Mini-PC für Proxmox: neu kaufen oder gebrauchten Tiny nehmen?

Für Proxmox im Homelab stehen sich zwei Lager gegenüber: neue Mini-PCs mit Intel-N-Prozessor für rund 300 Euro und generalüberholte Business-Tiny-PCs für 250 bis 300 Euro. Beide passen in eine Hand, beide brauchen wenig Strom, beide laufen leise.

Die Entscheidung fällt trotzdem eindeutig aus – und zwar an einem einzigen Punkt, der in kaum einer Produktbeschreibung steht.

Der entscheidende Unterschied: der RAM-Deckel

Proxmox ist nicht rechenhungrig, sondern speicherhungrig. Jede virtuelle Maschine bekommt ihren eigenen Arbeitsspeicher fest zugewiesen, und der ist weg, egal ob die VM etwas tut oder nicht. Drei kleine VMs mit je 4 GB, dazu Proxmox selbst – schon sind 16 GB voll.

Genau hier trennen sich die beiden Wege:

Neuer Mini-PC (N100/N150)Gebrauchter Tiny-PC
Speicher-Steckplätzemeist einerzwei
Realistisches Maximum16 GB32 GB und mehr
Prozessor4 Kerne, sparsam6 Kerne, mehr Leistung
Erweiterungssteckplatzneinje nach Modell per Riser
Zweiter Netzwerkanschlussoft ab Werknein
GarantieneuHändlergarantie auf Gebrauchtgerät
Stromverbrauch im Leerlaufsehr niedrigniedrig

Die zweite Zeile ist der Kern. Ein Beelink EQ14 etwa hat 16 GB DDR4 im Single-Channel verbaut – das heißt in aller Regel: ein Steckplatz, und damit ist bei 16 GB Schluss. Ein ThinkCentre Tiny nimmt zwei Riegel und kommt damit auf 32 GB, ohne dass man das Gerät tauschen müsste.

Für Proxmox ist das der Unterschied zwischen „drei VMs“ und „so viele, wie ich brauche“. Was die Bezeichnungen auf den Speicherriegeln bedeuten, erklärt 1Rx8, 2Rx4 und Co..

Wann der neue Mini-PC trotzdem gewinnt

Es gibt drei Fälle, in denen der N150 die bessere Wahl ist:

  1. Zwei Netzwerkanschlüsse ab Werk. Wenn Du eine Firewall wie OPNsense virtualisieren willst, brauchst Du zwei Ports – WAN und LAN. Der Beelink EQ14 bringt sie mit, ein Tiny-PC nicht.
  2. Zwei M.2-Steckplätze. Der EQ14 hat neben der verbauten SATA-SSD zwei M.2-PCIe-3.0-Plätze – damit lässt sich schneller Speicher für VMs nachrüsten, ohne etwas auszubauen.
  3. Absolute Sparsamkeit. Die N-Serie ist im Leerlauf noch genügsamer als ein sechs Jahre alter i5. Bei einem Gerät, das rund um die Uhr läuft, macht das über Jahre einen spürbaren Unterschied.

Punkt 1 ist der häufigste echte Grund. Wer Proxmox nur als Unterbau für ein paar Dienste nutzt, ist damit gut bedient – solange 16 GB reichen.

Was Proxmox wirklich braucht

AnforderungMindestensSinnvoll
Arbeitsspeicher8 GB32 GB
Prozessorkerne24–6
Virtualisierung im BIOSVT-xVT-x und VT-d
SystemlaufwerkSSDNVMe-SSD
Netzwerk1 Gbit/s2,5 Gbit/s oder zwei Ports

VT-d ist der Punkt, den man leicht übersieht. Ohne diese Funktion kannst Du keine Hardware direkt an eine VM durchreichen – keine Netzwerkkarte, keinen USB-Controller, keine Grafikeinheit. Beide Gerätetypen können es, aber es muss im BIOS eingeschaltet sein, und ab Werk steht es oft auf „Aus“.

Zum Systemlaufwerk noch ein Hinweis: Proxmox schreibt viel – Protokolle, Cluster-Zustand, Statistiken. Billige SSDs ohne DRAM-Puffer verschleißen dabei schneller als erwartet. Für das System reicht eine kleine, solide SSD; die Nutzdaten gehören ohnehin woanders hin.

Drei Knoten statt einem: der Cluster-Gedanke

Sobald mehr als ein Gerät im Spiel ist, wird Proxmox interessant: Mehrere Knoten bilden einen Verbund, VMs lassen sich im laufenden Betrieb verschieben, und bei Ausfall eines Geräts übernimmt ein anderes.

Der wichtige Punkt dabei ist die Drei. Ein Proxmox-Cluster braucht für Entscheidungen eine Mehrheit. Bei zwei Knoten gibt es keine – fällt einer aus, steht der andere still, weil er nicht weiß, ob er allein zuständig ist. Mit drei Knoten funktioniert es.

Genau deshalb sind gebrauchte Tiny-PCs im Homelab so beliebt: Drei Stück kosten zusammen weniger als ein ordentlicher Server und passen nebeneinander in ein Regalfach. Wie so ein Aufbau in der Praxis aussieht, beschreibt der Weg zum Hybrid-Cluster.

Als günstige dritte Stimme reicht übrigens auch ein sehr kleines Gerät – es muss nicht dieselbe Leistung haben wie die beiden Arbeitstiere.

