Wer seinen Raspberry Pi über das LAN-Kabel mit Strom versorgen möchte, spart sich am Einsatzort ein zweites Kabel und eine freie Steckdose. Der scheckkartengroße Minicomputer landet oft genau dort, wo es weder Strom noch viel Platz gibt: im Serverraum oder Rack, im Keller, auf dem Dachboden, im Stall oder direkt neben Sensor und Kamera. Genau für diese Fälle ist Power over Ethernet (PoE) die eleganteste Lösung, denn Daten und Strom laufen über ein einziges Ethernet-Kabel.
In diesem Ratgeber erfährst du, was du für den PoE-Betrieb brauchst, worin sich ein PoE-Splitter (Extraktor) und ein PoE-Head unterscheiden und welche Variante für den Raspberry Pi 3 und Raspberry Pi 4 die richtige ist.
Was ist Power over Ethernet (PoE)?
Power over Ethernet ist eine Technik, die Strom und Daten gleichzeitig über ein einziges Ethernet-Kabel überträgt. Damit entfallen separate Netzteile und Steckdosen direkt am Gerät. Das erleichtert die Installation von Netzwerkgeräten wie IP-Kameras, WLAN-Access-Points, IP-Telefonen und eben auch von Minicomputern erheblich. Die Stromversorgung wird dabei von einem PoE-fähigen Switch oder einem PoE-Injektor auf das Netzwerkkabel gegeben und am anderen Ende wieder abgegriffen. Für den PoE-Betrieb eignen sich alle Kabel ab dem Standard Cat 5. Wer tiefer in Standards und Leistungsklassen einsteigen möchte, findet die Grundlagen in unserem Beitrag Was ist Power over Ethernet (PoE)?.
Was wird benötigt, um den Raspberry Pi über PoE zu betreiben?
- Eine PoE-Stromquelle: ein PoE-fähiger Switch oder ein PoE-Injektor.
- Ein passendes Netzwerkkabel mindestens nach Standard Cat 5.
- Einen PoE-Splitter (Extraktor) oder einen PoE-Head für den Raspberry Pi.
Möchtest du nur ein einzelnes Gerät per PoE versorgen, reicht in der Regel ein PoE-Injektor. Sollen mehrere Geräte gleichzeitig mit Strom versorgt werden, greifst du besser direkt zu einem PoE-fähigen Switch. Bei größeren Setups lohnt sich ein Modell mit ausreichend Leistungsbudget, damit neben dem Raspberry Pi auch weitere PoE-Verbraucher versorgt werden können.
Übrigens ist der Raspberry Pi längst nicht das einzige Gerät, das sich per Power over Ethernet betreiben lässt. Auch weitere Netzwerk-Switches sowie Smart-Home-Zentralen wie die Philips Hue Bridge oder die Homematic-IP-Zentrale CCU3 lassen sich über PoE mit Strom versorgen und so unabhängig von der nächsten Steckdose platzieren.
PoE-Splitter (Extraktor)
Der PoE-Splitter, auch PoE-Extraktor genannt, trennt den Strom vom Datensignal und gibt ihn über ein kurzes, separates Kabel wieder aus. Für den Raspberry Pi 3 benötigst du die Micro-USB-Variante, für den Raspberry Pi 4 die USB-C-Variante. Die ausgegebenen Spannungen entsprechen den offiziellen Angaben für die jeweiligen Raspberry-Pi-Modelle, sodass die Stromversorgung stabil bleibt.

Achte beim Kauf darauf, die zum Modell passende Anschlussvariante zu wählen: Micro-USB für den Raspberry Pi 3 und USB-C für den Raspberry Pi 4. Ein Vorteil des Splitters ist seine Flexibilität, denn er passt praktisch in jedes Gehäuse und lässt die GPIO-Pins frei.
Power over Ethernet (PoE) Head
Der PoE-Head ist eine kleine Platine, die direkt auf den Raspberry Pi aufgesteckt wird. Der Strom wird dabei unmittelbar aus dem Netzwerkkabel abgegriffen, das im RJ45-Port des Pi steckt. Splitter und Head funktionieren nach demselben Prinzip, der Head ist jedoch deutlich kompakter, weil er ohne externes Zusatzkabel auskommt.
PoE-Splitter (Extraktor) oder PoE-Head?

Welche Variante die richtige ist, hängt vom Einsatzzweck ab:
- PoE-Splitter (Extraktor): ideal, wenn du die GPIO-Pins nutzen möchtest oder ein bestimmtes Gehäuse einsetzt. Er ist mit nahezu allen Gehäusen kompatibel und in der Regel deutlich günstiger.
- PoE-Head: die beste Wahl, wenn der Pi so kompakt wie möglich bleiben soll und du kein externes Kabel wünschst.
Als Faustregel gilt: Für maximale Flexibilität und einen günstigen Preis nimmst du den Splitter, für ein besonders aufgeräumtes und kompaktes Setup den Head.
Fazit
Den Raspberry Pi über das LAN-Kabel mit Strom zu versorgen, ist unkompliziert und spart am Einsatzort viel Aufwand. Du brauchst lediglich eine PoE-Stromquelle in Form eines Switches oder Injektors, ein Kabel ab Cat 5 und je nach Vorliebe einen PoE-Splitter oder einen PoE-Head. Der Splitter ist flexibel und günstig, der Head besonders kompakt. So versorgst du deinen Pi zuverlässig genau dort mit Strom, wo er gebraucht wird, ganz ohne zusätzliche Steckdose.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann man jeden Raspberry Pi über Power over Ethernet mit Strom versorgen?
Grundsätzlich ja. Der Raspberry Pi hat selbst keinen PoE-Eingang, du benötigst deshalb einen PoE-Splitter oder einen PoE-Head. Für den Raspberry Pi 3 wählst du die Micro-USB-Variante, für den Raspberry Pi 4 die USB-C-Variante.
Welches Netzwerkkabel wird für PoE benötigt?
Für Power over Ethernet eignen sich alle Kabel ab dem Standard Cat 5. Höhere Kategorien wie Cat 6 funktionieren ebenfalls und bieten zusätzlich Reserven für höhere Datenraten.
Brauche ich einen PoE-Switch oder reicht ein PoE-Injektor?
Für ein einzelnes Gerät genügt ein PoE-Injektor. Sobald du mehrere Geräte gleichzeitig per PoE versorgen willst, ist ein PoE-fähiger Switch die bessere und aufgeräumtere Lösung.
Was ist der Unterschied zwischen PoE-Splitter und PoE-Head?
Ein PoE-Splitter trennt Strom und Daten und gibt den Strom über ein separates Kabel aus. Ein PoE-Head ist eine aufsteckbare Platine, die den Strom direkt am RJ45-Port abgreift. Der Splitter ist flexibler und günstiger, der Head kompakter.
Bleiben die GPIO-Pins bei PoE nutzbar?
Mit einem PoE-Splitter bleiben die GPIO-Pins frei zugänglich. Ein PoE-Head wird dagegen häufig auf die Pin-Leiste aufgesteckt und kann diese belegen. Wenn du die GPIO-Pins nutzen möchtest, ist der Splitter die sicherere Wahl.
Welche Geräte lassen sich außer dem Raspberry Pi noch per PoE betreiben?
Neben dem Raspberry Pi lassen sich viele Netzwerkgeräte per PoE versorgen, etwa IP-Kameras, WLAN-Access-Points, weitere Switches sowie Smart-Home-Zentralen wie die Philips Hue Bridge oder die Homematic-IP-Zentrale CCU3.
