LoRa-Reichweite: welche Entfernung wirklich funktioniert

„Bis zu 15 Kilometer" steht auf den Verpackungen, in Fachartikeln stehen Rekorde über hunderte Kilometer, und im eigenen Garten ist nach 300 Metern Schluss. Alle drei Angaben stimmen – sie beschreiben nur völlig verschiedene Bedingungen. Diese Seite ordnet ein, welche Zahl für welchen Fall gilt.

Inhaltsverzeichnis

Die eine Größe, die alles bestimmt

Freie Sicht. Nicht die Sendeleistung, nicht die Antenne, nicht das Gerät. Funk auf 868 MHz breitet sich weitgehend geradlinig aus; alles, was im Weg steht, dämpft. Und Dämpfung wirkt nicht linear, sondern brutal:

SituationTypische ReichweiteAnmerkung
Freie Sicht, Antenne erhöht5 bis 15 kmder beworbene Fall
Freie Sicht, beide am Boden1 bis 3 kmErdkrümmung und Bodenreflexion
Vorstadt, einzelne Häuser1 bis 3 kmder häufigste reale Fall
Innenstadt, dichte Bebauung300 m bis 1,5 kmstark schwankend
Wald mit Laub200 bis 800 mBlätter dämpfen erstaunlich stark
Vom Keller nach draußen50 bis 500 mhängt am Baumaterial

Die Waldzeile überrascht die meisten. Wasser in Blättern absorbiert genau in diesem Frequenzbereich. Dieselbe Strecke ist im Winter deutlich weiter überbrückbar als im Sommer – ein Effekt, den Meshtastic-Nutzer regelmäßig beschreiben.

Warum Höhe mehr bringt als Leistung

Die Sendeleistung ist in Europa auf 25 Milliwatt begrenzt – daran lässt sich legal nichts drehen. Was sich drehen lässt, ist die Position der Antenne, und dort liegt der große Hebel.

  1. Zwei Meter über dem Boden statt auf dem Boden kann die Reichweite verdoppeln.
  2. Über die Dachkante hinaus ist der größte Einzelsprung, den es gibt.
  3. Freie erste Fresnelzone: Die Funkstrecke braucht nicht nur Sichtlinie, sondern auch etwas Platz drumherum. Eine Mauer knapp unterhalb der Sichtlinie dämpft bereits.
  4. Antennengewinn hilft, aber weniger als erwartet – und richtet die Abstrahlung flacher aus, was in hügeligem Gelände nachteilig sein kann.

Punkt 3 erklärt viele unerwartete Ergebnisse: Zwei Punkte können einander sehen und trotzdem schlecht verbunden sein, weil ein Dach oder ein Baum knapp unter der Linie steht. Details zur Antennenwahl unter LoRa-Antenne.

Reichweite gegen Datenrate

Die zweite Stellschraube ist der Spreizfaktor. Er macht das Signal robuster, indem er es länger sendet – und genau das ist der Preis:

SpreizfaktorRelative ReichweiteSendedauer für dieselbe Nachricht
SF7kürzesteam kürzesten
SF9mittelrund viermal so lang
SF12größteetwa zwanzigmal so lang wie SF7

Die letzte Zeile hat eine harte Folge: Wer auf maximale Reichweite geht, verbraucht sein Sendezeitbudget zwanzigmal schneller. Ein Sensor, der bei SF7 alle paar Minuten melden dürfte, darf bei SF12 nur noch wenige Male pro Stunde senden.

Die Rekorde – und warum sie irreführen

Immer wieder kursieren Berichte über LoRa-Verbindungen über hunderte Kilometer. Die sind echt, aber unter Bedingungen entstanden, die im Alltag nicht vorkommen: ein Sender an einem Wetterballon, ein Empfänger auf einem Berg, dazwischen nichts als Luft.

Was man daraus mitnehmen kann, ist trotzdem nützlich: Der begrenzende Faktor ist fast nie die Technik, sondern das Gelände. Wer eine Verbindung über 5 Kilometer nicht hinbekommt, sollte nicht das Gerät tauschen, sondern die Antenne höher setzen.

Reichweite messen statt schätzen

Zwei Werte sagen mehr als jede Faustregel, und beide liefert jedes LoRa-Gerät mit:

  • RSSI – die Empfangsstärke in dBm. Werte um −100 sind gut, ab etwa −120 wird es knapp.
  • SNR – der Abstand zum Rauschen in dB. Das ist bei LoRa die aussagekräftigere Zahl, weil das Verfahren auch unterhalb des Rauschens noch funktioniert. Werte über 0 sind komfortabel, bis etwa −20 ist noch etwas zu holen.

