Einen eigenen Minecraft Server auf dem Raspberry Pi zu betreiben ist ein ideales Homelab-Projekt: sparsam im Stromverbrauch, jederzeit erreichbar und perfekt, um mit Freunden auf einer eigenen Welt zu spielen. Weil der offizielle Java-Server auf dem Pi zu ressourcenhungrig ist und unter Raspberry Pi OS nicht zuverlässig läuft, setzen wir auf Cuberite – eine schlanke, in C++ geschriebene Server-Implementierung. Dieser Guide führt dich Schritt für Schritt von den Vorbereitungen über das Kompilieren bis zum automatischen Start beim Booten.
Voraussetzungen für den Minecraft Server auf dem Raspberry Pi
Ein Minecraft-Server hält ständig die Spielwelt im Speicher, berechnet Ereignisse und schickt Updates an alle verbundenen Clients. Das kostet Arbeitsspeicher und Rechenleistung. Empfehlenswert ist daher ein Raspberry Pi 4 mit 8 GB RAM; kleinere Modelle funktionieren, geraten bei mehreren Spielern aber schnell an ihre Grenzen.
Da ein Minecraft-Server sehr schreibintensiv arbeitet, solltest du statt einer MicroSD-Karte über eine SSD als Boot-Laufwerk nachdenken. Das erhöht nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Lebensdauer deiner Hardware deutlich, weil SD-Karten unter vielen Schreibzugriffen schnell verschleißen.
Benötigte Pakete installieren
Bringe das System zunächst auf den neuesten Stand und installiere anschließend die Werkzeuge, die zum Herunterladen und Kompilieren von Cuberite nötig sind (Git, CMake, Compiler und das Terminal-Tool screen):
sudo apt-get update && sudo apt-get upgrade
sudo apt-get install git cmake make gcc screen clangDateisystem erweitern
Damit dir genügend Speicherplatz zur Verfügung steht, erweiterst du das Betriebssystem auf den gesamten Speicherbereich der SD-Karte oder SSD. Hast du das bereits bei der Einrichtung erledigt, kannst du diesen Schritt überspringen. Starte dazu das Konfigurationswerkzeug:
sudo raspi-configWähle den Punkt Expand Filesystem (unter Advanced Options) und starte den Pi anschließend neu:
sudo rebootCuberite herunterladen und kompilieren
Cuberite ist ein quelloffenes Projekt auf GitHub. Wir klonen das Repository samt aller Untermodule direkt auf den Raspberry Pi:
git clone --recursive https://github.com/cuberite/cuberite.gitWechsle in den neu erstellten Ordner:
cd cuberiteInitialisiere die Git-Untermodule und aktualisiere sie anschließend, damit alle Abhängigkeiten vollständig vorliegen:
git submodule init
git submodule updateJetzt startest du den eigentlichen Kompiliervorgang. Plane dafür viel Zeit ein – auf einem Raspberry Pi kann das Kompilieren fast zwei Stunden dauern. Schließe das Terminal in dieser Zeit nicht, sonst musst du von vorn beginnen:
cmake . -DCMAKE_BUILD_TYPE=RELEASE
make -j 4Der Parameter -j 4 weist make an, vier Prozessorkerne parallel zum Kompilieren zu nutzen – genau richtig für den Vierkern-Prozessor des Raspberry Pi 4. Sobald der Vorgang erfolgreich abgeschlossen ist, verschiebst du den neu erstellten Server-Ordner in dein Home-Verzeichnis:
mv Server/ ~/Server/Erster Start des Minecraft Servers
Wechsle in den Ordner mit dem kompilierten Server:
cd ~/Server/Beim ersten Start fehlen noch einige Konfigurationsdateien, weshalb Cuberite ein paar Fehlermeldungen ausgibt – das ist völlig normal. Starte den Server mit:
./CuberiteSobald die Meldung Startup complete, took … ms! erscheint, beende den Server zunächst wieder mit STRG + C. Durch diesen ersten Start wurden mehrere Dateien angelegt – unter anderem die Datei für das Web-Admin-Interface, die wir jetzt bearbeiten:
sudo nano webadmin.iniTrage in den entsprechenden Zeilen einen eigenen Benutzernamen und ein sicheres Passwort anstelle der Platzhalter ein und entferne die Semikolons am Zeilenanfang, damit die Zeilen aktiv werden. Wer seinen Server später aus dem Internet erreichbar machen möchte, sollte den Zugang zusätzlich absichern – unser Guide zum SSH-Server absichern zeigt die wichtigsten Handgriffe.
