Verbraucher und Unternehmen müssen sich zum Jahresende auf spürbar höhere Ausgaben bei der Neuanschaffung von Computern einstellen. Jason Chen, Chairman des taiwanischen Hardware-Konzerns Acer, rechnet für das vierte Quartal 2026 mit Preissteigerungen zwischen 5 und 20 Prozent im gesamten PC-Segment. Den Höhepunkt dieser Entwicklung erwartet das Management für Mitte 2027, bevor sinkende Kosten für SSDs und Arbeitsspeicher den Markt wieder entlasten sollen.
Moderne Komponenten treiben die Kosten
Als Haupttreiber der Entwicklung gelten Engpässe und Preissteigerungen bei einzelnen Speichertechnologien sowie teurere Komponenten der Zulieferer. Laut Chen entspannt sich die Situation beim Arbeitsspeicher zwar punktuell, da chinesische Hersteller zusätzliche Kapazitäten bereitstellen und älterer DDR4-Speicher sogar im Überangebot vorliegt. Moderne Bausteine wie LPDDR5- und DDR5-9600-Module in Kombination mit N1/N1X-Chips bleiben jedoch weiterhin knapp und preislich volatil.
Auch bei den Prozessoren ist die Lage zweigeteilt: Während Chen die allgemeine CPU-Verfügbarkeit als ausreichend einstuft, gibt es Engpässe bei Microsoft-Low-Cost-Lizenzvarianten mit sogenannten Small-Core-Spezifikationen sowie bei Prozessoren im Einstiegs- und Mittelklassebereich. Zudem setzen Zulieferer Preiserhöhungen in den Stücklisten durch, die laut dem Acer-Chef teils schwer zu rechtfertigen seien. Acer selbst reagiert darauf mit dem Aufbau von Lagerbeständen günstigerer Komponenten und greift auf eine größere Speicherreserve zurück.
Branchenweiter Trend durch Chipkosten und KI-Nachfrage
Die Preisanpassungen beschränken sich nicht auf Acer, sondern spiegeln Entwicklungen in der gesamten Halbleiterbranche wider, die unter anderem durch den hohen Bedarf an Speicherchips für KI-Anwendungen geprägt ist. AMD hat seinen Partnern bereits eine Preiserhöhung von rund 10 Prozent für Radeon-Grafikkarten, Instinct-KI-Beschleuniger und Mainboard-Chipsätze ab dem vierten Quartal 2026 angekündigt und begründet dies mit höheren Waferkosten beim Auftragsfertiger TSMC. Ryzen-Prozessoren sind von dieser Maßnahme ausgenommen. Berichten zufolge plant auch Intel, seine CPU-Preise um rund 10 Prozent anzuheben.
Über den weiteren Verlauf der Preiskurve gehen die Einschätzungen der Hersteller auseinander. Während der Acer-Chef davon ausgeht, dass die Knappheit keinesfalls bis 2030 anhalten wird und bereits in der zweiten Jahreshälfte 2027 eine spürbare Entspannung einsetzt, zeichnet der südkoreanische Speicherhersteller SK Hynix ein pessimistischeres Bild. Dessen Unternehmensführung stuft 2027 als das Versorgungsjahr mit den größten Hürden ein und prognostiziert, dass die Nachfrage die verfügbaren Kapazitäten bis 2030 übersteigen könnte.
Praxistipp: Anschaffungen noch vor dem Jahresende prüfen
Für Kaufinteressenten bedeutet die Entwicklung ein ungemütliches Zeitfenster. Wer ohnehin plant, in den kommenden Monaten ein Notebook, einen Desktop-PC oder Aufrüstkomponenten wie Grafikkarten anzuschaffen, sollte die Preise genau vergleichen und einen Kauf vor dem vierten Quartal 2026 in Erwägung ziehen. Wer hingegen kein dringendes Upgrade benötigt, kann auf die zweite Jahreshälfte 2027 warten, wenn sich die Komponentenpreise nach Einschätzung der PC-Hersteller voraussichtlich wieder normalisieren.
Quellen: Borncity.com
















