Wer seine Film-, Serien- und Musiksammlung im eigenen Heimnetzwerk streamen möchte, stößt schnell auf die drei großen Namen: Jellyfin, Plex und Emby. Alle drei verwandeln einen PC, ein NAS oder einen kleinen Server in eine private Streaming-Zentrale, aus der jedes Gerät im Haushalt bedient wird. Doch trotz ähnlicher Grundidee unterscheiden sich die drei Media-Server deutlich bei Preis, Funktionsumfang, Datenschutz und Offenheit. Dieser Vergleich zeigt dir, welche Software zu deinen Anforderungen passt.
Was macht ein Media-Server überhaupt?
Ein Media-Server katalogisiert deine lokalen Mediendateien, reichert sie automatisch mit Metadaten wie Covern, Beschreibungen und Untertiteln an und stellt sie über eine übersichtliche Oberfläche bereit. Der Server läuft dabei zentral, während Apps auf Fernseher, Smartphone, Tablet oder im Browser als Abspielgeräte dienen. Bei Bedarf transkodiert der Server die Inhalte in Echtzeit, damit auch schwächere Endgeräte flüssig streamen können. Genau hier liegen die Stärken und Schwächen von Jellyfin, Plex und Emby.
Die drei Kandidaten im Kurzporträt
Plex
Plex ist der bekannteste und in der Regel unkomplizierteste Kandidat. Als Server werden zahlreiche Plattformen wie Windows, Linux, macOS, Docker und viele NAS-Systeme unterstützt, und die Player-Apps gibt es für praktisch jedes Gerät. Die wichtigsten Funktionen sind kostenlos, die Einrichtung ist einsteigerfreundlich. Plex ist allerdings Closed-Source und setzt für die Verwaltung einen Online-Account voraus. Der kostenpflichtige Plex Pass schaltet Extras wie Synchronisierung zwischen Mobilgeräten, Hardware-Transkodierung, DVR und den vollen Funktionsumfang der Apps frei.
Emby
Emby ist der direkte Konkurrent zu Plex und deckt eine ähnlich große Vielfalt an Plattformen ab. Die kostenpflichtigen Funktionen ähneln denen von Plex stark, Emby bietet jedoch einige Zusatzfeatures und eine flexiblere Konfiguration. Der Kern von Emby war ursprünglich quelloffen, mittlerweile sind große Teile jedoch Closed-Source. Viele mobile Apps liegen bei Emby hinter einer Paywall, dafür lässt sich die Benutzerverwaltung auch komplett lokal betreiben.
Jellyfin
Jellyfin ist der bekannteste Emby-Fork und dabei komplett Free and Open Source. Als Emby von Open-Source auf Closed-Source umstieg, spaltete sich ein Teil der Community ab und entwickelte Jellyfin weiter. Das Projekt verspricht ausdrücklich: keine Premium-Features, keine Lizenzen, keine Abos und keine versteckten Kosten. Live-TV und eine Kindersicherung sind ohne Aufpreis dabei. Der Preis dafür: Es gibt etwas weniger ausgereifte Endgeräte-Apps als bei der Konkurrenz, und der Server wirkt in Teilen schlichter.
Kostenlos vs. Premium: Was kostet welche Lösung?
Preislich liegen Plex und Emby dicht beieinander. Beide bieten ein Premium-Abo, das zusätzliche Funktionen freischaltet:
- Plex Pass: ca. 4,99 € pro Monat, 39,99 € pro Jahr oder 119 € einmalig als Lifetime-Lizenz.
- Emby Premiere: ca. 4,99 € pro Monat, 39,99 € pro Jahr oder 119,99 € als Lifetime-Lizenz.
- Jellyfin: dauerhaft kostenlos, alle Funktionen inklusive.
Da Jellyfin sämtliche Features ohne Bezahlschranke bereitstellt, müssen Plex und Emby vor allem über Komfort, App-Qualität und Zusatzfunktionen punkten. Wer also nur eine solide Streaming-Basis ohne laufende Kosten sucht, ist mit Jellyfin bestens bedient. Wer maximalen Komfort und ausgereifte Apps schätzt, findet ihn eher bei Plex.
Wichtige Unterschiede auf einen Blick
- Emby und Jellyfin bringen eine kostenlose Kindersicherung mit.
- Plex ist Closed-Source, während Jellyfin vollständig quelloffen ist.
- Emby und Jellyfin bieten kostenlose Live-TV-Unterstützung, bei Plex ist DVR Teil des Plex Pass.
- Jellyfin hat noch nicht so viele ausgereifte mobile Apps wie die Konkurrenz.
- Emby sperrt viele seiner mobilen Anwendungen hinter einer Paywall.
Beim Thema Live-TV lohnt ein genauer Blick auf die Hardware: Welcher Tuner unterstützt wird und wie du etwa einen Plex Live-TV und DVR mit einem AVM-FRITZ-DVB-C-Tuner betreibst, entscheidet über den Komfort im Alltag.
