Balkonkraftwerk-Ertrag: was realistisch herauskommt

Die beworbenen Zahlen sind selten falsch – sie beschreiben nur einen Idealfall, den es in Deutschland kaum gibt. Realistisch liefert eine gut ausgerichtete Anlage 800 bis 1.000 Kilowattstunden je Kilowattpeak im Jahr. Was davon übrig bleibt, hängt an einer zweiten Zahl, die kaum jemand nennt.

Inhaltsverzeichnis

Die Grundzahl

AufbauJahresertragAnmerkung
900 Wp, gut ausgerichtetetwa 750 bis 900 kWhder Normalfall
900 Wp, senkrecht an der Brüstungetwa 450 bis 600 kWhdeutlicher Abschlag
1.800 Wp, gut ausgerichtetetwa 1.300 bis 1.500 kWhWechselrichter begrenzt die Spitze
450 Wp, ein Moduletwa 350 bis 450 kWhhalbe Anlage, halber Ertrag

Die zweite Zeile ist der häufigste Grund für Enttäuschung. Ein senkrecht an der Brüstung hängendes Modul verliert im Sommer erheblich, weil die Sonne dann hoch steht und flach auf die Fläche trifft. Warum das so ist, steht unter Ausrichtung und Neigung.

Die dritte Zeile zeigt, warum sich mehr Module lohnen: Die Verdopplung der Fläche bringt nicht die doppelte, aber deutlich mehr Energie – der Wechselrichter kappt nur die Mittagsspitze.

Die zweite Zahl, die zählt

Der Eigenverbrauchsanteil. Nur der Strom, den Du selbst verbrauchst, spart Geld. Der Rest fließt ohne Gegenleistung ins Netz.

AnteilBei 900 kWh ErtragErsparnis bei 35 ct
Ohne Speicher30 bis 40 %270 bis 360 kWh95 bis 125 Euro
Mit Speicher60 bis 80 %540 bis 720 kWh190 bis 250 Euro

Das ist die eigentliche Rechnung eines Balkonkraftwerks – nicht der Jahresertrag, sondern der genutzte Anteil davon. Ob sich ein Speicher für Dich rechnet, steht unter Lohnt sich ein Speicher.

Was den Ertrag drückt

  1. Verschattung. Ein Baum, ein Nachbarbalkon, ein Geländerpfosten – schon kleine Schatten kosten überproportional viel.
  2. Senkrechte Montage. Der größte Einzelfaktor am Balkon.
  3. Ausrichtung nach Norden. Dann lohnt es sich meist nicht.
  4. Schmutz und Pollen. Wenige Prozent, einmal jährlich abwaschen genügt.
  5. Hitze. Module verlieren bei hohen Temperaturen an Leistung – deshalb ist der Mai oft ertragreicher als der Juli.

Punkt 1 ist der unterschätzteste. Bei Modulen ohne getrennte Regelung kann ein einzelner verschatteter Bereich das ganze Modul ausbremsen – ein Grund für Wechselrichter mit zwei MPP-Trackern, siehe Wechselrichter.

Punkt 5 überrascht viele: Der beste Monat ist häufig nicht der heißeste. Kühle, klare Frühlingstage liefern mehr als schwüle Hochsommertage.

Die Amortisation

AnlageKostenErsparnis im JahrAmortisation
800-W-Set ohne Speicheretwa 220 bis 350 Euro95 bis 125 Eurorund 2 bis 4 Jahre
Set mit Halterungetwa 300 bis 450 Euro95 bis 125 Eurorund 3 bis 5 Jahre
Set plus Speicheretwa 600 bis 800 Euro190 bis 250 Eurorund 3 bis 4 Jahre

Diese Zeiten sind für Solaranlagen ausgesprochen kurz – der Grund ist die entfallene Umsatzsteuer in Verbindung mit den gesunkenen Modulpreisen. Danach liefert die Anlage viele Jahre weiter.

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Wie Du Deinen tatsächlichen Ertrag misst

  • Die App des Wechselrichters zeigt die Erzeugung – das ist die einfache Hälfte.
  • Ein Energiemessgerät im Zählerschrank zeigt, was das Haus verbraucht. Erst beides zusammen ergibt den Eigenverbrauchsanteil.
  • Nach einem vollen Jahr urteilen, nicht nach einer Woche im März.

Der zweite Punkt ist die Voraussetzung für jede Speicherentscheidung – ohne ihn ist die Speichergröße geraten. Der Weg dorthin steht unter Home Assistant einbinden.

Fazit

800 bis 1.000 Kilowattstunden je Kilowattpeak ist der realistische Rahmen – senkrecht an der Brüstung deutlich weniger.

Entscheidend ist aber der Eigenverbrauchsanteil, nicht der Ertrag. Ohne Speicher nutzt Du rund ein Drittel selbst.

Und die Amortisation liegt trotzdem bei zwei bis vier Jahren. Das ist für eine Solaranlage bemerkenswert kurz.

Häufige Fragen

Wie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk im Jahr?

Bei guter Ausrichtung etwa 800 bis 1.000 Kilowattstunden je Kilowattpeak. Eine übliche 900-Wp-Anlage liegt damit bei 750 bis 900 Kilowattstunden.

Wie viel Geld spare ich damit?

Ohne Speicher etwa 95 bis 125 Euro im Jahr, weil nur rund ein Drittel des Ertrags selbst verbraucht wird. Mit Speicher rund das Doppelte.

Wann hat sich die Anlage bezahlt gemacht?

Ein einfaches Set nach etwa zwei bis vier Jahren, mit Halterung nach drei bis fünf. Danach liefert sie viele Jahre weiter.

Warum ist der Ertrag im Sommer nicht am höchsten?

Module verlieren bei Hitze an Leistung. Kühle, klare Frühlingstage liefern deshalb oft mehr als schwüle Hochsommertage.

Lohnt sich eine Anlage nach Norden?

In aller Regel nicht. Ost oder West sind dagegen brauchbar und liefern über den Tag verteilt sogar gleichmäßiger als Süden.

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