Krise bei RAM-Modulen: Wie der KI-Boom Hardware-Hersteller trifft

Krise bei RAM-Modulen: Wie der KI-Boom Hardware-Hersteller trifft

Der weltweite Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz sorgt für eine drastische Verknappung bei Speicherchips. Weil Halbleiterhersteller ihre Fertigungskapazitäten vorrangig auf High-Bandwidth Memory (HBM) – besonders schnellen Arbeitsspeicher für KI-Beschleuniger – ausrichten, geraten Standard-DRAM und NAND-Chips massiv unter Druck. Die Folgen treffen nun auch kleinere Elektronikhersteller wie Fairphone, Jolla und Framework sowie Endkunden in Deutschland spürbar.

Kosten für Arbeitsspeicher explodieren

Die Preisentwicklung auf dem Speichermarkt hat sich binnen eines Jahres drastisch verschärft. Ein gängiges 64-GB-Speicherpaket, das vor zwölf Monaten noch für rund 200 US-Dollar gehandelt wurde, liegt inzwischen bei etwa 1.100 US-Dollar – ein Plus von rund 450 Prozent. Bei Serverspeicher vom Typ DDR5 64GB RDIMM stiegen die Vertragspreise auf 1.500 US-Dollar, während am Spotmarkt kurzfristig bis zu 3.100 US-Dollar verlangt werden.

Diese Steigerungen schlagen direkt auf Endgeräte im Budget- und Mittelklassebereich durch. Raymond van Eck, Chef des nachhaltigen Smartphone-Herstellers Fairphone, bezifferte den Anteil von Speicherkomponenten an den reinen Materialkosten für 400-Dollar-Telefone auf nahezu 60 Prozent. Intel-Chef Lip-Bu Tan sprach auf dem AI Infrastructure Summit in Santa Clara sogar davon, dass RAM-Chips inzwischen 70 bis 80 Prozent der Produktionskosten günstiger Laptops und Smartphones ausmachen.

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Hersteller reagieren mit Redesigns und Fälschungstests

Neben den reinen Kosten stellt vor allem die Zuteilung (Allocations) ein Problem dar: Wer keine garantierten Kontingente bei den großen Speicherherstellern besitzt, erhält kaum Ware. Kleinere Unternehmen müssen deshalb kreativ werden:

  • Jolla setzt mittlerweile auf zwei unterschiedliche Mainboard-Layouts parallel, um flexibel auf jeweils verfügbare Speicherchargen ausweichen zu können. Zudem prüft das Unternehmen jede Lieferung genau, um gefälschte oder minderwertige Chips auszusortieren.
  • Framework begegnet der Marktsituation mit modularen Steckplätzen und setzt auf verbindliche, nicht stornierbare Vorbestellungen, um Bauteile im Voraus zu sichern.
  • Experten von Entwicklungsdienstleistern wie Direct Insight raten bei Neuentwicklungen bereits dazu, Kapazitäten zu reduzieren oder für einfache Steuerungsaufgaben vorübergehend auf ältere Standards wie DDR3 auszuweichen.
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Preisanstiege bei PCs und Konsolen

Auch die PC- und Gaming-Branche spürt die Verknappung. Bei der Vorstellung des Mobilgeräts Steam Frame nannte Valve die Beschaffungskosten für 16 GB LPDDR5X-Speicher als Hauptgrund dafür, dass das Gerät mit 1.049 Euro teurer ausfällt als ursprünglich kalkuliert. Während High-End-Geräte von vornherein das obere Preissegment anvisieren, steigen die Durchschnittspreise für Standard-PCs in der Breite: Im zweiten Quartal 2026 kletterte der durchschnittliche Verkaufspreis in den USA erstmals über 1.000 US-Dollar.

Entspannung erst in einigen Jahren in Sicht

Verbraucher müssen sich auf absehbare Zeit auf höhere Hardware-Preise oder geringer ausgestattete Basismodelle einstellen. Branchengrößen wie Samsung und SK Hynix prognostizieren, dass die Knappheit mindestens bis 2027 anhalten wird. SK-Hynix-Chef Kwak Noh-jung rechnet sogar damit, dass die Nachfrage die Kapazitäten bis über 2030 hinaus übersteigen könnte.

Zwar investieren Hersteller wie Micron, Samsung und SK Hynix Milliarden in neue Produktionswerke – unter anderem in den USA –, doch bis diese Fabriken den Regelbetrieb aufnehmen, vergehen Jahre. Nutzer, die in nächster Zeit ein neues Notebook oder Smartphone anschaffen möchten, sollten prüfen, ob ihr Altgerät noch ausreicht oder ob modulare Geräte mit aufrüstbarem RAM auf lange Sicht die wirtschaftlichere Wahl darstellen.

Quellen: Borncity.com

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