Wenn der Arbeitsspeicher knapp wird, greift Linux auf den Swap zurück – ausgelagerten Speicher auf der Festplatte. Richtig konfiguriert verhindert er Abstürze bei Lastspitzen. In dieser Anleitung richtest du Swap unter Linux ein, aktivierst ihn dauerhaft und optimierst mit dem swappiness-Wert, wie aggressiv das System auslagert.
- Was ist Swap – und wann brauchst du ihn?
- Aktuellen Swap prüfen
- Schritt 1: Eine Swap-Datei anlegen
- Schritt 2: Swap dauerhaft aktivieren
- Schritt 3: swappiness optimieren
- Swap wieder entfernen
- zram als moderne Alternative
- Häufige Fragen
- Wie groß sollte der Swap sein?
- Swap-Datei oder Swap-Partition?
- Schadet viel Swapping der Leistung?
- Fazit
Was ist Swap – und wann brauchst du ihn?
Swap ist Speicherplatz auf der Festplatte, den Linux nutzt, wenn der physische RAM voll ist. Selten genutzte Speicherseiten werden dorthin ausgelagert, um Platz zu schaffen. Das ist deutlich langsamer als RAM, verhindert aber, dass Prozesse hart abgebrochen werden (der gefürchtete OOM-Killer). Auf Servern mit wenig RAM ist etwas Swap eine sinnvolle Absicherung.
Aktuellen Swap prüfen
Ob und wie viel Swap aktiv ist, zeigt dir:
free -h
swapon --showDen gesamten Speicherüberblick liefert top, htop und free.
Schritt 1: Eine Swap-Datei anlegen
Eine Swap-Datei ist flexibler als eine eigene Partition. Lege z. B. 2 GB an:
sudo fallocate -l 2G /swapfile
sudo chmod 600 /swapfile
sudo mkswap /swapfile
sudo swapon /swapfileDie Rechte 600 sind wichtig, damit nur root auf die Datei zugreifen kann. Danach ist der Swap sofort aktiv – prüfe es erneut mit swapon --show.
Schritt 2: Swap dauerhaft aktivieren
Damit der Swap auch nach einem Neustart verfügbar ist, trägst du ihn in die /etc/fstab ein:
echo "/swapfile none swap sw 0 0" | sudo tee -a /etc/fstabWie die fstab grundsätzlich funktioniert, erklärt Festplatte einbinden und mounten.
Schritt 3: swappiness optimieren
Der Wert swappiness (0–100) steuert, wie bereitwillig Linux auslagert. Ein hoher Wert lagert früh aus, ein niedriger erst spät. Der Standard von 60 ist für Desktops oft zu hoch. Für Server und Systeme mit ausreichend RAM ist ein Wert um 10 sinnvoll:
# Aktuellen Wert anzeigen
cat /proc/sys/vm/swappiness
# Dauerhaft auf 10 setzen
echo "vm.swappiness=10" | sudo tee /etc/sysctl.d/99-swappiness.conf
sudo sysctl --systemSwap wieder entfernen
Brauchst du den Swap nicht mehr oder willst ihn neu anlegen, deaktivierst du ihn, entfernst den fstab-Eintrag und löschst die Datei:
sudo swapoff /swapfile
sudo sed -i "/\/swapfile/d" /etc/fstab
sudo rm /swapfilezram als moderne Alternative
Auf Systemen mit wenig RAM ist zram eine interessante Ergänzung: Dabei wird ein komprimierter Swap direkt im Arbeitsspeicher angelegt. Das ist deutlich schneller als Swap auf der Festplatte und schont zusätzlich SSDs, weil weniger geschrieben wird. Viele Distributionen bieten dafür das Paket zram-tools an – eine überlegenswerte Option für sparsame Server und ältere Rechner.
Häufige Fragen
Wie groß sollte der Swap sein?
Für die meisten Server reichen 1–2 GB als Puffer. Nur wenn du den Ruhezustand (Hibernate) nutzen willst, sollte der Swap mindestens so groß wie der RAM sein.
Swap-Datei oder Swap-Partition?
Eine Swap-Datei ist heute die praktischere Wahl: Du kannst sie jederzeit vergrößern, verkleinern oder entfernen, ohne die Partitionierung anzufassen. In der Leistung gibt es kaum Unterschiede.
Schadet viel Swapping der Leistung?
Ja, dauerhaftes starkes Swapping bremst das System, weil die Festplatte viel langsamer als RAM ist. Ist der Swap ständig stark belegt, ist das ein Zeichen für zu wenig RAM – dann hilft nur Aufrüsten.
Fazit
Eine Swap-Datei ist schnell angelegt und in der fstab dauerhaft aktiviert. Mit einem angepassten swappiness-Wert bestimmst du, wie aggressiv Linux auslagert – für Server ist ein niedriger Wert meist ideal. So hast du einen Sicherheitspuffer gegen Speicherengpässe, ohne die Leistung unnötig auszubremsen.

