Unraid: Welche Festplatten? CMR, NAS-Serien und Parität

Grundsätzlich läuft Unraid mit jeder Festplatte. Praktisch gibt es aber eine Eigenschaft, die über Erfolg und Ärger entscheidet – und sie steht bei kaum einem Angebot in der Überschrift.

Diese Seite erklärt, worauf es bei Laufwerken für Unraid wirklich ankommt, welche Größenstrategie sinnvoll ist und warum eine bestimmte Aufnahmetechnik für dieses System gefährlich ist.

Der wichtigste Punkt zuerst: CMR statt SMR

Festplatten schreiben ihre Spuren auf zwei verschiedene Arten:

CMRSMR
Spurennebeneinanderüberlappend, wie Dachziegel
Speicherdichtenormalhöher, deshalb billiger
Schreiben kleiner Änderungenproblemlosmuss ganze Bereiche neu schreiben
Verhalten unter Dauerlastgleichbleibendbricht stark ein
Für Unraid geeignetjanein

Warum SMR bei Unraid ein echtes Problem ist: Beim Wiederherstellen einer ausgefallenen Platte schreibt Unraid stundenlang am Stück auf das Ersatzlaufwerk. Eine SMR-Platte bricht dabei massiv ein – aus einem Tag werden mehrere. Im schlimmsten Fall läuft der Vorgang in eine Zeitüberschreitung und wird abgebrochen.

Das trifft genau die Situation, in der Du auf die Technik angewiesen bist: wenn eine Platte bereits ausgefallen ist und das Array ungeschützt läuft. Eine SMR-Platte als Parität ist die schlechteste Entscheidung, die Du in diesem System treffen kannst.

Wie Du SMR erkennst

Gar nicht so leicht – Hersteller haben die Angabe zeitweise verschwiegen, was 2020 zu einiger Aufregung geführt hat. Anhaltspunkte:

  • Datenblatt suchen, nicht die Verkaufsseite. Dort steht es meist unter „Recording Technology“.
  • Auffällig günstig bei hoher Kapazität ist ein Warnsignal.
  • Externe Platten sind häufiger SMR – besonders die günstigen Desktop-Modelle.
  • NAS-Baureihen sind meist CMR, aber nicht ausnahmslos. Die Einstiegsmodelle einiger Serien waren es nicht.

Im Zweifel gilt: Modellnummer nachschlagen, nicht der Produktbezeichnung vertrauen.

Warum NAS-Platten die richtige Wahl sind

NAS-Baureihen kosten mehr als Desktop-Platten. Der Aufpreis kauft drei Dinge, die im Dauerbetrieb zählen:

  • Freigabe für Dauerbetrieb. Desktop-Platten sind für wenige Stunden täglich ausgelegt, NAS-Platten für den Rund-um-die-Uhr-Betrieb.
  • Höhere jährliche Schreiblast. Die Hersteller geben ein Arbeitspensum an; bei NAS-Modellen liegt es deutlich höher.
  • Vibrationsfestigkeit. Mehrere Platten im selben Gehäuse regen sich gegenseitig an. NAS-Laufwerke sind dafür ausgelegt, Desktop-Modelle nicht.
  • Längere Garantie – meist drei bis fünf Jahre statt zwei.

Der dritte Punkt wird unterschätzt. In einem Gehäuse mit sechs oder acht Platten ist Vibration ein realer Ausfallgrund, und genau dafür sind Desktop-Laufwerke nicht gebaut.

Größenstrategie: die eine Regel, die alles bestimmt

Die Paritätsplatte muss mindestens so groß sein wie die größte Datenplatte. Aus dieser einen Regel folgt die gesamte Planung.

Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen, die viele erst zu spät merken:

  1. Kaufe die Parität großzügig. Wenn Deine größte Datenplatte 8 TB hat und Du später 16 TB nachrüsten willst, musst Du erst die Parität tauschen. Das bedeutet einen kompletten Neuaufbau der Parität.
  2. Mische Größen bewusst. Unraid erlaubt gemischte Größen – das ist sein Hauptvorteil. Aber jede Platte, die größer ist als die Parität, kannst Du nicht einbinden.

Wie viel Kapazität geht verloren?

AufbauRohNutzbarAusfallschutz
2 Platten, 1 Parität2 Einheiten1 Einheit1 Platte
4 Platten, 1 Parität4 Einheiten3 Einheiten1 Platte
8 Platten, 1 Parität8 Einheiten7 Einheiten1 Platte
8 Platten, 2 Parität8 Einheiten6 Einheiten2 Platten

Der Vorteil gegenüber klassischem RAID: Die Parität kostet eine feste Anzahl Platten, nicht einen Anteil. Je größer das Array, desto günstiger wird der Schutz relativ gesehen.

Ab etwa sechs bis acht Platten lohnt eine zweite Paritätsplatte. Der Grund ist statistisch: Beim Wiederherstellen werden alle verbleibenden Platten stundenlang komplett gelesen – genau die Belastung, bei der eine zweite altersschwache Platte gern nachgibt.

