Wer unter macOS Ventura 13.1 auf ein Netzlaufwerk zugreift, erlebt beim Kopieren großer Dateien oft eine böse Überraschung: Statt der gewohnten hundert Megabyte pro Sekunde tröpfeln die Daten mit wenigen MB/s über das Netzwerk. Ursache ist eine fehlerhafte Implementierung des SMB-Protokolls (Server Message Block) in dieser Ventura-Version. In diesem Guide erfährst du, warum die Übertragungsgeschwindigkeit bei SMB-Shares einbricht und mit welchen Schritten du dein Netzlaufwerk wieder auf volle Geschwindigkeit bringst – ganz ohne teure Hardware.
Warum SMB unter macOS Ventura 13.1 so langsam ist
SMB ist das Standardprotokoll, mit dem macOS auf freigegebene Ordner von NAS-Systemen, Linux-Servern (Samba), Windows-Rechnern oder Fritzboxen zugreift. Mit Ventura 13.1 haben viele Nutzer festgestellt, dass genau dieser Zugriff massiv ausbremst – teils sinkt der Durchsatz von über 100 MB/s auf einstellige Werte. Betroffen sind vor allem Schreib- und Lesevorgänge mit vielen kleinen Dateien, aber auch große Einzeldateien leiden.
Verantwortlich ist ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren: Das obligatorische SMB Packet Signing (Paketsignierung) kostet Rechenzeit, Apples Client-Caching arbeitet unter Ventura ineffizient, und die Behandlung von Metadaten wie .DS_Store-Dateien erzeugt zusätzlichen Overhead. Erst mit späteren Ventura-Updates hat Apple nachgebessert – wer noch auf 13.1 festhängt oder das Problem weiterhin sieht, kann es aber selbst entschärfen.
Schnelle Lösung: Packet Signing per nsmb.conf abschalten
Der wirkungsvollste Hebel ist die Konfigurationsdatei /etc/nsmb.conf. Über sie steuert macOS das Verhalten des SMB-Clients. Standardmäßig existiert die Datei nicht und muss angelegt werden. Wichtig: Das Abschalten der Paketsignierung senkt in einem vertrauenswürdigen Heim- oder Firmennetz die CPU-Last spürbar, sollte in unsicheren Netzwerken aber wohlüberlegt sein.
Schritt 1: Terminal öffnen
Öffne das Terminal über Programme → Dienstprogramme oder per Spotlight-Suche (cmd + Leertaste, dann Terminal eintippen).
Schritt 2: Konfigurationsdatei anlegen
Lege die Datei mit deinem bevorzugten Editor an – hier mit nano. Da sie im Systemverzeichnis liegt, brauchst du sudo und dein Administratorpasswort:
sudo nano /etc/nsmb.confSchritt 3: Optimierte Einstellungen eintragen
Füge den folgenden Block ein. Er deaktiviert die erzwungene Paketsignierung, schaltet störende Verzeichnisbenachrichtigungen ab und aktiviert die effizientere Übertragung von Datei-Streams:
[default]
signing_required=no
notify_off=yes
streams=yes
soft=yesSpeichere die Datei mit Strg + O, bestätige mit Enter und verlasse den Editor mit Strg + X. Melde anschließend das Netzlaufwerk einmal ab und wieder an (im Finder auswerfen und neu verbinden) oder starte den Mac neu, damit die Änderungen greifen.
Alternative: Auf AFP oder NFS ausweichen
Bringt die nsmb.conf keine ausreichende Besserung, lohnt der Umstieg auf ein anderes Protokoll – vorausgesetzt, dein Server unterstützt es.
- AFP (Apple Filing Protocol): Apples hauseigenes Protokoll ist zwar offiziell veraltet, läuft aber auf vielen NAS-Systemen weiterhin stabil und oft schneller als das fehlerhafte SMB. Verbinde dich im Finder über Gehe zu → Mit Server verbinden mit
afp://server-adressestattsmb://. - NFS (Network File System): Auf Linux-Servern ist NFS die performanteste Wahl für große Transfers und kennt das SMB-Problem gar nicht erst. Es erfordert etwas mehr Konfiguration, belohnt aber mit konstantem Durchsatz.
