RTSPS auf RTSP umstellen ist in UniFi Protect immer dann sinnvoll, wenn eine Anwendung mit dem verschlüsselten Streaming-Protokoll nicht zurechtkommt. Grundsätzlich ist es klüger, auf verschlüsselte Protokolle zu setzen – im Fall des Real Time Streaming Protocol (RTSP) also auf die abgesicherte Variante RTSPS (Real Time Streaming Protocol Secure). In der Praxis gibt es aber zahlreiche Programme, Mediaplayer und NVR-Systeme, die einen RTSPS-Stream schlicht nicht abspielen. Diese Anleitung zeigt dir Schritt für Schritt, wie du in UniFi Protect vom verschlüsselten RTSPS zurück auf klassisches RTSP wechselst.
RTSPS und RTSP: Wo liegt der Unterschied?
RTSP ist das Standardprotokoll, über das Netzwerkkameras ihren Video-Stream ausliefern. RTSPS ist dieselbe Technik, nur zusätzlich per TLS verschlüsselt – vergleichbar mit dem Sprung von HTTP zu HTTPS. Ubiquiti setzt in UniFi Protect standardmäßig auf RTSPS und blendet die unverschlüsselten RTSP-Links im Webinterface aus. Deaktiviert ist die RTSP-Funktion damit aber nicht: Sie lässt sich weiterhin nutzen, du musst die Stream-URL nur von Hand anpassen.
Wann lohnt sich der Wechsel? Immer dann, wenn ein Zielsystem den verschlüsselten Stream nicht verarbeiten kann. Typische Kandidaten sind ältere NVR-Lösungen, Home-Automation-Tools wie Home Assistant oder Frigate, einfache Mediaplayer und diverse Analyse- oder Aufzeichnungssoftware. Statt lange nach RTSPS-Kompatibilität zu suchen, ist der Umstieg auf RTSP oft der schnellere Weg zum laufenden Stream.
RTSPS auf RTSP umstellen: die URL anpassen
UniFi hat die RTSP-Links zwar aus dem Webinterface entfernt, die Funktion selbst bleibt aktiv. Du musst also lediglich die vorhandene RTSPS-URL an drei Stellen abändern, um daraus eine funktionierende RTSP-URL zu machen.
Schritt 1: Die RTSPS-URL kopieren
Öffne in UniFi Protect die Einstellungen der gewünschten Kamera und aktiviere unter Erweitert > RTSP den gewünschten Stream (High, Medium oder Low). Kopiere dir anschließend die angezeigte RTSPS-URL. Sie sieht typischerweise so aus:
rtsps://192.168.1.1:7441/abcdefghiJKLMNOP?enableSrtpSchritt 2: Die drei Anpassungen vornehmen
Damit aus der verschlüsselten RTSPS- eine unverschlüsselte RTSP-URL wird, musst du genau drei Dinge ändern:
- Das „s“ bei „rtsps“ entfernen, sodass das Schema nur noch
rtsp://lautet. - Den Port von 7441 auf 7447 ändern – das ist der Port für den unverschlüsselten RTSP-Dienst.
- Den Anhang inklusive des Fragezeichens (
?enableSrtp) ersatzlos streichen.
Schritt 3: Die fertige RTSP-URL nutzen
Nach den drei Anpassungen erhältst du eine schlanke RTSP-URL, die du direkt in deiner Anwendung hinterlegen kannst:
rtsp://192.168.1.10:7447/abcdefghiJKLMNOPDer lange Zeichenketten-Teil hinter dem Port ist der eindeutige Stream-Token deiner Kamera – er bleibt unverändert und ist bei dir individuell. Trage die IP-Adresse deines UniFi-Protect-Hosts (etwa der Cloud Key oder die UDM Pro) ein und teste die URL zum Beispiel in VLC über Medien > Netzwerkstream öffnen.
