In kommerziellen Hydroponik-Anlagen ist es allgegenwärtig: das NFT-System. Die Nährfilmtechnik versorgt Pflanzen mit einem dünnen, ständig fließenden Film aus Nährlösung. In diesem Artikel erklären wir dir das NFT-System einfach – Funktion, Vor- und Nachteile und geeignete Pflanzen.
Die Nährfilmtechnik (NFT) ist das Rückgrat des professionellen Salatanbaus und ein elegantes, wassersparendes Hydroponik-System. Ein dünner, fließender Nährfilm versorgt die Wurzeln gleichzeitig mit Nährstoffen und viel Sauerstoff. In diesem Artikel erfährst du, wie NFT funktioniert, worauf es bei Neigung und Durchfluss ankommt und für welche Pflanzen sich das System besonders lohnt.
Was ist NFT?
NFT steht für „Nutrient Film Technique“, also Nährfilmtechnik. Dabei fließt eine hauchdünne Schicht Nährlösung durch leicht geneigte Kanäle, in denen die Pflanzen sitzen. Die Wurzeln liegen teils im Film, teils an der Luft – so bekommen sie gleichzeitig Nährstoffe und viel Sauerstoff.
Wie funktioniert es?
Eine Pumpe befördert die Nährlösung aus einem Reservoir an das obere Ende der Kanäle. Von dort fließt sie durch die Schwerkraft zurück ins Reservoir – ein geschlossener Kreislauf. Die Neigung sorgt dafür, dass immer nur ein dünner Film und kein stehendes Wasser vorhanden ist.
Vor- und Nachteile
- Vorteil: sehr sparsam mit Wasser und Nährstoffen.
- Vorteil: hervorragende Sauerstoffversorgung der Wurzeln.
- Vorteil: gut skalierbar für viele Pflanzen.
- Nachteil: abhängig von der Pumpe – fällt sie aus, trocknen die Wurzeln schnell aus.
Geeignete Pflanzen
NFT ist ideal für leichte, schnell wachsende Pflanzen mit überschaubarem Wurzelwerk – allen voran Salat, Kräuter und andere Blattgemüse. Für schwere Fruchtpflanzen wie Tomaten ist es weniger geeignet, da ihnen der dünne Film zu wenig Halt und Wasser bietet.
Die richtige Neigung und Durchflussmenge
Damit sich wirklich nur ein dünner Film und kein stehendes Wasser bildet, kommt es auf zwei Größen an: das Gefälle der Kanäle und die Pumpenmenge. Bewährt hat sich eine Neigung von etwa 1:30 bis 1:40 – also rund 2 bis 3 Zentimeter Gefälle pro Meter Kanal. Die Durchflussmenge liegt meist bei 1 bis 2 Litern pro Minute je Kanal. Ist das Gefälle zu gering, staut sich Wasser und die Wurzeln bekommen zu wenig Sauerstoff; ist es zu steil, erreicht der Film die Wurzeln kaum noch. Beobachte die Kanäle in den ersten Tagen und justiere die Neigung notfalls nach.
- Neigung: ca. 2–3 cm pro Meter, gleichmäßig ohne Senken.
- Durchfluss: etwa 1–2 L/min je Kanal – genug für einen dünnen Film.
- Kanallänge: nicht zu lang, sonst hungern die hinteren Pflanzen.
NFT oder DWC – welches System passt?
NFT und DWC sind beide aktiv belüftete Systeme, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze. NFT punktet mit Skalierbarkeit und geringem Wasserverbrauch, DWC ist robuster gegenüber Pumpenausfällen, weil ein großes Wasserreservoir als Puffer dient.
| Merkmal | NFT | DWC |
|---|---|---|
| Wasserpuffer | gering | groß |
| Pumpenausfall | kritisch | unkritischer |
| Skalierbarkeit | sehr gut | begrenzt |
| Ideal für | Salat, Kräuter | auch Fruchtgemüse |
Pumpenausfall absichern
Der wunde Punkt von NFT ist die Abhängigkeit von der Pumpe: Weil kaum Wasser in den Kanälen steht, trocknen die Wurzeln bei einem Ausfall innerhalb von Stunden aus. Mit einfachen Vorkehrungen senkst du das Risiko deutlich.
- Reservepumpe bereithalten, falls die Hauptpumpe ausfällt.
- Filter/Vorsieb gegen Wurzelreste, die den Zulauf verstopfen.
- Notstrom oder Akku-Pumpe für den Fall eines Stromausfalls.
- Regelmäßige Kontrolle von Durchfluss und Zulauf.
- Kürzere Kanäle verkraften einen kurzen Ausfall besser als sehr lange.
Aufbau eines einfachen NFT-Systems
Für den Heimgebrauch lässt sich NFT mit überschaubarem Aufwand nachbauen. Als Kanäle dienen oft Abwasserrohre oder spezielle NFT-Profile mit Löchern für die Netztöpfe. Am unteren Ende läuft die Nährlösung zurück in ein Reservoir, aus dem eine Pumpe sie wieder nach oben befördert – ein geschlossener Kreislauf.
- Kanäle (Rohre oder Profile) mit Löchern für die Netztöpfe.
- Reservoir mit Nährlösung als Vorratsbehälter.
- Umwälzpumpe, die die Lösung nach oben fördert.
- Schläuche für Zu- und Rücklauf, leicht geneigt verlegt.
Setze die Jungpflanzen samt Steinwollwürfel in die Netztöpfe, sodass die Wurzeln in den Film hineinwachsen. In den ersten Tagen kann es helfen, den Wasserstand etwas höher zu halten, bis die Wurzeln den Kanalboden erreichen. Danach genügt der dünne, ständig fließende Nährfilm.
Häufige Fragen
Welche Neigung braucht ein NFT-Kanal?
Bewährt ist ein Gefälle von rund 1:30 bis 1:40, also etwa 2 bis 3 Zentimeter pro Meter. So fließt die Nährlösung als dünner Film ab, ohne dass sich stehendes Wasser bildet. Der Kanal sollte durchgehend ohne Senken verlegt sein.
Kann man Tomaten im NFT-System anbauen?
Grundsätzlich ja, empfehlenswert ist es aber nicht. Schwere Fruchtpflanzen bilden ein großes Wurzelwerk, das den dünnen Film verstopft, und finden zu wenig Halt und Wasser. Für Tomaten eignet sich DWC deutlich besser.
Was passiert bei einem Stromausfall?
Da in den Kanälen kaum Wasser steht, trocknen die Wurzeln bei stehender Pumpe schnell aus – oft schon nach wenigen Stunden. Eine Akku- oder Notstromlösung sowie eine Reservepumpe sind daher sinnvoll, wenn du dich auf NFT verlässt. Ein größeres Reservoir und kürzere Kanäle verschaffen dir im Ernstfall etwas mehr Zeit zum Reagieren.
Fazit
Das NFT-System ist effizient und platzsparend – der Standard für den professionellen Salatanbau. Sein größter Schwachpunkt ist die Abhängigkeit von der Pumpe, weshalb eine zuverlässige Technik wichtig ist. Einen kompletten Systemvergleich findest du in der Übersicht der Hydroponik-Systeme.
