Beim Neubau oder der Kernsanierung eines Reihenhauses entscheidet sich die Netzwerkqualitaet nicht am Router, sondern in der Rohbauphase: Wer jetzt Leerrohre, Cat6a-Leitungen und einen Technikraum einplant, spart sich spaeter WLAN-Repeater und Powerline-Notloesungen. Mit dem UniFi-Oekosystem von Ubiquiti laesst sich vom Gateway ueber Switches bis zu den Access Points ein durchgaengiges, zentral verwaltetes Netz aufbauen. Dieser Leitfaden zeigt, wie du Komponenten und Verkabelung nach Wohnflaeche und Etagen dimensionierst.
Zuerst die Struktur: Technikraum und Sternverkabelung
Herzstueck der Planung ist ein zentraler Punkt, an dem alle Leitungen zusammenlaufen: ein kleiner Technikraum, ein Schrank im Hauswirtschaftsraum oder mindestens ein Netzwerkschrank in der Garage. Von dort wird sternfoermig verkabelt, das heisst jede Netzwerkdose bekommt ihre eigene durchgehende Leitung zum Patchfeld. Reihenschaltungen von Dosen gehoeren der Vergangenheit an.
Plane an dieser Stelle Platz fuer Patchfeld, Switch, Gateway und den Uebergabepunkt des Providers (Glasfaser-ONT oder Kabelmodem) ein. Wichtig sind eine ausreichende Stromversorgung mit mehreren Steckdosen sowie etwas Belueftung, da PoE-Switches unter Last Waerme abgeben.
Welches Kabel: Cat6 oder Cat6a
Fuer die feste Verlegung im Bau ist Cat6a das sinnvolle Minimum. Es traegt 10 Gigabit ueber die im Haus ueblichen Distanzen und ist besser geschirmt als Cat6. Der Aufpreis gegenueber Cat6 ist gering, ein spaeterer Austausch in der Wand dagegen extrem teuer. Verlege konsequent Verlegekabel (starre Adern) fest in der Wand und nutze flexible Patchkabel nur an den Enden.
- Leerrohre statt direkter Einputz-Verlegung: erlaubt spaeteres Nachziehen weiterer Adern oder Glasfaser.
- Pro Wohnraum mindestens zwei Doppeldosen (TV-Wand, Schreibtisch), im Buero eher vier Ports.
- An jeder geplanten AP-Position eine Deckendose oder Wanddose vorsehen, PoE macht separate Steckdosen ueberfluessig.
- Reserveleitungen zu Keller, Dachboden und Garten einziehen, solange die Waende offen sind.
Das Gateway: Herz von Routing und Sicherheit
Das Gateway uebernimmt Routing, Firewall und die UniFi-Verwaltung (Network Controller). Fuer das typische Einfamilien- oder Reihenhaus reicht das UniFi Cloud Gateway Ultra (UCG-Ultra): kompakt, luefterlos, mit rund 1 Gbit/s Durchsatz bei aktiviertem IDS/IPS und Verwaltung fuer ueber 30 UniFi-Geraete. Es hat keine PoE-Ports und kein WLAN, dafuer sorgt der Switch.
Wer einen Glasfaseranschluss mit mehr als 1 Gbit/s hat oder haeuslich Netzwerkspeicher und Kameras betreiben will, greift zum UniFi Cloud Gateway Fiber (UCG-Fiber). Es bietet zwei 10G-SFP+-Ports, einen 10-GbE-RJ45-WAN-Port, bis zu 5 Gbit/s IDS/IPS-Durchsatz und Platz fuer NVMe-Speicher. Ein aktiver Luefter haelt die 10G-Last kuehl. Alternativ deckt die Dream-Machine-Reihe (z. B. Dream Machine Pro) groessere Setups mit integriertem Festplattenschacht fuer UniFi Protect ab.
Der Switch: Portzahl und PoE richtig dimensionieren
Der Switch versorgt Access Points, Kameras und Endgeraete. Zwei Groessen bestimmen die Wahl: die Portzahl und das PoE-Budget. Zaehle alle Kabel, die im Technikraum ankommen, und rechne Reserve dazu. Fuer ein Reihenhaus mit drei bis vier Access Points, ein paar Kameras und mehreren Festverbindungen ist ein 16-Port-Modell ein guter Startpunkt, ein Einfamilienhaus mit vielen Dosen faehrt oft mit 24 Ports besser.
PoE (Power over Ethernet) versorgt Access Points und Kameras ueber das Datenkabel mit Strom. Achte auf ausreichendes PoE-Gesamtbudget und darauf, dass mindestens PoE+ (802.3at) an den AP-Ports anliegt. Ein Uplink mit 2,5G oder 10G zum Gateway verhindert, dass der Switch bei schnellen WLAN-7-Clients zum Flaschenhals wird. Der USW-Pro-Max-16-PoE etwa kombiniert zwoelf 1-GbE-PoE+-Ports, vier 2,5-GbE-PoE++-Ports und zwei 10G-SFP+-Uplinks, das passt gut zur U7-Serie.
