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Digitale Souveränität: Mecklenburg-Vorpommern ersetzt Microsoft SharePoint durch Nextcloud

Mecklenburg-Vorpommern geht die ersten konkreten Schritte hin zu einer unabhängigeren IT-Infrastruktur in der Landesverwaltung. Durch die Umstellung von Microsofts Kollaborationsplattform SharePoint auf die Open-Source-Alternative Nextcloud wurden bereits rund 5.000 Arbeitsplätze migriert – langfristig soll sich diese Zahl verzehnfachen. Neben kollaborativer Software setzt das Bundesland auch bei künstlicher Intelligenz konsequent auf europäische Open-Source-Lösungen.

Großprojekt in den Amtsstuben: 50.000 Lizenzen im Visier

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Mecklenburg-Vorpommern (MV) nimmt spürbar an Fahrt auf. Wie das Tech-Portal Heise berichtet, hat das Bundesland mit dem praktischen Austausch von Microsoft-Produkten in seinen Behörden begonnen. Im Zentrum der ersten Migrationswelle steht die Ablösung der Dokumentenverwaltungs- und Kollaborationsplattform Microsoft SharePoint.

Als datenschutzkonformer Ersatz wurde die in Deutschland entwickelte Open-Source-Plattform Nextcloud gewählt. Die ersten 5.000 Beamtinnen und Beamten arbeiten bereits mit dem neuen System. Ziel ist es, in den kommenden Jahren insgesamt rund 50.000 Arbeitsplätze in der Landesverwaltung auf die quelloffene Alternative umzustellen.

Dieser Schritt ist Teil einer engen strategischen Allianz im Norden: Bereits im vergangenen Herbst hatte Mecklenburg-Vorpommern eine Kooperationsvereinbarung mit dem Nachbarland Schleswig-Holstein geschlossen, um die Zusammenarbeit der staatlichen IT-Dienstleister bei der Digitalisierung zu bündeln. Während Schleswig-Holstein jedoch einen radikalen Komplettumstieg inklusive des Betriebssystems (von Windows zu Linux) anstrebt, verbleibt Mecklenburg-Vorpommern bei den Betriebssystemen vorerst im Microsoft-Ökosystem und konzentriert sich auf den Austausch der Anwendungsebene.

Europäische KI für den Bürgerservice

Nicht nur im Büroalltag, sondern auch bei zukunftsweisenden Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI) sucht Schwerin den Weg vorbei an den US-amerikanischen Tech-Giganten.

Für den landeseigenen Verwaltungs-Chatbot „Lea“ greift Mecklenburg-Vorpommern auf KI-Modelle des französischen Anbieters Mistral AI zurück. Darüber hinaus hat sich das Bundesland der sogenannten F13-Initiative angeschlossen. Dabei handelt es sich um eine datenschutzkonforme KI-Assistenz für die öffentliche Verwaltung, die ursprünglich von Baden-Württemberg entwickelt wurde und seit Juli 2025 als freie Software zur Verfügung steht. Sie soll Kommunen und Ministerien eine sichere, lokal kontrollierbare Alternative zu kommerziellen Modellen wie ChatGPT bieten.

Hintergrund: Die wichtigsten Begriffe kurz erklärt

  • Open Source (Quelloffenheit): Software, deren Quellcode öffentlich einsehbar, veränderbar und nutzbar ist. Dies verhindert die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern (Vendor Lock-in) und erhöht die IT-Sicherheit, da der Code unabhängig überprüft werden kann.
  • SharePoint vs. Nextcloud: Während Microsoft SharePoint eine proprietäre (lizenzpflichtige und geschlossene) Cloud-Plattform für Teamarbeit und Dokumente ist, bietet Nextcloud ähnliche Funktionen (Cloud-Speicher, Kalender, Office-Integration), lässt sich jedoch auf eigenen Servern betreiben. Dies sichert die volle Kontrolle über sensible Verwaltungsdaten.
  • Mistral AI: Ein französisches KI-Unternehmen, das sich auf leistungsstarke, teilweise quelloffene Sprachmodelle spezialisiert hat und als europäische Antwort auf OpenAI (ChatGPT) gilt.

Strategische Einordnung: Fokus auf Datensouveränität

Mit dieser Strategie positioniert sich Mecklenburg-Vorpommern als Pragmatiker im Bereich der digitalen Souveränität. Der Verzicht auf einen sofortigen, tiefgreifenden Wechsel des Betriebssystems minimiert das Risiko von Kompatibilitätsproblemen im laufenden Betrieb. Gleichzeitig sorgt der Austausch zentraler Datenplattformen wie SharePoint und die Nutzung europäischer KI-Infrastrukturen dafür, dass sensible Bürgerdaten das europäische Datenschutzrecht nicht verlassen.

Die Kooperation mit Schleswig-Holstein und der F13-Initiative zeigt zudem einen Trend in der deutschen Verwaltungs-IT: Länder und Kommunen teilen sich zunehmend Entwicklungsaufwände, um gemeinsam die Abhängigkeit von Big-Tech-Konzernen zu reduzieren.

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