Wo beide Gerätetypen an Grenzen stoßen

  • Kein ECC-Speicher. Weder Mini-PC noch Business-Tiny unterstützen fehlerkorrigierenden Speicher. Für ein Homelab verkraftbar, für kritische Daten ein Argument für richtige Server-Hardware.
  • Wenig Platz für Festplatten. Beide nehmen ein bis zwei kleine Laufwerke. Wer Speicher braucht, hängt ein NAS daneben – die passenden Laufwerke behandelt NAS-Festplatten im Vergleich.
  • Kein Fernzugriff auf BIOS-Ebene. Business-Hardware in dieser Klasse hat kein Baseboard-Management. Wenn die Kiste nicht mehr bootet, hilft nur ein Monitor – oder ein IP-KVM.
  • Kein zweites Netzteil, kein Hot-Swap. Ausfallsicherheit entsteht hier über mehrere Knoten, nicht über redundante Bauteile im Gerät.

Der dritte Punkt wird regelmäßig unterschätzt. Ein Homeserver ohne Bildschirm ist der Normalfall – bis zu dem Tag, an dem er nicht mehr hochfährt. Ob Deine Hardware eine Fernverwaltung mitbringt, klärt IPMI, iDRAC, iLO oder externes IP-KVM?.

Die Empfehlung

Dein VorhabenEmpfehlung
Erster Proxmox-Server, ein paar Dienstegebrauchter Tiny mit 16 GB
Mehrere VMs, Wachstum geplantTiny, später auf 32 GB aufrüsten
OPNsense oder pfSense virtualisierenneuer Mini-PC mit zwei Netzwerkports
Drei-Knoten-Clusterdrei gebrauchte Tinys
Nur Docker-Container, keine VMsneuer Mini-PC reicht
Viel Speicherplatz nötigseparates NAS daneben – siehe Unraid-Hardware
ECC und Fernwartung wichtigkeins von beiden – richtige Server-Hardware

Für die meisten ist der gebrauchte Tiny die vernünftigere Wahl. Sechs Kerne statt vier, zwei Speichersteckplätze statt einem, robuste Business-Hardware – und das zum selben Preis wie ein neuer Mini-PC. Der Nachteil ist der fehlende zweite Netzwerkanschluss, und den braucht man nur für einen ganz bestimmten Zweck.

Vor dem Kauf prüfen

  1. Wie viel Speicher ist verbaut, und wie viele Steckplätze sind belegt? Ein Gerät mit 16 GB in einem Riegel lässt sich verdoppeln, eines mit 2×8 GB nicht ohne Austausch.
  2. Ist ein Betriebssystem vorinstalliert, das Du gar nicht brauchst? Proxmox überschreibt es ohnehin – der Windows-Aufpreis ist verschenkt, sofern es die Auswahl gibt.
  3. Wie ist der Zustand beim Gebrauchtgerät beschrieben? „Generalüberholt, geprüft und gereinigt, technisch einwandfrei“ ist die übliche Formel seriöser Händler.
  4. Passt das Netzteil dazu? Bei gebrauchten Tinys ist es manchmal nicht dabei – ohne das passende Steckernetzteil steht das Gerät still.
  5. Gibt es einen Riser-Steckplatz? Bei manchen Tiny-Modellen lässt sich darüber eine Netzwerkkarte nachrüsten. Das kann den fehlenden zweiten Port nachträglich lösen.

Häufige Fragen

Reicht ein Intel N100 oder N150 für Proxmox?

Für Container und zwei bis drei kleine VMs ja. Die Prozessorleistung ist selten das Problem – der Arbeitsspeicher ist es.

Kann ich einen Mini-PC auf 32 GB aufrüsten?

Bei den N-Serie-Geräten meist nicht: ein Steckplatz, 16 GB Deckel. Prüfe die Angabe „Single-Channel“ oder die Zahl der SODIMM-Steckplätze, bevor Du kaufst.

Wie viel Strom braucht so ein Server?

Beide liegen im niedrigen zweistelligen Wattbereich im Leerlauf. Über ein Jahr macht der Unterschied zwischen den beiden Typen wenige Euro aus – das ist kein Entscheidungskriterium.

Lohnt sich ein gebrauchter Server statt eines Tiny-PCs?

Für Virtualisierung mit viel RAM ja, sonst selten. Rackserver sind laut, verbrauchen mehr und gehören nicht in einen Wohnraum. Die Abwägung steht unter Unraid: welche Hardware?.

Brauche ich für Proxmox eine zweite SSD?

Sinnvoll ja: eine kleine für das System, eine größere für die VM-Abbilder. Das trennt Systemschreiblast von Nutzdaten und macht eine Neuinstallation unkomplizierter.

Was ist mit Proxmox auf einem Raspberry Pi?

Proxmox VE ist für x86 gebaut und läuft auf ARM nicht offiziell. Für einen Pi sind Docker oder k3s die passenderen Wege.

Fazit

Die Wahl zwischen neuem Mini-PC und gebrauchtem Tiny entscheidet sich am Speicherausbau, nicht an der Rechenleistung. Ein Gerät mit einem einzigen Speichersteckplatz ist bei 16 GB am Ende – und bei Proxmox ist das die Grenze, an die man zuerst stößt.

Nimm einen gebrauchten Business-Tiny, wenn Du wachsen willst: sechs Kerne, zwei Speichersteckplätze, aufrüstbar auf 32 GB, robuste Hardware zum Preis eines neuen Mini-PCs.

Nimm einen neuen Mini-PC mit N150, wenn Du zwei Netzwerkanschlüsse brauchst – etwa für eine virtualisierte Firewall – oder wenn 16 GB absehbar reichen.

Und wenn Du ohnehin mehr als ein Gerät planst: Drei gebrauchte Tinys ergeben einen echten Cluster und kosten zusammen weniger als ein ordentlicher Server.

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