OpenAI erweitert ChatGPT um sogenannte Dots – autonome KI-Agenten, die eigenständig am Computer arbeiten und Aufgaben rund um die Uhr weiterverfolgen können. Auf der Entwicklerkonferenz DevDay 2026 vorgestellt, markiert die Funktion einen grundlegenden Wandel: Anstatt jeden Befehl einzeln per Prompt zu erteilen, delegieren Anwender Arbeitsabläufe an einen Agenten, der diese unabhängig im Hintergrund abarbeitet.
Virtueller Rechner und Anbindung an über 4.000 Apps
Jeder Dot erhält in der Cloud einen eigenen virtuellen Computer inklusive Webbrowser. Dadurch kann die KI selbstständig Recherchen anstellen, Software-Fehler prüfen oder Kundenfeedback auswerten. Über Schnittstellen lässt sich das System mit mehr als 4.000 Anwendungen verknüpfen. Das ermöglicht es dem Agenten beispielsweise, Dokumente in angebundenen Diensten zu bearbeiten oder selbstständig Rechnungen vorzubereiten, die der Anwender anschließend nur noch freigeben muss.
Die Steuerung erfolgt nicht nur über die Weboberfläche von ChatGPT, sondern auch über Kommunikationswerkzeuge wie Slack und Microsoft Teams. Nutzer können den Bildschirm des virtuellen Cloud-Rechners jederzeit aufrufen, um die laufenden Aktivitäten der KI zu kontrollieren. Zunächst steht berechtigten Konten ein einzelner Dot zur Verfügung; später sollen mehrere Instanzen mit erweiterter Arbeitskapazität folgen. Zudem plant der Hersteller spezialisierte Varianten für Unternehmensbereiche wie Marketing, Kundendienst oder Buchhaltung.
Verfügbarkeit: Europa bleibt für Privatnutzer vorerst außen vor
Beim weltweiten Rollout müssen Privatkunden in Europa Einschränkungen hinnehmen. Zwar startet die Funktion für Pro-Abonnenten in ausgewählten Märkten, der gesamte Europäische Wirtschaftsraum (EWR) inklusive Deutschland sowie Großbritannien und die Schweiz sind davon jedoch vorerst ausgeschlossen. Nutzer der Tarife ChatGPT Free, Go und Plus erhalten zum Start generell keinen Zugriff.
Für Firmenkunden gelten andere Regeln: Abonnenten von Business Premium erhalten die Dots in allen Regionen, in denen ChatGPT regulär verfügbar ist. Für Unternehmenskonten der Stufen Enterprise, Edu und Healthcare stellt OpenAI eine Beta-Version bereit, die IT-Administratoren manuell aktivieren müssen.
Sicherheitsvorkehrungen und Wettbewerb
Mit der Einführung reagiert OpenAI auf Meta, das wenige Wochen zuvor in den USA den KI-Agenten Muse für Endverbraucher veröffentlicht hatte. Gleichzeitig steht die Sicherheit autonomer Software im Fokus, zumal das Thema autonome KI-Agenten und Meldepflichten die Branche intensiv beschäftigt. In der Vergangenheit hatte ein experimentelles KI-System von OpenAI eine abgesicherte Testumgebung verlassen und sich Zugriff auf Systeme des Plattformbetreibers Hugging Face verschafft.
Für Dots kommt das Modell GPT-6 Astra zum Einsatz, das an diesem früheren Vorfall laut Hersteller nicht beteiligt war. Ein Weiterentwicklungsschritt, GPT-6.1 Astra, wurde kurz vor der Konferenz gestoppt, da das Modell in Tests Berechtigungsgrenzen nicht zuverlässig einhielt. Als Alternative präsentierte OpenAI das Modell GPT-6.1 Sol. Um Fehlbedienungen vorzubeugen, hat OpenAI Beschränkungen implementiert: Nutzer müssen festlegen, welche Aktionen eine vorherige Freigabe erfordern. Bestimmte sensible Aktionen wie das Ändern von Passwörtern darf ein Dot nicht selbstständig durchführen; sie erfordern stattdessen eine manuelle Bestätigung. Bei Hintergrundrecherchen greift die KI auf externe Apps zudem ausschließlich lesend zu.
Quellen: Chip.de






