Künstliche Intelligenz beschränkt sich zunehmend nicht mehr nur auf Textnachrichten und App-Bedienung: Das Start-up Instinct sowie Metas neuer Sprachassistent Muse können ab sofort eigenständig Telefonanrufe im Auftrag von Nutzern tätigen. Die Funktion soll Aufgaben übernehmen, die sich nicht über Webseiten oder Schnittstellen automatisieren lassen – etwa telefonische Tischreservierungen oder Nachfragen bei Dienstleistern.
Terminvereinbarungen und Anfragen per Sprach-KI
Das in San Francisco ansässige Start-up Instinct stellt die Telefonfunktion unter dem Namen „Instinct Concierge“ vor. Derzeit steht der Dienst im Early Access zur Verfügung, soll später aber für alle Nutzer freigeschaltet werden. Der Agent ist darauf ausgelegt, beispielsweise Restaurants ohne Online-Buchungssystem anzurufen, sich bei Arztpraxen auf Wartelisten setzen zu lassen oder Klärungsgespräche zu Rechnungen von Kabelanbietern zu führen. Ursprünglich startete Instinct als rein textbasierter Assistent für Einkäufe, Reisebuchungen und Abo-Kündigungen.
Auch Meta zieht nach: Der erst kürzlich vorgestellte persönliche KI-Assistent Meta Muse kann nun ebenfalls US-Unternehmen telefonisch kontaktieren. Voraussetzung dafür ist bislang, dass Anwender den Assistenten explizit mit dem Anruf beauftragen. Technisch basiert Muse auf dem Sprachmodell Muse Spark und wickelt Bezahlvorgänge über Einmalkarten von Stripe Link ab.
Verfügbarkeit und Geschäftsmodelle
Beim Zugang und der regionalen Nutzung gibt es derzeit noch Einschränkungen:
- Instinct: Das System arbeitet derzeit mit einem Einladungssystem (Invite-only) und zählt laut Berichten über 100.000 Nutzer. Anrufe können vorerst innerhalb der USA getätigt werden. Gründer Noah Shinn plant derzeit keine direkten Nutzungsgebühren, sondern erwägt Werbeeinblendungen als Einnahmequelle.
- Meta Muse: Der Dienst ist bislang ausschließlich in den USA über iOS, Android und das Web erreichbar. Neben einer kostenlosen Basisversion gibt es kostenpflichtige Abonnements für 20 sowie 100 US-Dollar pro Monat. Aktionen wie Zahlungen oder das Versenden von E-Mails erfordern weiterhin eine manuelle Freigabe durch den Nutzer.
Erste Gegenwehr und offene Risiken
Dass Softwareprogramme eigenständig Dienstleister und Restaurants anrufen, stößt nicht überall auf Zustimmung. Erste Plattformen wehren sich bereits gegen den Einsatz: Die Reservierungsplattform Resy sperrt inzwischen Profile von Nutzern, die Reservierungen über automatisierte Bots vornehmen lassen.
Zudem werfen automatisierte Sprachanrufe erhebliche Fragen bezüglich Spam, Datenschutz und Missbrauch auf. Ein technisches Risiko bleiben zudem sogenannte Halluzinationen – also Fälle, in denen das Sprachmodell während des Telefonats falsche Angaben macht oder missverständliche Absprachen trifft. Hinzu kommt der Zugriffshunger der Systeme: Um vollumfänglich zu agieren, verlangt Metas Muse beispielsweise Berechtigungen für Kalender, Kontakte, Bank- und Kreditkartendaten, Cloud-Speicher sowie E-Mail- und Shopping-Konten.
Während sich die Anrufe vorerst auf Telefonate innerhalb der USA konzentrieren und Meta Muse ausschließlich dort verfügbar ist, sollten Nutzer aufmerksam verfolgen, welche Freigaben sie künftigen KI-Agenten auf ihren Geräten erteilen.
Quellen: Borncity.com


