Wie viele Platten, welche Größe?

Eine Faustregel, die sich bewährt hat: Wenige große Platten schlagen viele kleine.

Viele kleine PlattenWenige große Platten
Stromverbrauchhöherniedriger
SATA-Ports nötigvielewenige
Ausfallwahrscheinlichkeit gesamthöherniedriger
Wiederherstellungsdauerkürzerlänger
Preis pro Terabytemeist schlechtermeist besser
Erweiterbarkeitflexiblerteurer je Schritt

Der einzige echte Gegenpunkt steht in Zeile vier: Eine 20-TB-Platte wiederherzustellen dauert sehr lange – und in dieser Zeit läuft das Array ungeschützt. Das ist das Hauptargument für eine zweite Paritätsplatte bei großen Laufwerken.

Welche Anschlüsse und Einbauplätze Du dafür brauchst, steht unter Unraid: welche Hardware?.

SSDs: nicht ins Array, sondern in den Cache

SSDs gehören bei Unraid nicht ins Array. Dort würden sie zusammen mit den langsamsten Platten arbeiten, ihre Geschwindigkeit verpuffen und die Parität würde sie unnötig belasten.

Ihr Platz ist der Cache-Pool: Dort landen Schreibvorgänge zuerst, dort laufen Docker-Container und virtuelle Maschinen. Und weil die Cache-Daten nicht durch die Parität geschützt sind, gehören dorthin zwei SSDs im Spiegel – siehe Unraid: welches Dateisystem? und Unraid auf SSD installieren.

Gebraucht kaufen: wann es sich lohnt

Gebrauchte Server-Platten sind günstig, und für ein Medienarchiv kann das aufgehen. Drei Dinge solltest Du prüfen:

  1. Betriebsstunden auslesen. Über die SMART-Werte. Alles jenseits von 30.000 Stunden ist ein Kalkül, keine Investition.
  2. Wiederzugewiesene Sektoren. Ein Wert über null ist ein Warnsignal, ein steigender Wert ein Ausschlusskriterium.
  3. Niemals gebraucht als Parität. Die Paritätsplatte ist die, auf die es im Ernstfall ankommt.

Und generell: Neue Platten vor dem Einsatz einlaufen lassen. Unraid bringt dafür Werkzeuge mit, die ein Laufwerk vollständig beschreiben und wieder lesen. Ausfälle passieren gehäuft in den ersten Betriebswochen – besser jetzt als später mit Daten drauf.

Häufige Fragen

Kann ich verschiedene Hersteller mischen?

Ja, und es ist sogar sinnvoll. Platten aus derselben Fertigungsserie fallen gern zu ähnlichen Zeiten aus – gemischte Hersteller verteilen dieses Risiko.

Muss die Paritätsplatte die schnellste sein?

Sie sollte nicht die langsamste sein, denn sie wird bei jedem Schreibvorgang mitbeschrieben. Vor allem aber darf sie nicht SMR sein.

Was passiert, wenn eine Platte ausfällt?

Das Array läuft weiter, die fehlenden Daten werden aus der Parität berechnet. Du tauschst die Platte, Unraid stellt sie wieder her. Während dieser Zeit gibt es keinen weiteren Schutz – deshalb ab einer gewissen Größe die zweite Parität.

Ersetzt Parität ein Backup?

Nein, und das ist der wichtigste Satz zu diesem Thema. Parität schützt vor Plattenausfall. Sie schützt nicht vor versehentlichem Löschen, Verschlüsselungstrojanern oder einem Wasserschaden. Wichtige Daten brauchen eine zweite Kopie an einem anderen Ort.

Wie viele Platten verträgt ein Array?

Unraid erlaubt je nach Lizenz eine unterschiedliche Zahl. Die praktische Grenze setzen eher Anschlüsse, Einbauplätze und Netzteil.

Lohnen sich Platten mit Heliumfüllung?

Bei großen Kapazitäten sind sie ohnehin Standard. Sie laufen kühler und sparsamer als vergleichbare luftgefüllte Modelle – ein angenehmer Nebeneffekt im Dauerbetrieb.

Fazit

Die wichtigste Entscheidung bei Unraid-Festplatten ist keine Frage der Marke, sondern der Aufnahmetechnik: CMR ja, SMR nein. Eine SMR-Platte verwandelt eine Wiederherstellung von einem langen Tag in eine mehrtägige Zitterpartie – und als Parität ist sie ein echtes Risiko.

Danach kommen: NAS-Baureihe statt Desktop wegen Dauerbetrieb und Vibrationsfestigkeit, Parität großzügig dimensionieren, damit spätere Erweiterungen nicht am Größenlimit scheitern, und ab sechs bis acht Platten eine zweite Parität.

Und ganz unabhängig davon: Parität ist kein Backup. Sie schützt die Verfügbarkeit, nicht die Daten.

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