Ubuntu Server auf WD MyCloud Home installieren

Wer Ubuntu Server auf einer WD MyCloud Home installieren möchte, tauscht die stark eingeschränkte Werksfirmware gegen ein vollwertiges Linux-System. Ab Werk basiert die MyCloud-Home-Software auf Android und lässt sich nur über die offiziellen Apps und bei aktiver Internetverbindung nutzen. Lokale Zugriffe über SMB, NFS oder FTP sind nicht vorgesehen, und auch SSH bleibt gesperrt. Mit Ubuntu Server machst du aus dem Gerät ein flexibles NAS, das du frei konfigurierst. Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch Installation, Partitionierung und das Anlegen eines ZFS-Speicherpools.

Warum die Werksfirmware der WD MyCloud Home ersetzen?

Die mitgelieferte Software bietet nur wenige Funktionen und bindet dich an die WD-Cloud. Ein Zugriff auf den Speicher ist ausschließlich über die offiziellen Apps und nur bei bestehender Internetverbindung möglich. Gängige Netzwerkprotokolle wie SMB oder FTP stehen nicht zur Verfügung, und SSH lässt sich nicht freischalten. Mit Ubuntu Server auf der WD MyCloud Home erhältst du die volle Kontrolle: eigene Freigaben, freie Softwareauswahl, ZFS als robustes Dateisystem und lokalen Netzwerkzugriff ohne Umweg über eine Cloud.

Wichtige Warnung: Garantie und Datenverlust

Es handelt sich um eine inoffizielle Lösung. Mit dem Austausch der Firmware verlierst du die Herstellergarantie. Außerdem werden bei der Installation alle vorhandenen Daten unlesbar gemacht. Ein vollständiges Backup ist daher Pflicht, bevor du beginnst. Achtung: Neuere Auslieferungen der WD MyCloud Home sollen das Booten über USB deaktivieren. Im Verdacht steht die Firmware-Version 7.16.0-220. Prüfe im Zweifel vorab, ob dein Gerät noch von einem USB-Stick startet.

Was du für die Installation benötigst

  • Eine WD MyCloud Home PR2100 oder PR4100 (die Modelle mit zwei bzw. vier Einschüben)
  • Einen USB-Stick mit mindestens 16 GB als Boot-Laufwerk
  • Das vorbereitete Ubuntu-Server-Image für die WD MyCloud Home
  • Einen Linux- oder Windows-Rechner, um das Image auf den USB-Stick zu schreiben
Siehe auch  Unraid installieren: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Einsteiger

Ubuntu Server auf der WD MyCloud Home installieren

Schritt 1: Image auf den USB-Stick schreiben

Lade zunächst das vorbereitete Ubuntu-Server-Image für die WD MyCloud Home herunter (rund 2,3 GB). Unter Windows schreibst du es anschließend mit Win32 Disk Imager oder Rufus auf den USB-Stick. Auf einem Linux-Desktop erledigt das folgender Befehl. Ersetze /dev/sdX unbedingt durch den korrekten Gerätepfad deines USB-Sticks:

cat foo.img.gz | gunzip | dd of=/dev/sdX

Warnung: Bei Verwendung des falschen Geräts drohen Datenverlust und ein zerstörtes System. Kontrolliere den Zielpfad mit lsblk, bevor du dd ausführst.

Schritt 2: Vom USB-Stick booten und anmelden

Stecke den vorbereiteten USB-Stick in die WD MyCloud Home und schalte das Gerät ein. Es bootet nun direkt Ubuntu Server vom Stick. Melde dich mit den folgenden Standard-Zugangsdaten an:

Login: wdnas
Password: mycloud

Ändere das Standardpasswort direkt nach der ersten Anmeldung. Wie du den Fernzugriff zusätzlich härtest, zeigt unser Leitfaden zum SSH-Server absichern.

Schritt 3: Dateisystem auf den ganzen Stick erweitern

Das Image nutzt zunächst nur einen Teil des USB-Sticks. Um den gesamten Speicherplatz zu verwenden, löschst du die zweite Partition und legst sie neu an. Beim Neuanlegen belegt sie automatisch den vollen freien Platz. Lösche zuerst die zweite Partition:

sudo sgdisk /dev/sdX --delete=2

Anschließend erstellst du sie neu, wodurch automatisch der gesamte verfügbare Speicherplatz genutzt wird:

sudo sgdisk /dev/sdX --new=2

Lade die Partitionstabelle neu ein, damit der Kernel die Änderung erkennt:

sudo partprobe

Nun vergrößerst du das Dateisystem. Das geschieht auf der zweiten Partition /dev/sdX2, nicht auf der gesamten Festplatte /dev/sdX. Prüfe die Partition zuerst und passe dann ihre Größe an:

sudo e2fsck /dev/sdX2
sudo resize2fs /dev/sdX2

Danach bootet die WD MyCloud Home mit einem vollwertigen Ubuntu Server, der den kompletten USB-Stick als Systemlaufwerk nutzt.