Access Points: Abdeckung nach Flaeche und Etage
Als Faustregel deckt ein deckenmontierter Access Point rund 80 bis 120 m2 einer offenen Flaeche ab. In einem mehrstoeckigen Reihenhaus ist jedoch nicht die Flaeche allein entscheidend, sondern die Zahl der Etagen: Waende und Betondecken daempfen das Signal stark. Plane deshalb pro Etage mindestens einen Access Point, statt zu hoffen, dass ein Geraet zwei Stockwerke durchdringt.
Die aktuelle Wi-Fi-7-Generation ist der U7 Pro mit rund 140 m2 Herstellerangabe zur maximalen Abdeckung, 2,5-GbE-Uplink und PoE+. Fuer grosse, offene Wohnbereiche oder viele gleichzeitige Geraete bringt der U7 Pro Max mehr Streams und Kapazitaet (bis 500+ Clients). Der U7 Pro Wall ersetzt eine Netzwerkdose in der Wand und ist ideal fuer Flure oder Treppenhaeuser, wo keine Deckenmontage moeglich ist. Wo das Budget knapp ist, genuegt in Nebenraeumen ein guenstigerer U6- oder U7-Lite-Access-Point.
AP-Platzierung: worauf es ankommt
- Access Points gehoeren an die Decke oder hoch an die Wand, mittig im Raum, nicht in einen Schrank oder hinter den Fernseher.
- APs uebereinander liegender Etagen leicht versetzt anordnen, damit sie sich nicht gegenseitig stoeren.
- Kueche, Metallschraenke und Fussbodenheizung meiden, sie daempfen das Signal.
- Fuer Garten oder Terrasse einen Outdoor-AP oder einen wandmontierten AP an der Aussenwand einplanen.
Grobe Dimensionierung nach Wohnflaeche
- Bis ca. 100 m2, ein bis zwei Etagen: Gateway (UCG-Ultra), 8- bis 16-Port-PoE-Switch, ein bis zwei U7 Pro.
- Reihenhaus, ca. 120 bis 160 m2, drei Etagen: UCG-Ultra, 16-Port-PoE-Switch, drei Access Points (je Etage einer), optional U7 Pro Wall im Treppenhaus.
- Grosses Haus, ueber 200 m2, mit Keller und Garten: UCG-Fiber oder Dream Machine Pro, 24-Port-PoE-Switch, vier oder mehr Access Points inklusive Outdoor-AP.
Empfohlene Komponenten (Beispiel)
- Gateway: UniFi Cloud Gateway Ultra (UCG-Ultra), bei 10G-Anschluss UCG-Fiber.
- Switch: USW-Pro-Max-16-PoE (2,5G-Ports und 10G-Uplink) oder das guenstigere USW-Lite-16-PoE.
- Access Points: U7 Pro fuer Wohnraeume, U7 Pro Max fuer grosse offene Flaechen, U7 Pro Wall fuer Flure.
- Verkabelung: Cat6a-Verlegekabel, Patchfeld, Netzwerkschrank, Cat6a-Keystone-Dosen.
- Ergaenzung: USW-Flex-Mini-2.5G als kleiner PoE-Switch hinter einer Dose fuer mehrere Geraete an einem Ort.
Haeufige Fragen
Brauche ich fuer ein Reihenhaus eine Dream Machine? Nein. Fuer die meisten Reihenhaeuser reicht das UCG-Ultra vollkommen. Eine Dream Machine oder das UCG-Fiber lohnen sich erst bei Anschluessen ueber 1 Gbit/s oder wenn du UniFi Protect mit lokaler Kameraaufzeichnung nutzen willst.
Wie viele Access Points brauche ich wirklich? Rechne mit einem AP pro Etage als Basis und ergaenze bei grossen oder verwinkelten Grundrissen. Weniger, aber gut platzierte APs sind besser als viele schlecht platzierte, die sich gegenseitig stoeren.
Cat6 oder Cat6a im Neubau? Im Neubau eindeutig Cat6a. Der Mehrpreis ist minimal, und du bist fuer 10-Gigabit-Anwendungen der naechsten Jahre geruestet, ohne die Waende noch einmal oeffnen zu muessen.
Muss ich WLAN-Kanaele selbst einstellen? Der UniFi-Controller uebernimmt Kanalwahl und Sendeleistung meist automatisch. Bei mehreren APs solltest du nach der Installation eine kurze Optimierung anstossen und die Ergebnisse pruefen.
Kann ich mit einem UniFi-Setup spaeter erweitern? Ja, das ist die Staerke des Systems. Solange Gateway und Switch Portreserven haben, fuegst du weitere Access Points, Kameras oder Switches einfach hinzu, sie tauchen automatisch im selben Controller auf.
Passendes Produkt: UniFi Cloud Gateway Ultra
Quellen: Ubiquiti UniFi Tech Specs, Ubiquiti UniFi Store



