Balkonkraftwerk in Home Assistant: Erzeugung und Verbrauch zusammenbringen
Die App des Wechselrichters zeigt, was erzeugt wird. Die interessantere Frage beantwortet sie nicht: Wie viel davon verbrauchst Du selbst? Dafür braucht es einen zweiten Messpunkt – und dann wird aus zwei Zahlen eine Auswertung, die tatsächlich Entscheidungen trägt.
Warum zwei Messpunkte nötig sind
| Messpunkt | Zeigt | Reicht das? |
|---|---|---|
| Wechselrichter | Erzeugung | nein, nur die halbe Rechnung |
| Energiemessgerät im Zählerschrank | Bezug und Einspeisung | zusammen mit dem ersten: ja |
| Speicher | Ladung und Entladung | ergänzt das Bild |
Erst die Kombination beantwortet die Frage nach dem Eigenverbrauch – und der entscheidet über die Ersparnis, wie unter Ertrag realistisch vorgerechnet.
Der Wechselrichter
Für die gängigen Mikrowechselrichter gibt es mehrere Wege nach Home Assistant:
- Über die Hersteller-Cloud. Einfach einzurichten, aber abhängig von einem fremden Dienst und mit Verzögerung.
- Über eine lokale Zusatzlösung, die den Wechselrichter direkt anfunkt und die Daten per MQTT bereitstellt. Aufwendiger, dafür ohne Cloud und in Echtzeit.
- Gar nicht – wenn Dir das Messgerät im Zählerschrank genügt.
Die dritte Möglichkeit wird zu selten erwogen. Wenn Du ohnehin am Zähler misst, siehst Du die Wirkung der Anlage dort: Der Bezug sinkt bei Sonne. Für die meisten Auswertungen reicht das völlig.
Die zweite ist der Weg für alle, die es genau wollen: lokale Daten im Sekundentakt, unabhängig von Internet und Herstellerdienst – das passt zur Ausrichtung eines HomeLab.
Das Energiemessgerät
Es sitzt im Zählerschrank und misst, was tatsächlich fließt. Das ist der wichtigere der beiden Messpunkte.
- Der Einbau gehört in Fachhände. Anders als das Balkonkraftwerk selbst ist das ein Eingriff in die feste Installation.
- Auf die Zahl der Phasen achten. Ein einphasiges Gerät reicht nicht, wenn der Haushalt dreiphasig angeschlossen ist – und das ist der Normalfall.
- Netzwerkanbindung bevorzugen, wenn der Zählerschrank schlecht funkt. Geräte mit Kabelanschluss ersparen viel Fehlersuche.
- Die Einbindung läuft über die Integration des Herstellers oder über MQTT.
Punkt 2 ist der häufigste Fehlkauf. Ein einphasiges Messgerät zeigt nur ein Drittel der Wahrheit und macht die Eigenverbrauchsrechnung wertlos.
Das Energie-Dashboard
Home Assistant bringt eine eigene Energieansicht mit, die genau für diesen Fall gebaut ist. Sie braucht drei Angaben:
| Angabe | Woher |
|---|---|
| Netzbezug | Energiemessgerät |
| Einspeisung | Energiemessgerät |
| Solarerzeugung | Wechselrichter |
| Speicher laden und entladen | Speicher, sofern vorhanden |
Wichtig ist, dass die Sensoren kumulierte Werte in Kilowattstunden liefern, keine Momentanleistung in Watt. Das ist der Punkt, an dem die Einrichtung am häufigsten scheitert – die Energieansicht rechnet mit Zählerständen, nicht mit Leistungswerten.
Was sich damit automatisieren lässt
- Große Verbraucher bei Überschuss starten – Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner.
- Eine Benachrichtigung, wenn die Anlage länger nichts liefert – der einfachste Ausfallmelder.
- Den Speicher gezielt entladen, wenn er das über eine Schnittstelle zulässt.
- Monatswerte protokollieren, um die Speicherfrage auf Daten statt auf Schätzungen zu stützen.
Der erste Punkt ist der mit dem größten Effekt – und gleichzeitig der mit dem geringsten Aufwand. Eine Waschmaschine, die mittags statt abends läuft, hebt den Eigenverbrauch spürbar, ganz ohne Speicher.
Der vierte Punkt ist die Vorarbeit für jede Speicherentscheidung, wie unter Lohnt sich ein Speicher beschrieben.
Fazit
Der Wechselrichter allein zeigt nur die halbe Rechnung. Erst ein Energiemessgerät im Zählerschrank macht daraus eine Aussage über den Eigenverbrauch.
Achte auf die Zahl der Phasen – ein einphasiges Gerät ist im dreiphasigen Haushalt wertlos.
Und die einfachste wirksame Automatisierung braucht gar keinen Speicher: große Verbraucher in die Mittagsstunden legen.
Häufige Fragen
Gibt es eine Integration für meinen Wechselrichter?
Für die gängigen Mikrowechselrichter gibt es Wege über die Hersteller-Cloud und lokale Lösungen, die die Daten per MQTT bereitstellen. Die lokale Variante ist aufwendiger, dafür schneller und unabhängig.
Brauche ich unbedingt ein Energiemessgerät?
Für die Eigenverbrauchsrechnung ja. Ohne es siehst Du nur die Erzeugung, nicht den Verbrauch – und damit nicht die Ersparnis.
Kann ich das Messgerät selbst einbauen?
Nein. Der Einbau im Zählerschrank ist ein Eingriff in die feste Installation und gehört in Fachhände – anders als das Balkonkraftwerk selbst.
Ein- oder dreiphasig?
In fast allen Haushalten dreiphasig. Ein einphasiges Gerät misst nur einen Teil und macht die Rechnung unbrauchbar.
Warum zeigt das Energie-Dashboard nichts an?
Meist, weil die Sensoren Momentanleistung in Watt liefern statt kumulierter Energie in Kilowattstunden. Die Energieansicht rechnet mit Zählerständen.
