Pi-hole installieren: Werbung netzwerkweit blocken

Werbung und Tracker nicht nur im Browser, sondern auf allen Geräten im Netzwerk blocken – ganz ohne App? Das leistet Pi-hole. Es arbeitet als DNS-Server und filtert unerwünschte Domains, bevor sie überhaupt geladen werden. In dieser Anleitung installierst du Pi-hole per Docker und richtest es als netzwerkweiten Werbeblocker ein. Einmal eingerichtet, schützt dich der netzwerkweite Werbeblocker auf Smartphones, Smart-TVs und IoT-Geräten gleichermaßen – ganz ohne Browser-Plugin. Wir zeigen dir zusätzlich, wie du die Sperrlisten sinnvoll erweiterst, Pi-hole absicherst und was du tust, wenn Werbung durchkommt oder Seiten kaputtgehen.

Wie funktioniert Pi-hole?

Pi-hole ist ein DNS-Server für dein Heimnetz. Fragt ein Gerät eine Domain an, prüft Pi-hole sie gegen Sperrlisten – und blockt Werbe- und Tracking-Domains sofort. Weil praktisch jedes Gerät DNS nutzt, wirkt der Schutz automatisch überall.


Schritt 1: Pi-hole per Docker Compose starten

Am einfachsten läuft Pi-hole als Container. Voraussetzung ist eine funktionierende Docker-Umgebung – siehe Docker Compose installieren. Lege folgende docker-compose.yml an:

services:
  pihole:
    image: pihole/pihole:latest
    container_name: pihole
    restart: unless-stopped
    ports:
      - "53:53/tcp"
      - "53:53/udp"
      - "8080:80/tcp"
    environment:
      TZ: "Europe/Berlin"
      WEBPASSWORD: "dein-sicheres-passwort"
    volumes:
      - ./etc-pihole:/etc/pihole
      - ./etc-dnsmasq:/etc/dnsmasq.d

Starte den Container anschließend:

docker compose up -d

Die Speicherung in Volumes sorgt dafür, dass deine Sperrlisten und Einstellungen erhalten bleiben.


Schritt 2: Die Weboberfläche öffnen

Rufe http://SERVER-IP:8080/admin auf und melde dich mit deinem Passwort an. Hier siehst du Statistiken, verwaltest Sperrlisten und gibst einzelne Domains frei.


Schritt 3: Pi-hole als DNS-Server hinterlegen

Damit alle Geräte Pi-hole nutzen, trägst du seine IP-Adresse im Router als DNS-Server ein. So bekommt jedes Gerät im Netz die Einstellung automatisch per DHCP. Alternativ setzt du sie pro Gerät einzeln.


Sperrlisten sinnvoll erweitern

Nach der Installation nutzt Pi-hole eine solide Standard-Sperrliste. Wer mehr blocken will, ergänzt weitere Blocklists in der Weboberfläche unter Adlists. Weniger ist dabei oft mehr: Riesige Listen bringen selten spürbar mehr Schutz, verursachen aber mehr Fehlalarme. Diese Kategorien decken die meisten Bedürfnisse ab:

  • Werbung & Tracking: die Basis – blockt die gängigen Anzeigen- und Analyse-Domains.
  • Malware & Phishing: sperrt bekannte schädliche Domains netzwerkweit.
  • Telemetrie: reduziert das „Nach-Hause-Telefonieren“ von Betriebssystemen und Smart-Geräten.
  • Whitelist pflegen: Setze fälschlich blockierte, aber benötigte Domains gezielt auf die Erlaubt-Liste.

Aktualisiere die Listen regelmäßig über die Funktion Update Gravity, damit neue Domains erfasst werden. Ein guter Startpunkt ist, mit der Standardliste zu beginnen und nur bei konkretem Bedarf eine weitere Kategorie zu ergänzen. So behältst du den Überblick, welche Liste für eine eventuelle Fehlblockade verantwortlich ist, und vermeidest, dass sich mehrere Listen gegenseitig überschneiden und die Auflösung unnötig ausbremsen.


