Internet-Ausfallschutz: 5G/LTE als WAN2-Failover im UniFi-Netz

Ein Internetausfall legt heute weit mehr lahm als nur den Fernsehabend: Homeoffice-VPN, Kartenzahlung im Laden oder die Praxissoftware stehen still. Mit einem zweiten WAN-Anschluss ueber 5G/LTE schaltet dein UniFi-Gateway bei einer Stoerung der Hauptleitung automatisch auf Mobilfunk um. Diese Anleitung zeigt Prinzip, Hardware, Einrichtung und die Kostenfalle Datenvolumen.

DSL / Glasfaser5G/LTE-Router (Bridge)UniFi-GatewayInternetWAN1WAN2Failover: fällt WAN1 aus, übernimmt automatisch WAN2.
Dual-WAN: primär Festnetz, sekundär Mobilfunk als Ausfallschutz.

Das Prinzip: Dual-WAN mit automatischem Failover

Bei Dual-WAN nutzt das Gateway zwei getrennte Internetzugaenge. WAN1 ist die primaere Leitung, in der Regel DSL oder Glasfaser. WAN2 ist die Reserve, hier ein 5G/LTE-Zugang. Im Failover-Modus bleibt WAN2 im Standby und wird erst aktiv, wenn das Gateway die Hauptleitung als gestoert erkennt. Dazu schickt es laufend Health-Probes ins Netz; fallen genug davon aus, leitet es den gesamten Datenverkehr binnen Sekunden auf den Mobilfunk um und wechselt spaeter automatisch zurueck.

Alternativ gibt es Load Balancing: Beide Leitungen laufen parallel und der Verkehr wird nach Gewichtung verteilt. Fuer reinen Ausfallschutz ist der Failover-Modus die bessere Wahl, weil dein teures Mobilfunk-Volumen dann nur im Ernstfall verbraucht wird.

Der grosse Vorteil eines Mobilfunk-Backups gegenueber einer zweiten Festnetzleitung: Es laeuft ueber eine voellig andere Infrastruktur. Ein Bagger, der dein Glasfaserkabel kappt, oder eine gestoerte Vermittlungsstelle legt den 5G-Zugang nicht mit lahm. Genau diese Unabhaengigkeit macht den Ausfallschutz robust. Moderne 5G-Netze liefern zudem genug Bandbreite und niedrige Latenz, um im Notbetrieb Videocalls, Cloud-Dienste und VPN fluessig zu tragen.

Hardware-Optionen

Variante A: 5G/LTE-Router im Bridge-Modus (universell)

Der flexibelste Weg im DACH-Raum: ein beliebiges UniFi-Gateway mit freiem zweitem WAN-Port plus ein separater 5G/LTE-Router mit deiner SIM. Wichtig ist, dass dieser Router im Bridge- bzw. Passthrough-Modus laeuft. Dann gibt er die oeffentliche Mobilfunk-Adresse direkt an das UniFi-Gateway weiter, statt selbst ein zweites NAT aufzubauen. Verkabelt wird der LTE-Router einfach per Ethernet in den WAN2-Port. Vorteil: Du bist bei Anbieter, Tarif und SIM voellig frei. Achte auf guten Empfang am Aufstellort und nutze bei schwachem Signal ein Modell mit externen Antennenanschluessen, damit im Ernstfall genug Bandbreite ankommt.

Variante B: Ubiquiti-eigene Mobilfunk-Loesungen

Ubiquiti bietet dafuer eigene Geraete an, etwa das UniFi LTE Backup zur nahtlosen Ausfallsicherung von UniFi-Gateways sowie neuere 5G-Modelle. Diese Produkte werden vor allem im US-Markt teils mit fest verbautem AT&T-SIM und eigenem Datenplan ausgeliefert. Pruefe vor dem Kauf unbedingt Verfuegbarkeit, Frequenzbaender und SIM-Freiheit fuer Deutschland, Oesterreich oder die Schweiz. Ist das unklar, faehrst du mit einem entsperrten 5G/LTE-Router im Bridge-Modus (Variante A) sicherer.