Einen ZFS-Speicherpool anlegen

Für die eigentlichen Nutzdaten legst du auf den internen Festplatten einen ZFS-Pool an. ZFS bietet Prüfsummen gegen Datenkorruption, Snapshots und flexible Datasets. Schließe zuerst deine HDDs an (Hotplug ist möglich) und liste alle Laufwerke auf:

wdnas@wdnas:~$ lsblk -d
NAME         MAJ:MIN RM  SIZE RO TYPE MOUNTPOINT
loop0          7:0    0 86.9M  1 loop /snap/core/4917
loop1          7:1    0 89.5M  1 loop /snap/core/6130
sda            8:0    0  1.8T  0 disk
sdb            8:16   0  1.8T  0 disk
sdc            8:32   0  1.8T  0 disk
sdd            8:48   0  1.8T  0 disk
sde            8:64   1 14.3G  0 disk
mmcblk0      179:0    0  3.7G  0 disk
mmcblk0boot0 179:8    0    2M  1 disk
mmcblk0boot1 179:16   0    2M  1 disk

Im Beispiel ist sde der USB-Boot-Stick, die vier sda bis sdd sind die internen Festplatten. Für einen gespiegelten Pool über zwei Platten (empfohlener Name „media“) genügt:

sudo zpool create media mirror sda sdb

Alternativ erstellst du mit vier Platten einen RAIDZ-Pool. Er ähnelt einem RAID 5, bei dem eine Platte für die Parität reserviert ist:

sudo zpool create media raidz sda sdb sdc sdd

Um den Pool zu nutzen, legst du darauf ein Dataset (Dateisystem) an. Ein Dataset entspricht in etwa einer „Freigabe“ im My-Cloud-OS:

sudo zfs create media/pictures

Das Dataset wird automatisch unter /media/pictures eingehängt. Um die Freigaben anschließend komfortabel im Netzwerk bereitzustellen, eignet sich ein NFS-Server – dabei hilft unsere Anleitung Ganesha-NFS-Server unter Ubuntu installieren und konfigurieren.

Siehe auch  DELL Repository Manager: Enter passphrase for encrypted config file – Lösung

Vorhandene Daten importieren

Hattest du auf der WD MyCloud Home bereits ein Software-RAID im Einsatz, kannst du dieses unter Ubuntu Server wieder einbinden. Melde dich per SSH an (Login wdnas, Passwort mycloud) und prüfe zunächst den RAID-Status, bevor du die vorhandenen Arrays automatisch zusammensetzen lässt:

cat /proc/mdstat
sudo mdadm --assemble --scan

Folge den Anweisungen auf dem Bildschirm. Es wird empfohlen, den zpool „media“ zu nennen, damit das Ubuntu-Snap-System ihn problemlos verwenden kann. Wer auf dem NAS zusätzlich containerisierte Dienste betreiben möchte, findet den passenden Einstieg in unserer Anleitung Docker Compose unter Ubuntu und Debian installieren.

Fazit

Ubuntu Server auf der WD MyCloud Home zu installieren, verwandelt ein cloud-gebundenes Gerät in ein offenes, netzwerkfähiges NAS. Nach dem Schreiben des Images auf einen USB-Stick, dem Erweitern des Dateisystems und dem Anlegen eines ZFS-Pools hast du volle Kontrolle über deine Daten – lokal, ohne Zwang zur Hersteller-App. Denke an das Backup vor der Installation und den bewussten Verzicht auf die Garantie. Danach steht dir ein flexibler Homeserver offen, den du beliebig mit NFS-Freigaben, Docker-Diensten oder weiteren Diensten ausbaust.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich Ubuntu Server auf jeder WD MyCloud Home installieren?

Diese Anleitung bezieht sich auf die Modelle PR2100 und PR4100 mit mehreren Laufwerkseinschüben. Neuere Geräte mit der Firmware 7.16.0-220 oder höher können das Booten über USB deaktiviert haben. Prüfe vorab, ob dein Gerät noch von einem USB-Stick startet.

Verliere ich meine Garantie, wenn ich die Firmware ersetze?

Ja. Der Austausch der Werksfirmware gegen Ubuntu Server ist eine inoffizielle Lösung und führt zum Verlust der Herstellergarantie. Zudem werden vorhandene Daten unlesbar, ein Backup ist daher zwingend erforderlich.

Siehe auch  macOS Ventura 13.1: Langsame SMB-Übertragung beheben

Warum sollte ich die Werksfirmware der WD MyCloud Home überhaupt ersetzen?

Die Originalsoftware erlaubt Zugriff nur über die WD-Apps und bei aktiver Internetverbindung. Protokolle wie SMB, NFS oder FTP sowie SSH sind gesperrt. Mit Ubuntu Server nutzt du das Gerät lokal, frei konfigurierbar und ohne Cloud-Zwang.

Sollte ich einen Mirror- oder einen RAIDZ-Pool anlegen?

Ein Mirror über zwei Platten bietet einfache Redundanz und schnelle Wiederherstellung. Ein RAIDZ über vier Platten liefert mehr nutzbaren Speicher bei einer Platte Parität, ähnlich RAID 5. Für die PR4100 ist RAIDZ meist die effizientere Wahl, für die PR2100 der Mirror.

Wie greife ich nach der Installation auf die Daten im Netzwerk zu?

Nachdem du einen ZFS-Pool und Datasets angelegt hast, stellst du diese über einen Dienst wie NFS oder Samba im Netzwerk bereit. Für NFS bietet sich der Ganesha-NFS-Server an, den du anschließend gezielt für deine Datasets konfigurierst.

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