Weitere Stellschrauben für mehr SMB-Tempo
- System aktualisieren: Apple hat den SMB-Fehler in späteren Ventura-Punktversionen und in nachfolgenden macOS-Generationen deutlich entschärft. Ein Update über Systemeinstellungen → Allgemein → Softwareupdate ist der einfachste erste Schritt.
- Downgrade auf Monterey: Ist ein Update nicht möglich und bist du auf volle Geschwindigkeit angewiesen, bringt eine Rückkehr zu macOS Monterey die alte SMB-Performance zurück. Sichere vorher unbedingt deine Daten per Time Machine.
- .DS_Store-Dateien vermeiden: Verhindere, dass macOS auf Netzlaufwerken Metadaten-Dateien anlegt. Das reduziert die Zahl kleiner Schreibvorgänge, die SMB besonders ausbremsen.
- Kabel statt WLAN: Prüfe, ob der Engpass wirklich am Protokoll liegt. Eine Gigabit-Ethernet-Verbindung schließt WLAN-Schwankungen als Ursache aus.
.DS_Store auf Netzlaufwerken abschalten
Mit einem einzigen Terminal-Befehl bringst du macOS dazu, auf SMB- und AFP-Freigaben keine .DS_Store-Dateien mehr zu erzeugen. Das spart bei Ordnern mit vielen Dateien spürbar Zeit:
defaults write com.apple.desktopservices DSDontWriteNetworkStores trueMelde dich danach einmal ab und wieder an, damit die Einstellung aktiv wird. Rückgängig machst du sie, indem du am Ende des Befehls true durch false ersetzt.
Fazit
Die schlechte Übertragungsgeschwindigkeit bei SMB-Shares unter macOS Ventura 13.1 ist kein Hardwaredefekt, sondern ein Software-Fehler im SMB-Client. In den meisten Fällen genügt es, über die Datei /etc/nsmb.conf das Packet Signing abzuschalten und die Metadaten-Behandlung zu optimieren, um wieder volle Geschwindigkeit zu erreichen. Hilft das nicht, führen der Umstieg auf AFP oder NFS, ein System-Update oder im Notfall ein Downgrade auf Monterey zum Ziel. Wer die richtige Stellschraube findet, holt aus seinem Netzlaufwerk wieder den vollen Durchsatz heraus.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum ist SMB unter macOS Ventura 13.1 so langsam?
In macOS Ventura 13.1 ist der SMB-Client fehlerhaft implementiert. Vor allem das erzwungene Packet Signing und ineffizientes Caching bremsen Netzlaufwerke aus – teils von über 100 MB/s auf einstellige Werte. Über die Datei /etc/nsmb.conf lässt sich das Problem gezielt entschärfen.
Ist es sicher, die SMB-Paketsignierung zu deaktivieren?
In einem vertrauenswürdigen Heim- oder Firmennetz ist das unbedenklich und bringt einen deutlichen Geschwindigkeitsgewinn. In öffentlichen oder unsicheren Netzwerken schützt die Signierung vor Manipulation der Datenpakete – dort solltest du sie aktiviert lassen.
Wo finde ich die Datei nsmb.conf?
Sie liegt unter /etc/nsmb.conf und existiert standardmäßig nicht. Du legst sie im Terminal mit sudo nano /etc/nsmb.conf selbst an. Alternativ kannst du eine benutzerspezifische Variante unter ~/.nsmbrc erstellen.
Ist AFP wirklich schneller als SMB?
Auf betroffenen Ventura-Versionen ja: Weil AFP nicht vom SMB-Fehler betroffen ist, liefert es oft höheren Durchsatz. AFP gilt allerdings als veraltet und wird nicht von jedem NAS unterstützt – auf Linux-Servern ist NFS die zukunftssicherere Alternative.
Muss ich für die schnelle SMB-Übertragung auf Monterey zurück?
Nicht zwingend. Zuerst solltest du die nsmb.conf anpassen und auf die neueste macOS-Version aktualisieren, da Apple den Fehler später behoben hat. Ein Downgrade auf Monterey ist nur die letzte Option, wenn du sofort volle Geschwindigkeit brauchst und nicht updaten kannst.