Warte nun ein bis zwei Minuten, bevor du den Server erneut startest, damit die Netzwerk-Ports wieder freigegeben sind. Diesmal starten wir Cuberite in einer screen-Sitzung, sodass er im Hintergrund weiterläuft, auch wenn du das Terminal schließt:
screen -dmS Cuberite ./CuberiteAnschließend erreichst du das Web-Interface im Browser unter http://RPI_IP:8080/webadmin/. Ersetze RPI_IP durch die lokale IP-Adresse deines Raspberry Pi (etwa 192.168.x.x) und melde dich mit den eben festgelegten Zugangsdaten an. Über das Web-Admin kannst du zahlreiche Einstellungen deines Servers bequem vornehmen.
Raspberry Pi Minecraft Server updaten
Von Zeit zu Zeit erscheinen Updates für Cuberite, damit auch neuere Minecraft-Versionen unterstützt werden. Wechsle dazu in das Verzeichnis mit den Git-Dateien:
cd ~/cuberiteFühre anschließend die folgenden Befehle nacheinander aus, um die neuesten Dateien herunterzuladen und den Server neu zu bauen:
git pull
git submodule update --init
makeErstelle vor größeren Updates am besten eine Sicherung deiner Welt- und Konfigurationsdateien. Wie du Backups zuverlässig automatisierst, zeigt unser Beitrag zum Synology Active Backup for Business Linux-Agent.
Autostart per Crontab einrichten
Damit der Minecraft-Server bei jedem Neustart des Raspberry Pi automatisch mitstartet, legst du einen Eintrag in der Crontab an:
crontab -eFüge am Ende der Datei die folgende Zeile hinzu. Sie startet Cuberite beim Booten in einer screen-Sitzung:
@reboot screen -dmS Cuberite ~/cuberite/Server/CuberiteSpeichere und schließe den Editor mit STRG + O und STRG + X. Ab dem nächsten Neustart läuft dein Minecraft-Server automatisch. Du kannst dich dann einfach mit deinem Minecraft-Client über die IP-Adresse und den passenden Port auf dem Server einloggen.
Fazit
Mit Cuberite lässt sich ein Minecraft Server auf dem Raspberry Pi auch ohne den ressourcenhungrigen Java-Server betreiben. Der einzige Wermutstropfen ist die lange Kompilierzeit – danach hast du aber einen stromsparenden, dauerhaft verfügbaren Server für dich und deine Freunde. Achte auf eine SSD statt SD-Karte, sichere den Zugang ordentlich ab und richte den Autostart per Crontab ein, dann läuft dein Homelab-Minecraft-Server praktisch wartungsfrei.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum nutzt man Cuberite statt des offiziellen Minecraft-Servers?
Der offizielle Server ist in Java geschrieben und für die begrenzte Leistung des Raspberry Pi zu schwerfällig. Cuberite ist in C++ programmiert, deutlich ressourcenschonender und daher ideal für die ARM-Hardware des Pi geeignet.
Welcher Raspberry Pi eignet sich für einen Minecraft-Server?
Empfohlen wird ein Raspberry Pi 4 mit 8 GB RAM. Damit spielen mehrere Nutzer flüssig zusammen. Modelle mit weniger Arbeitsspeicher funktionieren ebenfalls, kommen bei vielen Spielern oder großen Welten jedoch schneller an ihre Grenzen.
Warum dauert das Kompilieren so lange?
Cuberite wird direkt aus dem Quellcode für deine Hardware übersetzt. Auf dem vergleichsweise schwachen Prozessor des Raspberry Pi kann das bis zu zwei Stunden dauern. Schließe das Terminal in dieser Zeit nicht, sonst startet der Vorgang von vorn.
Warum sollte ich eine SSD statt einer SD-Karte verwenden?
Ein Minecraft-Server schreibt sehr häufig Daten auf das Laufwerk. SD-Karten verschleißen dadurch schnell und können ausfallen. Eine SSD ist robuster, schneller und verlängert die Lebensdauer deines Setups spürbar.
Wie erreiche ich das Web-Admin-Interface von Cuberite?
Öffne im Browser http://RPI_IP:8080/webadmin/ und ersetze RPI_IP durch die lokale IP-Adresse deines Raspberry Pi. Melde dich mit dem Benutzernamen und Passwort an, die du zuvor in der Datei webadmin.ini festgelegt hast.