Einrichtung: WAN2 zuweisen und Failover waehlen

In der UniFi Network Application legst du beide Zugaenge unter Settings (Einstellungen) > Internet an. WAN1 und WAN2 sind dabei jeweils einem physischen, WAN-faehigen Port am Gateway zugeordnet.

  1. Oeffne Einstellungen > Internet und pruefe, dass die Hauptleitung als WAN1 laeuft.
  2. Klicke auf Add Secondary (Sekundaeren Anschluss hinzufuegen) und weise ihm den Port zu, an dem der 5G/LTE-Router haengt.
  3. Waehle als Betriebsart Failover Only, damit WAN2 nur im Stoerfall aktiv wird.
  4. Setze die Prioritaet: WAN1 hoch, WAN2 niedriger, damit nach der Rueckkehr automatisch auf die Hauptleitung zurueckgeschaltet wird.
  5. Speichere und teste, indem du das Kabel von WAN1 kurz ziehst und die Umschaltung beobachtest.

Failover-Kriterien (Health Checks)

Das Gateway markiert ein WAN als gestoert, wenn zwei von drei Health-Probes fehlschlagen; diese Auto-SLA reicht fuer die meisten Netze. Zusaetzlich beobachtet UniFi die Hauptleitung auf hohe Latenz und Paketverlust und schaltet bereits um, wenn diese ueber laengere Zeit auffaellig sind, nicht erst bei komplettem Ausfall. Die Zieladressen der Probes lassen sich anpassen, falls dein Provider bestimmte Server blockt.

Kostenfalle Datenvolumen

Mobilfunktarife haben oft ein begrenztes oder teures Datenvolumen. Laeuft dein Netz stundenlang ueber 5G/LTE, koennen Cloud-Backups, Windows-Updates oder Streaming schnell mehrere Gigabyte verbrauchen. So begrenzt du den Schaden:

  • Nur wichtige Geraete ins Failover lassen und Nebengeraete (TV, Gaeste-WLAN) per VLAN oder Firewall-Regel im Stoerfall aussperren.
  • Automatische Updates, Cloud-Sync und Backups auf die Hauptleitung beschraenken oder zeitgesteuert pausieren.
  • Beim Provider eine Volumenwarnung einrichten und einen Tarif mit ausreichender Reserve waehlen.
  • Nach dem Zurueckschalten pruefen, wie viel Volumen der Ausfall gekostet hat.

Typische Anwendungen

Im Homeoffice haelt der Failover VPN, Videocalls und Cloud-Tools am Laufen. In der Arztpraxis oder Kanzlei bleiben Terminsoftware und elektronische Uebermittlung erreichbar. Im Einzelhandel funktioniert die Kartenzahlung weiter, wenn die Festnetzleitung streikt, statt Umsatz zu verlieren. Ueberall dort, wo ein paar Minuten Offline echtes Geld oder Vertrauen kosten, rechnet sich der zweite Anschluss schnell.

Haeufige Fragen

Brauche ich ein bestimmtes UniFi-Gateway? Du brauchst ein Gateway mit einem zweiten, WAN-faehigen Port. Viele UniFi-Gateways bieten das oder lassen einen LAN-Port zu WAN2 umwidmen; pruefe die Spezifikation deines Modells.

Warum Bridge-Modus statt normalem Router? Zwei hintereinander geschaltete NAT-Ebenen (Double NAT) stoeren Portfreigaben und VPN. Im Bridge-Modus reicht der LTE-Router die Verbindung sauber an das UniFi-Gateway durch.

Wie schnell erfolgt die Umschaltung? Meist innerhalb weniger Sekunden nach dem Fehlschlagen der Health-Probes. Bestehende Verbindungen koennen dabei kurz abreissen und neu aufbauen.

Schaltet das Gateway automatisch zurueck? Ja. Sobald WAN1 wieder stabil ist, uebernimmt die hoeher priorisierte Hauptleitung erneut, sodass kein Mobilfunk-Volumen unnoetig weiterlaeuft.


Quellen

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