RTSP-Stream testen und einbinden
Bevor du die URL fest in deiner Software hinterlegst, lohnt sich ein kurzer Funktionstest. Öffne den Stream in VLC oder ffplay – erscheint das Kamerabild, ist die Umstellung geglückt. Erst danach solltest du die RTSP-URL in dein Zielsystem übernehmen, etwa in Home Assistant, Frigate, Blue Iris oder einen anderen NVR.
Wenn du deine UniFi-Umgebung ohnehin gerade konfigurierst, lohnt ein Blick auf verwandte Themen: Für eine saubere Netztrennung deiner Kameras hilft dir unsere Anleitung, ein VLAN in UniFi einzurichten. Möchtest du Besuchern getrennten Zugang geben, zeigt dir der Guide zum Gäste-WLAN in UniFi die nötigen Schritte. Und falls es bei der Namensauflösung hakt, erklärt der Beitrag, wie du den DNS-Server bei UniFi-Geräten wie der UDM Pro änderst.
Sicherheitshinweis: RTSP ist unverschlüsselt
Wichtig zu wissen: Sobald du RTSPS auf RTSP umstellst, verlässt der Video-Stream deine Geräte im Klartext. Wer Zugriff auf das Netzwerk hat, kann den Stream theoretisch mitlesen. Nutze RTSP deshalb nur innerhalb deines lokalen, vertrauenswürdigen Netzes – idealerweise in einem eigenen Kamera-VLAN – und niemals ungeschützt über das Internet. Wenn deine Anwendung RTSPS unterstützt, ist die verschlüsselte Variante immer die bessere Wahl.
Fazit
RTSPS auf RTSP umzustellen ist in UniFi Protect kein Hexenwerk: Das „s“ streichen, den Port von 7441 auf 7447 setzen und den Anhang ab dem Fragezeichen entfernen – fertig ist die unverschlüsselte Stream-URL. So bindest du auch Anwendungen an, die mit RTSPS nicht umgehen können. Behalte dabei stets im Hinterkopf, dass der unverschlüsselte Stream nur im vertrauenswürdigen lokalen Netz laufen sollte. Für alles, was über die Netzwerkgrenze hinausgeht, bleibt RTSPS die sicherere Option.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum zeigt UniFi Protect keine RTSP-Links mehr an?
Ubiquiti hat die unverschlüsselten RTSP-Links aus dem Webinterface entfernt und zeigt standardmäßig nur noch RTSPS an. Die RTSP-Funktion selbst ist aber weiterhin aktiv – du erreichst sie, indem du die RTSPS-URL manuell auf Schema, Port und Anhang anpasst.
Welchen Port nutzt RTSP in UniFi Protect?
Der verschlüsselte RTSPS-Stream läuft über Port 7441, der unverschlüsselte RTSP-Stream über Port 7447. Beim Umstellen musst du den Port in der URL also von 7441 auf 7447 ändern.
Ist RTSP unsicher?
RTSP überträgt den Video-Stream unverschlüsselt. Innerhalb eines vertrauenswürdigen lokalen Netzes – besonders in einem separaten Kamera-VLAN – ist das in der Regel unproblematisch. Über das offene Internet solltest du RTSP jedoch nicht ohne zusätzlichen Schutz wie ein VPN einsetzen.
Wozu dient der Parameter ?enableSrtp?
Der Anhang ?enableSrtp aktiviert die verschlüsselte Übertragung (Secure RTP) beim RTSPS-Stream. Für den unverschlüsselten RTSP-Zugriff wird er nicht benötigt und muss inklusive des Fragezeichens vollständig aus der URL entfernt werden.
Wie teste ich, ob der RTSP-Stream funktioniert?
Am einfachsten mit VLC: Öffne Medien > Netzwerkstream öffnen und füge deine RTSP-URL ein. Erscheint das Kamerabild, ist die Umstellung erfolgreich. Alternativ kannst du den Stream auch mit ffplay aus dem FFmpeg-Paket prüfen.
