Beim Umgang mit den eigenen Finanzen setzen die Menschen in Deutschland weiterhin überwiegend auf menschliche Berater statt auf Algorithmen. Laut der Postbank Digitalstudie 2026 lehnen 70 Prozent der befragten Bürger den Einsatz von künstlicher Intelligenz für Geldanlagen, Banküberweisungen oder die persönliche Finanzberatung ab. Obwohl bereits 54 Prozent der Bundesbürger KI-Werkzeuge im Alltag verwenden, bleibt der Vorbehalt bei sensiblen Geldthemen groß: Drei Viertel vertrauen einer persönlichen Beratung deutlich mehr als KI-Systemen.
Erhebliche Fehlerquoten bei Finanzfragen
Die Vorbehalte der Verbraucher sind fachlich begründet, wie eine Untersuchung von Saturn zur Verlässlichkeit von Sprachmodellen – also Programmen, die menschliche Sprache verarbeiten und Antworten generieren – belegt. Bei der Auswertung von über 10.000 Antworten auf 121 Finanzfragen an 18 verschiedene Modelle stellten die Tester gravierende Mängel fest. Insgesamt beantworteten die KI-Systeme 57 Prozent der Fragen zu persönlichen Finanzen fehlerhaft.
Besonders drastisch stieg die Fehlerrate bei komplexen Aufgaben: Bei mehrstufigen Fragestellungen lieferten die Modelle in 88 Prozent der Fälle falsche Auskünfte. Getestet wurden unter anderem ChatGPT, Gemini, Copilot und Claude. Kostenpflichtige Varianten schnitten mit einer Fehlerquote von 49 Prozent etwas besser ab als Gratisangebote mit 63 Prozent Fehlern. Selbst das bestplatzierte Modell, Claude Opus 5 im Reasoning-Modus (einem speziellen Modus für schrittweises logisches Schlussfolgern), wies in 39 Prozent der Fälle falsche Antworten auf.
Skepsis bei Älteren, Offenheit der Jüngeren
Die Zurückhaltung gegenüber automatisierter Finanzverwaltung variiert stark nach Altersgruppen. Während sich bei den Personen unter 40 Jahren immerhin 46 Prozent vorstellen können, Banküberweisungen per Sprachassistent auszuführen, verneinen dies 72 Prozent der älteren Befragten. Ein weiterer Grund für das Misstrauen liegt in der Furcht vor Täuschung: Lediglich 36 Prozent der Studienteilnehmer trauen sich zu, Manipulationen durch künstliche Intelligenz zuverlässig zu erkennen.
Trotz der Risiken zeichnet sich international ein Trend zur eigenständigen Recherche ab. Einer weltweiten Befragung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY unter 18.000 Teilnehmern zufolge nutzen 49 Prozent der Konsumenten KI-Dienste bereits für Investitions- und Sparentscheidungen.
KI und Öffentlichkeit bewerten Banken grundlegend anders
Dass Algorithmen Finanzthemen nicht deckungsgleich mit menschlichen Erfahrungswerten beurteilen, zeigt ergänzend eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens RepTrak. Bei der Bewertung von sieben Banken auf einer Skala bis 100 Punkte vergaben KI-Modelle wie Claude, ChatGPT und Gemini im Durchschnitt lediglich 37,6 Punkte. Die informierte Öffentlichkeit bewertete dieselben Banken hingegen im Schnitt mit 70,0 Punkten. Besonders drastisch fiel die Diskrepanz beim Thema Unternehmensführung und Verhalten aus: Hier ermittelten die KI-Modelle durchschnittlich 26,1 Punkte, während Menschen 68,0 Punkte vergaben.
Was Verbraucher jetzt beachten sollten
Generative KI kann zwar zur allgemeinen Recherche über Finanzbegriffe herangezogen werden, eignet sich nach aktuellem Entwicklungsstand jedoch keineswegs als verlässlicher Ratgeber für Anlageentscheidungen oder Berechnungen. Nutzer sollten automatisierte Finanztipps stets kritisch hinterfragen, Rechenbeispiele nicht ungeprüft übernehmen und bei verbindlichen Entscheidungen weiterhin auf autorisierte Fachberatung setzen.
Quellen: Borncity.com

