Der zweite Wert ist die Besonderheit von LoRa: Bei den meisten Funktechniken ist Schluss, sobald das Signal im Rauschen verschwindet. Hier geht es dann noch weiter – und genau daher kommt der Reichweitenvorteil.

Was Du realistisch planen solltest

VorhabenPlane mit
Sensor im eigenen Gartenfunktioniert praktisch immer
Schrebergarten 2 km entferntmachbar mit erhöhter Antenne
Nachbarort, 8 km, Hügel dazwischennur mit Antenne auf dem Dach, unsicher
Wanderung im Waldwenige hundert Meter, nicht mehr
Stadt, quer über mehrere Blocksmeist ja, aber schwankend

Der Waldfall ist der, bei dem am meisten Enttäuschung entsteht. Wer Meshtastic für eine Wanderung anschafft und mit Kilometern rechnet, wird im Mischwald schnell eines Besseren belehrt. Auf einem Grat mit freier Sicht sieht dieselbe Ausrüstung dagegen völlig anders aus.

Fazit

Freie Sicht schlägt alles. Zwei Meter Höhe bringen mehr als jedes andere Zubehör, und die Sendeleistung ist ohnehin gesetzlich gedeckelt.

Rechne im bebauten Gebiet mit ein bis drei Kilometern, im Wald mit einigen hundert Metern, mit freier Sicht und erhöhter Antenne mit fünf bis fünfzehn. Alles darüber sind Sonderfälle.

Und mehr Reichweite kostet Sendezeit – das ist der Zusammenhang, den die Werbeangaben nie erwähnen.

Häufige Fragen

Wie weit reicht LoRa wirklich?

Im bebauten Gebiet ein bis drei Kilometer, im Wald einige hundert Meter, mit freier Sicht und erhöhter Antenne fünf bis fünfzehn Kilometer. Die beworbenen Maximalwerte gelten nur bei freier Sichtlinie.

Kann ich die Sendeleistung erhöhen?

In Europa nicht über die zulässige Grenze hinaus. Das 868-MHz-Band erlaubt in den üblichen Kanälen 25 Milliwatt. Der Hebel liegt bei Antennenhöhe und Standort, nicht bei der Leistung.

Warum ist die Reichweite im Sommer schlechter als im Winter?

Wegen des Laubs. Wasser in Blättern absorbiert Funkwellen in diesem Frequenzbereich spürbar. Dieselbe Strecke kann im Winter deutlich weiter tragen.

Was ist ein guter SNR-Wert?

Alles über 0 dB ist komfortabel, bis etwa −20 dB ist noch Verbindung möglich. Bei LoRa ist der SNR aussagekräftiger als die reine Empfangsstärke, weil das Verfahren auch unter dem Rauschpegel arbeitet.

Bringt eine größere Antenne mehr Reichweite?

Etwas, aber weniger als Höhe. Eine Antenne mit höherem Gewinn bündelt die Abstrahlung flacher – das hilft in flachem Gelände und schadet in hügeligem.

Weiterlesen in dieser Nische

Alle Artikel dieses Bereichs auf einen Blick – der Grundlagen-Teil steht zuerst.

Grundlagen: LoRa oder LoRaWAN · 868 MHz und das Sendezeitbudget · Spreizfaktor bei LoRa · LoRaWAN-Klassen A, B und C

Netz und Gateway: The Things Network · Eigenes LoRaWAN-Gateway betreiben · LoRa-Antenne · Helium-Netzwerk heute · LoRaWAN-Abdeckung prüfen

Meshtastic: Meshtastic in Deutschland: Einstieg in einer halben Stunde · Meshtastic-Hardware · Meshtastic in Deutschland: Frequenz, Sendeleistung und Rechtslage · Meshtastic oder LoRaWAN

MeshCore: MeshCore: die zweite LoRa-Mesh-Firmware, erklärt · Meshtastic oder MeshCore

Praxis: LoRaWAN in Home Assistant · LoRa, Zigbee oder WLAN

Kaufberatung: LoRaWAN-Gateway kaufen · LoRaWAN-Sensoren kaufen · LoRa-Einstiegsset

Nach oben scrollen