sie nicht lesen. Sichtbar sind Metadaten wie Zeitpunkt, Signalstärke und empfangendes Gateway.
Was bedeutet die Grenze von 30 Sekunden Sendezeit?
Die gesamte Sendedauer eines Geräts pro Tag. Bei kleinem Spreizfaktor sind das mehrere hundert Nachrichten, bei maximalem nur etwa zwanzig.
OTAA oder ABP – was soll ich nehmen?
OTAA. Die Schlüssel werden beim Anmelden ausgehandelt, das ist sicherer und übersteht Neustarts. ABP ist nur für Testaufbauten und Sonderfälle sinnvoll.
Warum sehe ich in der Konsole nur unleserliche Bytes?
Weil LoRaWAN rohe Daten überträgt. Die Bedeutung legt der Sensorhersteller fest; ein passender Dekoder wandelt sie in lesbare Messwerte um.
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