Laborforschung an Immunzellen – Symbolbild CAR-T-Zelltherapie

Fledermäuse tragen ein Immunsystem, das es bei keinem anderen Säugetier gibt

Fledermäuse beherbergen gefährliche Viren, ohne selbst schwer zu erkranken – ein US-Forschungsteam hat nun einen möglichen Grund gefunden: ein Immunsystem, das es so bei keinem anderen Säugetier gibt.

Zwei Bausätze für Antikörper

Antikörper sind Y-förmige Eiweiße aus je zwei schweren und zwei leichten Ketten. Bei Menschen und allen bisher bekannten Säugetieren entstehen die schweren Ketten aus einem einzigen Satz von Genen. Ein Team um Hannah Frank von der Tulane University berichtet nun, dass Glattnasen-Fledermäuse (Abendsegler, Familie Vespertilionidae) gleich zwei voneinander getrennte Gensysteme für diese schweren Ketten besitzen. Beim Großen Braunen Abendsegler enthält der eine Satz 33 Antikörpergene, der andere 99. Die Studie erschien im Fachjournal Science Advances.

Mehr als 500 Arten betroffen

Es handelt sich um die größte Fledermausfamilie überhaupt – über 500 Arten. „So etwas haben wir bei einem Säugetier noch nie gesehen“, wird Frank zitiert. „Das verändert unser Verständnis davon, wie Immunsysteme von Säugetieren organisiert sein können, vollständig.“ An der Arbeit waren neben der Tulane University auch die Stanford University und die US-Seuchenbehörde CDC beteiligt.

Warum das wichtig ist

Der zweite Genbausatz gibt den Tieren einen völlig neuen Weg, eine große Vielfalt an Antikörpern zu bilden. Die Forschenden vermuten, dass genau das erklären könnte, warum Fledermäuse so viele Viren tolerieren, ohne krank zu werden. Bewiesen ist dieser Zusammenhang noch nicht – die funktionelle Rolle der doppelten Ausstattung muss erst in weiteren Experimenten geklärt werden. Klar ist aber: Fledermäuse könnten zeigen, dass Immunsysteme grundsätzlich anders aufgebaut sein können, als die Lehrbücher es bislang nahelegen.

Quellen: Science Advances · ScienceDaily · Tulane University

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