So sieht das Webinterface der drei Kandidaten aus



Optisch nehmen sich die drei Oberflächen wenig: Alle setzen auf ein modernes Kachel-Layout mit großen Covern und einer klaren Navigation nach Bibliotheken. Plex gilt als am politeresten und einsteigerfreundlichsten, Emby und Jellyfin bieten dafür etwas mehr Freiheit bei der Anpassung.
Direktvergleich: Jellyfin vs. Plex vs. Emby
| Feature | Plex Media Server | Emby Server | Jellyfin |
|---|---|---|---|
| Unterstützte Server-Plattformen | Windows, Mac, Linux, NAS | Windows, Mac, Linux, NAS | Windows, Mac, Linux, Docker |
| Unterstützte Client-Plattformen | Sehr viele Geräte | Viele Geräte | Einige Geräte |
| Installation und Bedienung | Sehr einfach | Einfach | Einfach |
| Individuelle Anpassung | Eingeschränkt | Flexibel | Flexibel und Open-Source |
| Lokales und Remote-Streaming | Ja | Ja | Ja |
| Live-TV, IPTV und DVR | Gute OTA- und DVR-Unterstützung (Plex Pass), kein IPTV | OTA und DVR (nur HDHomeRun/Hauppauge, Emby Premiere), gutes IPTV | OTA und DVR (nur HDHomeRun/Hauppauge), gutes IPTV |
| Metadaten-Verwaltung | Web-Interface | Web-Interface | Web-Interface |
| Zentrale Datenbank für mehrere Clients | Ja | Ja | Ja |
| Kostenlose Inhalte | Werbefinanzierte Filme, TV, News, Podcasts | Nein | Nein |
| Plugins / Add-ons | Keine | Einige | Einige |
| Offline-Wiedergabe | Gut | Gut | OK |
| Benutzerverwaltung | Admin benötigt Online-Account | Lokal und optional Online | Lokal |
| Bibliothek teilen | Einfach | Einfach | Einfach |
| Virtual Reality | Plex VR verfügbar | Nein | Nein |
| Entwicklungsmodell | Closed-Source | Überwiegend Closed-Source | Open-Source |
Welche Software ist jetzt die beste?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denn die beste Wahl hängt von deinen Bedürfnissen ab. Plex ist die richtige Wahl, wenn du maximalen Komfort, die beste App-Abdeckung und kostenlose Streaming-Inhalte möchtest und einen Online-Account nicht scheust. Emby passt, wenn du mehr Kontrolle und lokale Benutzerverwaltung schätzt, aber nicht komplett auf Open-Source verzichten willst. Jellyfin ist ideal für alle, die volle Datenhoheit, Quelloffenheit und dauerhaft null Kosten priorisieren.
Am einfachsten findest du deinen Favoriten, indem du sie ausprobierst: Plex und Emby lassen sich über Plex Pass beziehungsweise Emby Premiere einen Monat gratis testen, Jellyfin ist ohnehin kostenlos. Wer generell gerne selbst hostet, findet im Open-Source-Umfeld noch viele weitere Werkzeuge, etwa Coolify als selbstgehostete PaaS-Alternative, um den eigenen Server rund auszubauen.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Jellyfin wirklich komplett kostenlos?
Ja. Jellyfin ist Free and Open Source und stellt alle Funktionen ohne Abo, Lizenz oder versteckte Kosten bereit. Es gibt keine Premium-Stufe, die zusätzliche Features freischaltet.
Was ist der Unterschied zwischen Jellyfin und Emby?
Jellyfin ist ein Fork von Emby, entstanden nachdem Emby große Teile seines Codes von Open-Source auf Closed-Source umgestellt hatte. Jellyfin bleibt vollständig quelloffen und kostenlos, während Emby ein Premium-Abo (Emby Premiere) für bestimmte Funktionen und mobile Apps nutzt.
Welcher Media-Server eignet sich am besten für ein NAS?
Alle drei laufen auf gängigen NAS-Systemen. Plex ist auf vielen NAS-Geräten am einfachsten einzurichten. Beachte jedoch, dass Firmware-Updates die Kompatibilität beeinflussen können, etwa wenn ein Synology-DSM-Update Plex vorübergehend funktionsunfähig macht.
Brauche ich einen leistungsstarken Server?
Für einfaches Direct-Play reicht schon ein sparsamer Mini-PC oder ein NAS. Sobald der Server Inhalte in Echtzeit transkodieren muss, etwa für ältere Endgeräte oder langsame Verbindungen, wird mehr CPU-Leistung oder eine Hardware-Transkodierung wichtig. Diese ist bei Plex Teil des Plex Pass.
Unterstützen alle drei Live-TV und DVR?
Grundsätzlich ja. Emby und Jellyfin bieten Live-TV und DVR kostenlos, Plex verlangt dafür den Plex Pass. Für DVR werden vor allem OTA-Tuner wie HDHomeRun oder Hauppauge unterstützt, bei IPTV haben Emby und Jellyfin die Nase vorn.
Welcher Server ist am besten für den Datenschutz?
Jellyfin, da es quelloffen ist und keine Anmeldung bei einem externen Online-Dienst verlangt. Die Benutzerverwaltung läuft vollständig lokal, sodass keine Kontodaten an einen Anbieter übertragen werden.