Pi-hole absichern: Best Practices

Da Pi-hole für dein gesamtes Netz DNS auflöst, ist ein stabiler und sicherer Betrieb wichtig. Mit diesen Maßnahmen läuft es zuverlässig:

  • Starkes Web-Passwort: Vergib in der docker-compose.yml ein sicheres WEBPASSWORD und ändere das Beispiel unbedingt.
  • Fallback-DNS einplanen: Fällt Pi-hole aus, sollte im Router ein zweiter DNS eingetragen sein oder ein zweites Pi-hole bereitstehen.
  • Verschlüsseltes DNS: Kombiniere Pi-hole mit DNS-over-HTTPS oder DNS-over-TLS im Upstream, um Anfragen zu schützen.
  • Backups der Volumes: Sichere die Ordner etc-pihole und etc-dnsmasq, damit Listen und Einstellungen erhalten bleiben.
  • Updates einspielen: Aktualisiere das Image regelmäßig per docker compose pull und Neustart.

Troubleshooting: Werbung kommt durch oder Seiten sind kaputt

Nicht jede Anzeige verschwindet sofort, und manchmal blockt Pi-hole zu viel. Die häufigsten Fälle und ihre Lösungen:

  • Werbung bleibt sichtbar: Prüfe, ob das Gerät wirklich Pi-hole als DNS nutzt. Viele Smart-Geräte und Browser umgehen den Router-DNS über eigene DoH-Server.
  • Seite lädt nicht mehr: Eine benötigte Domain wurde geblockt. Suche sie im Query-Log und setze sie auf die Whitelist.
  • YouTube-Werbung bleibt: Diese Anzeigen kommen von denselben Servern wie die Videos und lassen sich per DNS kaum zuverlässig filtern.
  • Langsame Namensauflösung: Kontrolliere den Upstream-DNS und ob der Container genug Ressourcen hat.

Suchst du eine Alternative? Ein Vergleich lohnt sich mit AdGuard Home. Grundsätzlich gilt: Pi-hole filtert auf DNS-Ebene und kann daher nur ganze Domains sperren, nicht einzelne Werbeflächen innerhalb einer Seite. Für die letzten Prozent an Werbefreiheit kombinierst du es am besten weiterhin mit einem Content-Blocker im Browser – beide Ebenen ergänzen sich hervorragend.


Häufige Fragen

Läuft Pi-hole auch auf einem Raspberry Pi?

Ja, daher der Name. Pi-hole läuft sparsam schon auf einem Raspberry Pi und eignet sich hervorragend als Dauerläufer im Heimnetz. Genauso gut funktioniert es als Docker-Container auf einem NAS, Mini-PC oder Heimserver. Wichtig ist vor allem, dass das Gerät rund um die Uhr erreichbar ist – denn fällt der DNS-Server weg, fehlt der Namensdienst im gesamten Netz. Ein stromsparender Kleinrechner ist deshalb oft die bessere Wahl als ein PC, den du abends ausschaltest.

Verlangsamt Pi-hole mein Internet?

Nein, im Gegenteil. Da geblockte Inhalte gar nicht erst geladen werden, wirken viele Seiten sogar schneller und verbrauchen weniger Datenvolumen. Die DNS-Auflösung selbst dauert nur Millisekunden und fällt im Alltag nicht ins Gewicht. Nur wenn dein Upstream-DNS langsam antwortet oder der Container zu wenig Ressourcen hat, kann es zu Verzögerungen kommen – beides lässt sich mit einem schnellen Upstream und etwas mehr Arbeitsspeicher leicht beheben.

Was passiert, wenn Pi-hole ausfällt?

Ist Pi-hole der einzige DNS-Server und fällt aus, funktioniert die Namensauflösung im Netz nicht mehr – das Internet wirkt dann „offline“. Deshalb solltest du im Router einen zweiten DNS hinterlegen oder ein zweites Pi-hole als Ausfallsicherung betreiben. Achte aber darauf, dass der Zweit-DNS nicht heimlich die Filterung umgeht: Trägst du dort einen öffentlichen Anbieter ein, laufen bei einem Ausfall alle Anfragen ungefiltert – ein zweites Pi-hole ist die sauberere Lösung.


Fazit

Pi-hole blockt Werbung und Tracker zentral für dein ganzes Netzwerk – als Docker-Container in wenigen Minuten aufgesetzt. Der entscheidende Schritt ist, seine IP im Router als DNS zu hinterlegen. Danach profitieren alle Geräte automatisch. Eine Alternative mit ähnlichem Funktionsumfang stellen wir dir unter AdGuard Home installieren vor.

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