Balkonkraftwerk: was erlaubt ist – 800 VA und 2.000 Wp
Zwei Zahlen entscheiden darüber, ob Deine Anlage ein Balkonkraftwerk ist oder eine gewöhnliche Photovoltaikanlage mit ganz anderem Aufwand: 800 Voltampere am Wechselrichter und 2.000 Watt Peak an Modulen. Dass diese Zahlen so unterschiedlich sind, verwirrt viele – dabei steckt dahinter eine sinnvolle Logik.
*Dieser Text ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung.*
Die beiden Grenzwerte
| Größe | Grenze | Gemessen woran |
|---|---|---|
| Wechselrichter | 800 VA | was ins Hausnetz abgegeben wird |
| Module | 2.000 Wp | Nennleistung unter Idealbedingungen |
Die Wechselrichtergrenze ist die harte. Sie ist in der Anschlussnorm VDE-AR-N 4105 verbindlich festgelegt und der Grund, warum ein Gerät überhaupt als steckerfertig gelten darf. Die Modulgrenze ist großzügiger, weil Module ihre Nennleistung im Alltag ohnehin selten erreichen.
Warum mehr Module als Wechselrichterleistung sinnvoll sind
Das klingt zunächst widersinnig: Warum 2.000 Wp Module an einen Wechselrichter hängen, der nur 800 VA durchlässt? Weil die Nennleistung ein Laborwert ist.
- Die Nennleistung gilt bei senkrechter Einstrahlung, klarem Himmel und 25 Grad Modultemperatur. Diese Kombination gibt es in Deutschland fast nie.
- Im Alltag liefern Module oft nur einen Bruchteil davon – morgens, abends, bei Bewölkung, im Winter.
- Mehr Modulfläche hebt genau diese Randstunden an. Statt zur Mittagszeit ein paar Minuten abzuregeln, gewinnst Du den ganzen Vormittag und Nachmittag.
- Die Begrenzung kostet weniger, als man denkt. Die abgeschnittene Spitze ist über das Jahr gesehen ein kleiner Anteil.
Der dritte Punkt ist der praktische Kern: Eine Anlage mit 1.600 Wp an 800 VA erzeugt über das Jahr deutlich mehr als eine mit 800 Wp – trotz gleicher Obergrenze. Was das in Zahlen bedeutet, steht unter Ertrag realistisch.
Voltampere und Watt
Die Wechselrichtergrenze steht in VA, nicht in Watt. Das ist kein Zufall: Voltampere beschreibt die Scheinleistung, also alles, was das Gerät auf die Leitung gibt – einschließlich des Anteils, der keine nutzbare Arbeit verrichtet.
Für die Praxis genügt eine Faustregel: Ein Gerät, das mit „800 W" beworben wird, sollte in den technischen Daten 800 VA ausweisen. Steht dort ein höherer VA-Wert, ist es kein Balkonkraftwerk-Wechselrichter.
Was passiert oberhalb der Grenzen
| Fall | Folge |
|---|---|
| Wechselrichter über 800 VA | keine steckerfertige Anlage mehr – Fachbetrieb und Netzbetreiberverfahren nötig |
| Module über 2.000 Wp | dasselbe, auch bei kleinem Wechselrichter |
| Zwei Balkonkraftwerke im Haushalt | die Grenzen gelten je Anschluss, nicht je Gerät |
| Anlage plus Speicher | unverändert, solange die Einspeisung bei 800 VA bleibt |
Die dritte Zeile wird regelmäßig übersehen. Zwei Sets an einem Zähler ergeben zusammen 1.600 VA – und damit keine steckerfertige Anlage mehr. Wer erweitern will, ersetzt den Wechselrichter durch einen größeren und geht dann den normalen Weg.
Die vierte Zeile ist die gute Nachricht für Speicherinteressierte: Ein Speicher ändert an der Einordnung nichts, solange die Abgabe ins Hausnetz begrenzt bleibt.
Was zusätzlich gilt
- Der Wechselrichter braucht eine gültige Konformitätserklärung nach der Anschlussnorm. Geräte ohne diese Zertifizierung gehören nicht ans Netz – Einzelheiten unter Wechselrichter.
- Er muss sich bei Netzausfall selbsttätig abschalten, und zwar in Millisekunden. Deshalb liefert ein Balkonkraftwerk bei Stromausfall nichts.
- Der Anschluss erfolgt über eine eigene Steckdose, nicht über eine Mehrfachverteilung mit hoher Dauerlast.
- Die Anmeldung ist Pflicht – siehe Balkonkraftwerk anmelden.
Fazit
800 VA am Wechselrichter, 2.000 Wp an Modulen. Beide Werte gleichzeitig einzuhalten, macht eine Anlage steckerfertig.
Die Modulgrenze auszureizen ist kein Trick, sondern sinnvoll – mehr Fläche liefert vor allem morgens, abends und im Winter mehr, wo es sonst kaum etwas gibt.
Und wer erweitern will, sollte wissen: Zwei Sets an einem Anschluss sind keine zwei Balkonkraftwerke, sondern eine anmeldepflichtige Photovoltaikanlage.
Häufige Fragen
Wie viel Watt darf ein Balkonkraftwerk haben?
Der Wechselrichter darf 800 VA abgeben, die Module dürfen zusammen 2.000 Wp Nennleistung haben. Beide Grenzen gelten gleichzeitig.
Warum dürfen die Module mehr als der Wechselrichter?
Weil die Nennleistung ein Laborwert unter Idealbedingungen ist, den Module im Alltag selten erreichen. Mehr Fläche hebt vor allem die Randstunden an, statt die Mittagsspitze zu vergrößern.
Was bedeutet VA im Unterschied zu Watt?
VA ist die Scheinleistung, also alles, was der Wechselrichter auf die Leitung gibt. Für die Praxis: Ein seriöses 800-W-Gerät weist in den technischen Daten 800 VA aus.
Darf ich zwei Balkonkraftwerke betreiben?
Nicht als steckerfertige Anlagen am selben Anschluss – die 800 VA gelten je Netzanschluss. Zwei Sets ergeben zusammen 1.600 VA und damit ein anderes Verfahren.
Ändert ein Speicher die erlaubte Leistung?
Nein. Entscheidend bleibt, was ins Hausnetz abgegeben wird. Die Speicherkapazität selbst ist nicht begrenzt.
